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Duisburg
Duisburg als Teil der Weltgeschichte

Duisburg: Duisburg als Teil der Weltgeschichte
Diese Aufnahme zeigt den Aufmarsch französischer Besatzungstruppen vor dem Duisburger Rathaus am 8. März 1921. Das historische Foto wurde auch für die deutschsprachige Ausgabe des "Galadio"-Romans verwendet. Die Aufnahme gehört zur Sammlung des Duisburger Stadtarchivs. FOTO: stadtarchiv duisburg
Duisburg. Der Roman "Galadio" von Didier Daeninckx wurde jetzt im Zentrum für Erinnerungskultur vorgestellt. Die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg machte die Übersetzung des bedeutenden Werks möglich. Von Olaf Reifegerste

Nachdem die Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg (DFG) für die Übersetzung des Romans "Galadio" von Didier Daeninckx zunächst mit dem 1. Preis des "Prix Rovan" durch den Französischen Botschafter in Deutschland und später auch noch mit dem Label "Duisbourg en français - Duisburg auf Französisch" vom Institut Français ausgezeichnet wurde, erschien das aus dem Französischen stammende Werk vor kurzem im Magenta Verlag erstmals in deutscher Sprache. Nun fand nun die Buchvorstellung der deutschen Übersetzung im Rahmen einer Lesung mit dem Rezitator Rolf Peter Kleinen in der DenkStätte des Zentrums für Erinnerungskultur in der Duisburger Innenstadt statt.

Der im Original 2010 erschienene Roman spielt in weiten Teilen seiner Handlung in Duisburg. Das war für die DFG unter anderem ein Grund, ihn ins Deutsche übersetzen zu lassen. Dafür beauftragte die Gesellschaft ein kompetentes Übersetzerteam, bestehend aus Waltraud Schleser, Rainer Gutenberger, Ulrike Hebel und Jürgen Donat, das bei der Lesung anwesend war. Dieses, allen voran Schleser und Hebel, berichtete zu Beginn der Lesung über die Entwicklungsgeschichte ihrer Übersetzung. So habe das Team zunächst - jeder für sich - vier Fassungen erarbeitet und sich anschließend in zig Diskussionen auf eine Gemeinschaftsübersetzung verständigt. "Bei der Übersetzung", heißt es vom Team im Nachwort der deutschen Ausgabe, "wurde die eine oder andere kleine Änderung im Einverständnis mit dem Autor vorgenommen, um das alltägliche Handeln der Personen der deutschen Gepflogenheiten anzupassen." Darüber hinaus habe das Team hinsichtlich des historischen Rahmens, in dem der Roman spiele, viel und gründlich recherchiert. Denn der Stoff des Romans sei zwar fiktiv, wie Dr. Andreas Pilger, Leiter des Duisburger Stadtarchivs, in seiner thematischen Einführung betonte, doch basiere dieser auf einem real-geschichtlichen Hintergrund. Also verschaffte er dem zahlreich erschienenen Publikum der Veranstaltung zunächst einmal gut bebilderte Einblicke in die französische Besatzung Duisburgs zu Beginn der Weimarer Republik und in die Verfolgung farbiger Besatzungskinder während der NS-Zeit in Deutschland und besonders hier in der Region.

Doch wovon handelt der Roman Daeninckx'? Der französische Autor, geboren 1949 in der französischen Stadt Saint-Denis, die nördlich von Paris liegt, erzählt darin die Geschichte eines schwarzen Jugendlichen im Duisburg der späten 1930er Jahre. Ulrich Galadio Ruden, 13 Jahre alter Sohn einer Duisburgerin und eines kolonialfranzösischen Besatzungssoldaten, erlebt Diskriminierung und Verfolgung. Auf irrwitzigen Wegen seiner Flucht findet er schließlich zurück zu seinen afrikanischen Wurzeln - immer auf der Suche nach seinem Vater. Doch zur gleichen Zeit wird der andere, deutsche Teil seiner Heimat mit allen persönlichen Bindungen durch die Nationalsozialisten zerstört. Als er zurückkehrt in seine Heimatstadt Duisburg, ist jedoch nichts mehr so, wie es einmal war.

Das insgesamt 160-seitige Buch umfasst zwölf Kapitel. In der Lesung mit Kleinen, der die Kapitel 1 bis 3 sowie 12 eingestrichen und mit ruhiger Stimme vortrug, beschränkte man sich ausschließlich auf Ereignisse mit Duisburger Lokalkolorit, ob in der Zwinglistraße in Duisburg-Laar, im Ruhrorter Hafen oder auf dem Werksgelände der Stahlwerke Phoenix sowie in der Duisburger Altstadt auf der Beekstraße.

Gleichermaßen faszinieren darüber hinaus die von Kleinen aus Zeitgründen nur zusammenfassend vorgetragenen Kapitel über die Dreharbeiten zum Film Carl Peters in Berlin und Afrika sowie das Einfangen der besonderen Atmosphäre der Studios der UfA in Babelsberg.

Quelle: RP
 
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