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Duisburg
Dokumentarfilme faszinieren junge Leute

Duisburg: Dokumentarfilme faszinieren junge Leute
Die Junioren-Jury war von dem Film "Black Sheep" des englischen Filmemachers Christian Cerami (vorne) begeistert. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Beim Abschluss des "doxs!"-Festivals bekam gestern der englische Filmemacher Christian Cerami für "Black Sheep" den Filmpreis "Große Klappe". Der Film beschäftigt sich mit Rechtsradikalen. Von Alfons Winterseel

Dokumentarfilme für Kinder und Jugendliche - das hört sich einfacher an, als es ist. Denn Kinder und Jugendliche mit einem Dokumentarfilm zu interessieren, gehört in der Welt von Youtube, Facebook und Instagram wohl zu einer der schwierigsten Übungen. Den Filmen "Black Sheep" von Christian Cerami (England) und "Dans for livet / Tanz für das Leben" (Norwegen/Schweden/Dänemark) von Erlend E. Mo ist dies gelungen, denn sie überzeugten sowohl die Junioren- wie die Erwachsenen-Jury im Rahmen des diesjährigen "doxs!"-Festivals. Der englische Filmemacher Christian Cerami erhielt für "Black Sheep" den mit 5000 Euro dotierten Filmpreis "Große Klappe". Er portraitiert in dem 16-minütigen Film einen Jugendlichen aus dem Umfeld der rechtsradikalen "English Defense League". Es sei "kein einfacher Film, aber ein klares Plädoyer gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus", heißt es in der Begründung. Der Preis wird gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Regisseur Cerami begleitet in seinem Film einen jugendlichen Sympathisanten auf eine Anti-Islam-Demonstration in Bradford. Der Film zeigt dabei nicht nur die Hetzparolen und fremdenfeindlichen Anfeindungen, sondern auch die Orientierungslosigkeit und die Verunsicherung beim Versuch des Protagonisten, den jüngeren Bruder als Unterstützer zu gewinnen.

Die Jury beeindruckte das ästhetische Konzept, mit dem ein europaweit brisantes Thema jungen Menschen nahegebracht wird: "Dem Film gelingt es, ein gesellschaftliches Problem auf einer persönlichen Ebene zu erzählen und eröffnet dadurch eine neue Perspektive auf eine eigentlich weitgehend bekannte Thematik: die Konflikte um Religion, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Bilder nationalistischer Demonstrationen sind bedrückend und zeigen die Bedrohung, die fremdenfeindliche Parolen auslösen."

Insgesamt waren zehn Dokumentarfilme für den Preis nominiert. Eine "Lobende Erwähnung" gab es von der Jury für den deutschen Filmbeitrag "Ein Aus Weg" von Simon Steinhorst und Hannah Lotte Stragholz, der mit animierten Zeichnungen auf besondere Art dokumentarisch erzählt und über verschiedene filmische Ebenen eine Kritik an der mangelnden Hilfe für Menschen mit Problemen, wie z.B. Drogenabhängigkeit, formuliere, so die Begründung der Jury.

Erstmals wurde in diesem Jahr ein Dokumentarfilmpreis des Europäischen Verbandes für Kinder- und Jugendfilm (ECFA) verliehen, der damit den besten europäischen Kinderdokumentarfilm würdigt. Preisträger Regisseur Erlend E. Mo erzählt darin die Geschichte eines zwölfjährigen Mädchens, das sich in einem traditionellen Männertanz behauptet und zugleich mit dem bevorstehenden Tod ihres kranken Großvaters konfrontiert wird. In der Jurybegründung heißt es: "Was uns am meisten an dem Film berührt, ist die Art, wie er der Umwelt und der Natur mit aufrichtigem Respekt begegnet. Er ist eine Feier des Lebens und führt uns eindringlich vor Augen, wie kostbar die Zeit ist, die wir mit geliebten Menschen verbringen." Der Regisseur gebe den Zuschauern den nötigen Raum, um den ProtagonistInnen nahezukommen. Großes Lob für die Jugendlichen, die bei der Preisverleihung im "filmforum" selbst die Moderation übernahmen und die Interviews führten. Während Christian Cerami nach Duisburg zur Preisverleihung angereist war, sandte Erend E. Mo Dankesworte per Video-Botschaft.

Preispate für die "Große Klappe" war in diesem Jahr You-Tuber und Y-Titty-Mitbegründer Oguz Yilmaz. Die Jury für den erstmals verliehenen Kinderdokumentarfilmpreis bestand mit Viola Gabrielli (Erfurt), Marta Nieto Postigo (Barcelona) und Gert Hermans (Brüssel) aus drei Vertretern der über 100 Mitgliederorganisationen der European Children's Film Association (ECFA).

Quelle: RP
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