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Duisburg
Die Wirklichkeit zum Leuchten bringen

Duisburg: Die Wirklichkeit zum Leuchten bringen
Von links: Werner Ruzicka, Till Brockmann, Pary El-Qalqili, Katrin Mundt und Joachim Schätz. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Eine Gruppe aus Filmwissenschaftlern und Filmemachern hat mit der Sichtungsarbeit für die Duisburger Filmwoche begonnen, die vom 2. bis 8. November unter dem Motto "Ausgänge" im Filmforum stattfindet. Von Peter Klucken

Heute endet die erste Etappe des Sichtungsmarathons für die Duisburger Filmwoche, die vom 2. bis 8. November im Filmforum stattfindet. Etwa 180 Filme wurden nach Auskunft von Festivalleiter Werner Ruzicka bislang eingereicht. Es werden wohl noch viele weitere Dokumentationen hinzukommen, denn die Einreichungsfrist endet erst am 26. August. Erfahrungsgemäß stehen am Schluss rund 800 Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz prinzipiell zu Auswahl.

Eine Kommission hat die schwierige Aufgabe, zirka 25 dieser eingereichten Arbeiten für die Filmwoche, die mit der Vergabe mehrerer Preise endet, auszuwählen. Es ist klar, dass nicht jeder Film in voller Länge von allen Kommissionsmitgliedern gesichtet wird. Allerdings kann jedes Mitglied der Auswahlkommission darauf drängen, dass ein Film, den dieses Mitglied für herausragend hält, auch von den anderen ganz gesehen wird.

Heute verschicken die Filmemacher ihre Werke meist elektronisch per Streaming-Link. Es gibt aber auch Autoren, die ihre Filme per Post (die jetzt ja wieder zuverlässig arbeitet) als DVD verschicken. Die Filme müssen mindestens 45 Minuten lang sein, wobei es für Fernsehproduktionen und Hochschulfilme Ausnahmen gibt. Hier reicht eine Mindestlänge von 30 Minuten.

In der Auswahlkommission, die darüber entscheidet, welche Filme ins Programm aufgenommen und welche Filmemacher nach Duisburg eingeladen werden, ist in diesem Jahr zum ersten Mal die Bochumer Kuratorin Katrin Mundt dabei. Sie hat bislang bei anderen Filmfestivals als Kuratorin Erfahrungen gesammelt, unter anderem bei den Oberhausener Kurzfilmtagen ("Filme für Ungeduldige").

Bereits seit dem vergangenen Jahr bringen der Wiener Filmkritiker und Filmwissenschaftler Joachim Schätz und die Berliner Filmemacherin Pary El-Qalqili ihr Urteil in den Prozess der Filmauswahl ein. Der Zürcher Filmwissenschaftler Till Brockmann gehört seit 2011 der Auswahlkommission der Duisburger Filmwoche an. Komplettiert wird die Auswahlkommission durch Festivalleiter Werner Ruzicka, der die Duisburger Filmwoche zum 31. Mal prägt.

"Ausgänge" heißt in diesem Jahr das Motto der Filmwoche, wobei die Vieldeutigkeit dieses Begriffs Programm ist. Es wird keineswegs erwartet, dass die Filmemacher ihre Arbeiten in ein Korsett, das zu diesem Motto passen könnte, einfügen. Die Themenwahl ist absolut frei. Auch die Gestaltungsart ist ziemlich offen. Zwar geht es bei der Duisburger Filmwoche ausschließlich um Dokumentationen, doch ist die Spannbreite dessen, was unter dem Oberbegriff "Dokumentarfilm" verstanden werden kann, sehr weit geworden. Dokumentarfilmer experimentieren mit unterschiedlichen Darstellungsformen. Ein Dokumentarfilmer hat seinen Ansatz so umschrieben: Man muss die dokumentarischen Bilder in eine poetische Form bringen, um die Wirklichkeit zum Leuchten zu bringen.

Die Frage, ob sich in diesem Jahr ein besonderer Trend bei den Dokumentarfilmen zeige, sei jetzt wohl noch etwas zu früh gestellt, meint Ruzicka, der selber international als Juror arbeitet. Allerdings habe er den Eindruck, dass heutzutage die Filmemacher eher nach neuen Fragen suchten als nach fertigen Antworten.

Der ersten Sichtungsetappe werden noch weitere folgen. Die letzte Sichtungswoche findet Anfang September statt. Danach wird das endgültige Filmwochen-Programm zusammengestellt. Wie immer in Duisburg wird jeder Film nach seiner Vorführung zur Diskussion gestellt. Die Sender 3 Sat und Arte spendieren wieder die Hauptpreise und zeigen in Duisburg Präsenz. Allerdings beklagt Ruzicka, dass Arte seine Programmplätze für den langen Dokumentarfilm etwas reduziert habe. Dagegen halte 3 Sat die bunte Fahne des Dokumentarfilms hoch.

Quelle: RP
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