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Serie Kunst Im Öffentlichen Raum
Düsterer Blick in die Vergangenheit

Duisburg. Gabriella Fekete schafft mit ihrem Denkmal "Erfahrbare Wände" ein Kunstwerk, welches den Betrachter dazu einlädt, Teil des Geschehens zu sein. Von Lara Duyster

Ruhrorter Straße 11. Es ist der Ort, an dem am 2. Mai 1933 schreckliche Dinge geschahen. Julius Brick, Emil Rentmeister, Michale Rodenstock und Johann Schlösser hatten alle etwas gemeinsam. Alle vier waren Duisburger Gewerkschaftler und alle vier wurden an dem besagten Tag im Keller des Hauses der Ruhrtaler Straße 11 brutal von den Nationalsozialisten ermordet.

Es war der Tag, an dem die SS-Männer die Gewerkschaften zerschlugen und 18 Duisburger Gewerkschaftler verhafteten, um sie zu verhören. Es hieß, man vermutete Waffenlager in den Gewerkschaftshäusern. Die schlimme Folterung fügte den vier Opfern schwere Kopfverletzungen zu, denen sie später erlagen.

Vor dem Bürgersteig des unauffälligen Hauses hat ihnen die Künstlerin Gabriella Fekete ein Denkmal gesetzt. "Erfahrbare Wände" besteht aus vier leeren Eisenstühlen, die jeweils vor einer Betonwand stehen. Die Namen der Opfer, ihre Geburtsdaten und der gemeinsame Todestag sind in der ersten Betonwand verewigt. Eingraviert auf der ersten Betonwand ist die Mahnung: "Erinnern lehrt Vorbeugen". Das den Betrachter direkt an, warnt vor dem Vergessen dieser Tat. Die Betonwände verweisen auf den Keller, den Ort des Geschehens, und spiegeln gleichermaßen die Härte und Grausamkeit der Tat wider. Der kalte Beton erinnert an die Teilnahmslosigkeit des Umfeldes und die gesellschaftliche Kälte, während die Stühle zum Nachdenken einladen. Wer waren die vier? Sahen so ihre letzen Momente aus? Was war mit dem anderen Gefangenen? Viele Fragen stellen sich, Antworten gibt es kaum.

Gabriella Fekete will mit ihrem Denkmal nicht nur den Opfern und grausamen Taten des Naziregimes erinnern, sondern stellt ganz deutlich die Machtlosigkeit des Einzelnen der Gewalt gegenüber ins Zentrum. Zusätzlich appelliert das Denkmal an die Menschen, als Opfer, Täter und Angehöriger agierend, die versuchen, ihr Leben weiterzuleben.

Der Titel "Erfahrbare Stühle" präsentiert dem Betrachter das Werk als jenes, welches zum Handeln einlädt. Der Mensch betrachtet nicht nur, sondern wird Teil des Kunstwerks, um die qualvolle Situation der Ermordeten nachempfinden zu können. Wer sich auf einen der Stühle setzt, bekommt einen Eindruck von den letzten Lebensminuten der vier Opfer. Somit wird die Vergangenheit in der Gegenwart präsent und macht sie für Jeden zugänglich.

Die Künstlerin wurde 1944 in Budapest geboren, von wo aus sie nach Düsseldorf, Wien und Paris reiste und 1976 das Wilhelm Lehmbruck Stipendium der Stadt Duisburg erhielt.

Quelle: RP
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