| 00.00 Uhr

Duisburg

Duisburg
130 Kinder wurden zwischen 1938 und 1945 von Duisburg aus ins KZ gebracht - daran soll das Mahnmal erinnern. FOTO: christoph Reichwein
Duisburg. Das Mahnmal des Duisburger Künstlers Gerhard Losemann erinnert an 130 jüdische Kinder, die in den Jahren zwischen 1938 und 1945 vom Duisburger Hauptbahnhof in die Tötungslager deportiert wurden. Von Lara Duyster

Duisburg, Königstraße/Ecke Saarstraße: drei Meter hoch, 820 Kilogramm schwer und aus stabilem Cortenstahl gebaut. Das Mahnmal des Künstlers Gerhard Losemann erinnert an die Deportation jüdischer Kinder aus Duisburg. Die Zahl 130 ist aus dem Stahl herausgestanzt und scheint den Betrachter mit der geschaffenen Leere zu füllen. 130 Kinder wurden zwischen den Jahren 1938 und 1945 vom Duisburger Hauptbahnhof aus in die Konzentrations- und Todeslager gebracht. 130 Leben wurden genommen.

Nach dem Krieg lebten in Duisburg nur noch 42 von einst 2500 Juden. Die komplette jüdische Gemeinde wurde ausgelöscht. Um die eingravierten Schriftzüge vollständig lesen zu können, muss der Betrachter einmal ganz um das Werk herum gehen. Losemann will damit auf das allgemeine Halbwissen bezüglich des Zweiten Weltkrieges aufmerksam machen. Diese Wissenslücken müssen gefüllt werden.

"Auch heute, sechzig, siebzig Jahre später, sind wir immer noch fassungslos angesichts dieser grausamen Schicksale junger Menschen", sagte Oberbürgermeister Sören Link bei der Enthüllung des 2012 entstandenen Kunstwerks. Losemann arbeitete mit Auszubildenden von Thyssen-Krupp an diesem Projekt.

Die Lehrlinge fertigten die 130 Edelstahltafeln im Inneren des Korpus an. Sie sollen die Kinder aus der Vergessenheit zurückholen und ihnen ihre gestohlenen Identitäten zurückgeben. Das Mahnmal soll aussagen, dass so etwas wie die Judenvernichtung nicht noch einmal geschehen darf.

Gerhard Losemann, der auch das Loveparade-Mahnmal geschaffen hat, wurde 1938 in Duisburg geboren. Nach einer Lehre als technischer Zeichner besuchte er die Essener Folkwangschule und die Kunstschule in Düsseldorf. Er saß mehrere Jahre im Vorstand des Malkasten in Düsseldorf und im Kulturbeirat der Stadt Duisburg. 2002 erhielt er die Ehrennadel von der Stadt Oberhausen und zwei Jahre später die Ehrenmedaille der Bundesrepublik Deutschland.

Das Mahnmal steht nur vorübergehend an der Königstraße und wird bald auf den Hauptbahnhofvorplatz gebracht, wo es eigentlich hingehört und seine Bedeutung sinnfällig wird. Denn all diesen 130 Kindern wurde an diesem Ort die Chance und vor allem die Hoffnung auf ein Leben jenseits von Krieg, Schmerz und Leid genommen.

Viele Überlebende berichten, dass sie heute immer noch von den Nächten der Deportation in Duisburg träumen. Das Mahnmal soll zeigen, dass die Stadt nicht vergisst und den Menschen gedenkt, die der Judenverfolgungen zum Opfer gefallen sind.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.