| 00.00 Uhr

300 Jahre Duisburger Hafen
Duisburg aus Sicht eines Kapitäns

300 Jahre Duisburger Hafen: Duisburg aus Sicht eines Kapitäns
Vom Wasser aus wirkt Duisburg auf viele Gäste der Rundfahrten ganz ruhig. Die Besucher auf der "Gerhard Mercator" begrüßt der Kapitän oft persönlich. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Eine zweistündige Rundfahrt mit der Weissen Flotte durch den größten Binnenhafen Europas ermöglicht Besuchern einen spannenden Perspektivwechsel und eine neue Wahrnehmung der Großstadt. Von Wiebke Scheffler

Heinz Bendel steht am Ende der Treppe an der Duisburger Schifferbörse und nimmt seine heutigen Gäste an Bord persönlich in Empfang. "Ah, unser Stammgast!", begrüßt er Doris. Er kennt sie schon seit mehreren Jahren und weiß, wie sehr sie die Hafenrundfahrten genießt. Besonders an Tagen, an denen die Sonne scheint.

Pünktlich um 12.45 Uhr verlässt die "Gerhard Mercator" die Anlegestelle in Ruhrort. Kapitän Heinz Bendel macht es sich in der gekühlten Steuerkabine auf seinem großen, blauen Polstersitz bequem und steuert das Schiff langsam, aber sicher aus dem Hafenmund heraus.

Mit gemütlichen zwölf Kilometern pro Stunde tuckert die Gerhard Mercator auf ihrem ersten Abschnitt den Vinckekanal entlang. Unter der Karl-Lehr-Brücke geht es vorbei an der Feuerwache, den Rheinischen Industriewerken und der Hafenverwaltung, bevor Bendel vor dem Südkanal wendet.

Seit sechs Jahren arbeitet er für die Weisse Flotte Duisburg/Düsseldorf, bei der er auf Grund seiner Stimme nur noch als "Helge Schneider" bekannt ist. "Das Ironische an der Sache ist, dass ich in Mühlheim auf der gleichen Straße wie er aufgewachsen bin", sagt der 64-Jährige. Gemeinsam mit seinem dienstältesten Kollegen Stefan Anders fährt er Gäste aus aller Welt durch den größten Binnenhafen Europas und versorgt sie mit Information zur Geschichte, Infrastruktur und Bedeutung der Stadt Duisburg.

Die Strecke kennen beide mittlerweile in- und auswendig. Bis zu 15 Hafenrundfahrten in der Woche können sie jeweils auf ihr Konto schreiben. "Leider herrscht in der Schiffsbranche ein großer Fachkräftemangel. Wir sind für die Rundfahrten immer nur zu zweit", so Anders.

Heinz Bendel hat sich bereits in seinem 18. Lebensjahr für die Schifffahrt entschieden. Nachdem er seine jetzige Frau kennenlernte, machten sie sich selbstständig und schipperten durch Europa. Relativ schnell stellte er jedoch fest, dass ihn eher eine Festanstellung reizt. So landete er in der Personenschifffahrt. Im zweiten Abschnitt der Hafenrundfahrt begibt sich der Kapitän stromaufwärts auf den Rhein, der sich mit insgesamt 37 Kilometern durch Duisburg schlängelt. Die Besucher bekommen auf diesem Teil der Fahrt unter anderem die Stahlskulptur Rhein-Orange, das Unternehmen Sachtleben Chemie und das Pegelhäuschen zu sehen, an dem momentan ein Wasserstand von 2,94 Metern abzulesen ist. "Normalerweise beträgt der Wasserstand vier Meter. Dass wir unter der Drei-Meter-Marke sind, verdanken wir diesem schönen Sommerwetter", erklärt Bendel den Besuchern.

Insgesamt finden bis zu 250 Personen auf der "Gerhard Mercator" Platz. Auf dem Deck und auch im Inneren des Schiffes verteilen sich Stühle und Tische über zwei Etagen und bieten eine gute Sicht auf die umliegenden Hafenbecken. Doris hat es sich im Außenbereich mit einem kühlen Bier gemütlich gemacht und genießt die Sonne. Seit über 19 Jahren fährt sie regelmäßig bei den Hafenrundfahrten in Duisburg und Düsseldorf mit. "Für mich ist das Wasser eine Art Ruheort", sagt sie und blickt gedankenverloren auf den Rhein. "Es ist ruhig hier, und man kann für ein paar Stunden dem Alltag entfliehen."

Kurz vor der Brücke der Solidarität, die Hochfeld und Rheinhausen verbindet, steuert Kapitän Bendel die "Gerhard Mercator" in den Außenhafen. Nachdem er dort ein vorletztes Mal gewendet hat, schaltet er den Autopiloten an, verschwindet für einen Moment aus der Kajüte und kommt mit einer Plastiktüte zurück. Es ist kurz vor zwei. "Das ist ein Ritual. Immer an diesem Wendepunkt holen wir die Stulle raus und es wird erstmal gegessen", sagt er.

Über den Rhein geht es stromabwärts in Richtung Ruhrort. Nach einem kurzen Abstecher in den Hafenkanal, in dem die Kohle-, Schrott- und Ölinsel liegen, steuert Kapitän Heinz Bendel die "Gerhard Mercator" zu ihrem Anlegeplatz, dem Ausgangsort der kurzen Reise, zurück. Nach fast zwei Stunden Fahrt verabschiedet er sich von den Besuchern.

Für Bendel ist eine weitere Hafenrundfahrt von vielen zu Ende gegangen. Und bevor er nächstes Jahr in Rente geht, wird er noch einigen Gästen das Duisburg zeigen, wie er es tagtäglich erlebt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

300 Jahre Duisburger Hafen: Duisburg aus Sicht eines Kapitäns


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.