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Duisburg
Duisburg als (freie) Kunstmeile

Duisburg: Duisburg als (freie) Kunstmeile
In den Werken Verena Meyers vereinigen sich Schrift und Bild sowie Text und Gestaltung symbiotisch und organisch miteinander. FOTO: Christoph ReichWEIN
Duisburg. 165 Künstler in 55 über das gesamte Stadtgebiet verteilte Ateliers präsentierten sich und ihre Kunst beim "Offenen Atelier" in Duisburg. Eine Besonderheit in diesem Jahr war das 40-jährige Bestehen des Kultur- und Freizeitzentrums Wehofen. Von Olaf Reifegerste

Von Nord bis Süd, West bis Ost - überall in Duisburg leben und arbeiten bildende Künstler in ihren Ateliers und Werkstätten, ob einzeln, zu zweit oder mit mehreren zusammen. Vier der größten Atelier- und Kunsthäuser in Duisburg beherbergen allein 65 Künstler: 27 davon zählt das Künstlerhaus am Weidenweg, 15 Hafenkult am Parallelhafen, 14 das Städtische Künstler- und Atelierhaus Goldstraße in der Innenstadt und neun das Städtische Kultur- und Freizeitzentrum in Rheinhausen. Dort wie an allen anderen Wirkungsstätten findet man Maler, Zeichner, Grafiker und Fotografen als auch Bildhauer, Objekt-, Video- und Installationskünstler.

Schönstes Wetter begleitete das 13. Wochenende des "Offenen Ateliers DU". Demzufolge waren in diesem Jahr auch besonders viele Besucher unterwegs. Eines der wichtigsten städtischen Traditionshäuser, einst als Schule erbaut und seit 1976 als Atelierhaus umgewidmet, feiert in diesem Jahr zudem sein 40-jähriges Bestehen, nämlich das Kultur- und Freizeitzentrum Wehofen. Sechs Künstler haben dort ihr Atelier: Claudia A. Grundei, die seit 1996 dort ihren Werkraum hat, der Bildhauer Gert Kiessling, Wulf Nolte, der zunächst von 1981 bis 1991 und ab 2001 bis heute dort künstlerisch zu Hause ist, die Malerin Regine Strehlow-Lorenz, die sich zudem mit Objekten und Installationen auseinandersetzt, die in Oberhausen geborene Barbara Verhoeven und der in Ruhrort lebende Designer und Illustrator Jens Maria Weber.

Das prominent im Hochparterre gelegene Atelier der Künstlerin Grundei hat sie einst vom Bildhauer Holger Schmidt übernommen, den es nach Mülheim an der Ruhr verschlagen hat. Grundei, die seit Jahren Sprecherin der Freien Duisburger Künstler (FDK) ist, arbeitet mit Fotografie, Collagen und Objekten. Stahl, Öl- und Acrylfarbe, Spachtelmasse und vieles andere mehr sind die Werkstoffe ihrer künstlerischen Arbeiten. Als freie Grafikerin hat sie sich als neues Betätigungsfeld an Stanzarbeiten herangewagt, deren Ausgangsmaterial Plexiglas ist. Bekannt ist Grundei aber auch als Initiatorin des "KunstraumGRÜN"-Projektes im Botanischen Garten an der Schweizer Straße in Duissern und der dazugehörigen "CAG-Kunstvitrine", der kleinsten Galerie der Stadt, vielleicht sogar Deutschlands. Von kommenden Sonntag an bis zum 8. Januar nächsten Jahres sind unter dem Titel "No Plastic" Arbeiten von ihr dort zu sehen. Seit Sommer vergangenen Jahres erst gibt es das "Grabowski Summer Project" in einem ehemaligen Lagerhaus einer Futtermittelfabrik auf der Grabenstraße 131a. Auf Initiative der stadtbekannten Künstlerin Ulrike Gerritzen haben sich in der stillgelegten Lagerhalle mittlerweile sieben ständige Künstler verschiedener Kunstgenres gemeinschaftlich dort angesiedelt. Zum "Offenen Atelier" kamen noch weitere Gastkünstler hinzu, darunter der Gütersloher Fotograf Dirk Schumacher, aber auch die Duisburger Künstler Chinmayo und Josef Tobias sowie die in der Casa am Weidenweg ihr Atelier betreibenden Brigitte Böckmann, Arno Gendreizig und Heinz Hüls, so dass am Wochenende eine Begegnung mit rund 13 Künstlern und ihrer Kunst möglich wurde. Jüngste Atelierbesitzerin dort ist die Theater- und Kunstfrau Verena Meyer. Auch wenn die bildende Kunst, die sie erst seit zwei Jahren verstärkt betreibt, von ihr mehr als Hobby angesehen wird, können sich ihre Arbeiten mehr als sehen lassen. Schrift und Bild sowie Text und Gestaltung vereinigen sich in ihren Werke symbiotisch und organisch miteinander. "Ich überlege nicht bei meiner Arbeit", sagt Meyer, "Kunst passiert, sie entsteht. Und", fügt sie hinzu, "es ist Kunst, die Wahrnehmung brechen soll."

An neuen Orten beim "Offenen Atelier" waren unter anderem die Wohnung der Medienkünstlerin Ruth Bamberg dabei, die sich derzeit mit einem hochinteressanten Dokumentarfilmprojekt über die deutsche Ärztin Ita Wegman beschäftigt, die gemeinsam mit Rudolf Steiner Begründerin der anthroposophischen Medizin war, und das Atelier der Malerin und Objektkünstlerin Angelika Stienecke in der Wittekindstraße, was sie bereits seit zehn Jahren innehat. Als Gast dort mit dabei war die in Hamminkeln lebende Fotografin Astrid Auboeck. Beide zusammen haben im Rahmen der "Emscherkunst" Fotos an der Emscher mit Stienecke-Objekten aufgenommen. Im Ergebnis sagenhaft märchenhaft und voller Geheimnisse.

Quelle: RP
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