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Duisburg
Dreimal russisch philharmonisch

Duisburg. Im Philharmonischen Konzert im TaM besonders bejubelt wurde der Solist Leonardo Colafelice. Von Ingo Hoddick

Nach dem dem ersten und dem fünften Philharmonischen Konzert der laufenden Saison 2015/16 (die RP berichtete) hatte jetzt auch die jüngste, zehnte Ausgabe von Duisburgs wichtigster Konzertreihe einen russischen Schwerpunkt. Es begann mit der Suite "Die Komödianten" op. 26 (1940) von Dmitri Kabalewsky. Bekannt - nicht nur aus dem Repertoire sämtlicher Zirkuskapellen dieser Welt - ist daraus vor allem der bewusst überdrehte Galopp. das ist gleich der zweite der zehn kurzen und knackigen Sätze. Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi hatte sich für eine eher heitere als satirische Sicht dieser Musik entschieden.

Die gewählte Streicherbesetzung erschien hier etwas zu groß für ein Werk "für kleines Orchester", die wenigen Holzbläser waren kaum zu hören, nur laute Instrumente wie Xylofon und Tuba konnten sich gut durchsetzen - aber vielleicht war die Streichermasse auch der Akustik im Theater am Marientor (TaM) geschuldet.

Ähnlich, aber sehr viel subtiler ging es dann weiter mit der Suite aus jenem beliebten Ballett "Der Feuervogel", mit dem Igor Strawinsky 1910 seinen Lehrer Nikolai Rimski-Korsakow glänzend übertrumpfte, in der zweiten und wohl gelungensten Fassung von 1919. Die Duisburger Philharmoniker schwelgten in den schillernden Klangfarben. Einige lyrische Stellen hätten prägnanter ausgesungen sein können.

Besonders bejubelt wurde nach der Pause der 1995 geborene, aber bereits vielfach preisgekrönte Leonardo Colafelice für seine sehr souveräne Aufführung des hochvirtuosen und noch ganz spätromantischen längsten Konzerts für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll op. 30 (1909) von Sergej Rachmaninow. Hier muss nicht Colafelices längst unfehlbare Spieltechnik betont werden. Erfreulich war auch, dass der junge Solist ganz im Sinne des Komponisten auf übertriebene Emotionalität verzichtete. Und eine stärkere Differenzierung wird er sich sicher noch im Laufe seiner Karriere erarbeiten. Als zweite seiner Zugaben spielte er den Klavierpart in Kabalewskys Galopp - da konnte die große Streicherbesetzung gleich auf der Bühne bleiben.

Ein Fest für die Horngruppe der Philharmoniker ist im nächsten, elften Philharmonischen Konzert am 15. und 16. Juni, um 20 Uhr, im TaM, das Konzertstück für vier Hörner und Orchester F-Dur op. 86 von Robert Schumann. Das ist dann zugleich ein Abschiedsgruß an den weithin geschätzten Solo-Hornisten Ioan Ratiu, der sich damit nach über 30 Jahren in den Ruhestand verabschiedet.

Der Gastdirigent Constantin Trinks, selbst von Hause aus Hornist, rahmt mit dem "Kaiserwalzer" op. 437 von Johann Strauß (Sohn) und Schumanns Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61. Karten und weitere Infos gibt es am einfachsten unter Telefon 0203 / 283 62 100.

Quelle: RP
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