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Duisburg
Doppelausstellung: Baselitz und Vedova

Duisburg: Doppelausstellung: Baselitz und Vedova
"Compresenze '82 - 2" heißt das Bild Vedovas, eine Arbeit mit Dispersion, Pastellfarbe, Kohle, Nitrolack und Sand auf Leinwand. FOTO: Vittoria Pavan
Duisburg. Von heute Abend an zeigt das Museum Küppersmühle (MKM) zwei prägende Künstlerpersönlichkeiten der europäischen Kunstgeschichte in einer gemeinsamen Ausstellung: Georg Baselitz und Emilio Vedova. Von Olaf Reifegerste

Eine intensive persönliche Freundschaft und künstlerische Wertschätzung verband die beiden seit den 1960er-Jahren bis zum Tode Vedovas 2006. Auf der Biennale von Venedig 2007 wurden beide Künstler erstmals gemeinsam präsentiert, gefolgt von Ausstellungen in Berlin (2008) und Salzburg (2015) und mit der MKM-Ausstellung in Duisburg nun zum ersten Mal auch in Nordrhein-Westfalen. Von "zwei künstlerischen Giganten" schwärmt MKM-Direktor Walter Smerling und verspricht den Besuchern der Ausstellung mit dem schlichten Titel "BASELITZ - VEDOVA" große Emotionen und vielfältige Assoziationen beim Wandeln durch die Erdgeschossräume seines Museums. Ihre Künstlerfreundschaft, die ihre Entsprechung in der höchst subjektiven, expressiven Malweise der Künstler findet, ist der Ausgangspunkt für diese Doppelausstellung, die darüber hinaus Bezüge zur eigenen Museumssammlung knüpft. Während Georg Baselitz in der Sammlung des MKM nämlich mit einem der größten musealen Bestände des Künstlers überhaupt vertreten ist, kommt mit den Arbeiten von Emilio Vedova erstmals der Schwerpunkt Informel ins Haus.

"Alle unsere Wechselausstellungen", so Smerling, "wollen Beziehungen - in welcher Form auch immer - herausarbeiten. So stehen die Baselitz-Vedova-Kunstwerke sowohl im Dialog zueinander, als auch zuweilen gegeneinander." Und weiter: "Das Besondere an dieser Ausstellungist die Choreografie der Hängung. Sie folgt nämlich der Idee, dass Baselitz seinen Freund Vedova mit 'tanzenden Füßen und schwingenden Beinen' wandernd durch die Ausstellung besucht." Die Füße seien für Baselitz eine Art Erdung, heißt es in einem Zitat von ihm an der Museumswand: "Füße sind meine Erdung, mir ist die Erdung wichtiger als die Sendung. (...) Komischerweise male ich ja auch im Hocken, ich laufe über die Bilder." (Baselitz, 2006)

Die intensive persönliche Beziehung zwischen den beiden hatte ihren Ursprung, als Baselitz 1957 als 19-Jähriger Vedovas Gemälde "Manifesto Universale" erwarb. In der MKM-Ausstellung hängt Vedovas "Manifesto"-Gemälde - auf ausdrücklichen Wunsch Baselitz' - seiner Arbeit "Win. D." gegenüber, einem Öl-Porträt auf Leinwand.

Baselitz wurde 1938 als Hans Georg Kern in Deutschbaselitz (Oberlausitz/Sachsen) geboren. Als der Künstler 1958 nach West-Berlin zog, gab er sich nach seinem Geburtsort den Künstlernamen Georg Baselitz. Er studierte zunächst an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Ost-Berlin. Nach zwei Semestern wurde er 1957 wegen "gesellschaftspolitischer Unreife" von der Hochschule verwiesen. So musste er sein Studium an der Hochschule für bildende Künste in West-Berlin fortsetzen. Heute lebt und arbeitet er in Basel und Salzburg sowie am Ammersee und an der italienischen Riviera.

Vedova kam 1919 in Venedig zur Welt. Zwischen 1930 und 1935 arbeitete er als Fabrikarbeiter, bei einem Fotografen und bei einem Restaurator. Als Künstler ist er weitgehend Autodidakt. 1942 schloss er sich einer antifaschistischen Bewegung an. Die darin organisierten Künstler hatten das Ziel, die italienische Kunst allumfassend erneuern zu wollen. Nach einer Phase, in der geometrische Formen seine Kunst bestimmten, Anfang der 1950er Jahre, überwand er diese zugunsten einer leidenschaftlich gestischen informellen Malerei. 1963 verschlug es ihn zu einem zweijährigen Aufenthalt nach Berlin. Dort lernte er Baselitz kennen. 2006 starb Vedova in Venedig.

Insgesamt sind drei umfangreiche Werkzyklen von Baselitz zu sehen - "Kleines Straßenbild", eine 28teilige Bilderfolge von 1979, und "Cio America" sowie "Ma grigio", eine in Schwarz, Weiß und unzähligen Grauwerten dominierende Bilderserie - und rund 35 teils großflächige Bilder von Emilio Vedova.

Quelle: RP
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