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Toter 14-Jähriger in Duisburg
Junge stirbt nach Messerstich – kein familiärer Hintergrund

Toter 14-Jähriger in Duisburg: Ermittler schließen familiären Hintergrund aus
Duisburg. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hält sich auch zwei Tage nach dem gewaltsamen Tod eines 14-jährigen bulgarischen Jungen in Marxloh bedeckt. Der Täter sei unerkannt entkommen. Es gebe keine "familiären Hintergründe", heißt es. Von Peter Klucken

Der Medienauftrieb war am Dienstagnachmittag gewaltig. Die Duisburger Staatsanwaltschaft hatte ein "kurzes Statement zum aktuellen Stand der Ermittlungen wegen des Tötungsdelikts zum Nachteil eines 14-jährigen Jungen in Marxloh" angekündigt. Vorsorglich wurden aus Platzgründen alle Stühle und Tische aus dem Besprechungszimmer entfernt. Doch die Erklärung der Staatsanwaltschaft war äußerst kurz und dürftig. Und wegen des "frühen Ermittlungsstands" wurden auch keine Nachfragen von Seiten der Journalisten, darunter viele Fernsehteams, zugelassen.

Danach stellt sich der Tatbestand, den Staatsanwältin Anna Christiana Weiler mitteilte, so dar: Das Opfer ist ein 14 Jahre alter Junge aus Bulgarien. Am späten Ostersonntag, gegen 22.45 Uhr, wurde die Polizei "von Zeugen" zu einem Streit an die Henriettenstraße nach Duisburg-Marxloh gerufen. Bei dem Streit wurde der später in einem Krankenhaus gestorbene Junge schwer verletzt. Sein Vater und ein weiterer Mann mit bulgarischen Wurzeln erlitten leichte Verletzungen.

Fotos: Polizei-Großeinsatz in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Reichwein

Die Obduktion, die Dienstagvormittag vorgenommen wurde, habe ergeben, so Staatsanwältin Weiler, dass der Junge durch einen Stich mit einer Waffe in den Rücken verletzt wurde. Bei diesem Stich wurde ein Lungenflügel verletzt. Der Junge verblutete. Eine Axt, die die Polizei am Tatort fand und beschlagnahmte, werde nach dem aktuellen Ermittlungsstand als Tatwaffe ausgeschlossen. Die Polizei sei mit einem Großaufgebot zum Tatort nach Marxloh gekommen. Trotz intensiver Fahndung sei der Täter unerkannt entkommen.

Kein familiärer Hintergrund vermutet

Ob es Verdächtige gibt, sagte die Staatsanwältin nicht. Erstaunlich war in dem kurzen Statement die Aussage, dass "derzeit ein familiärer Hintergrund für die Tat ausgeschlossen wird". Das Statement der Staatsanwaltschaft lässt viele Fragen offen. Weder wurden mögliche Hintergründe oder ein Anlass des Streits angedeutet, noch die Streitparteien benannt.

Vermutlich werden sich die Ermittlungen für die Polizei, bei denen zum Teil mit Dolmetschern gearbeitet werden muss, schwierig gestalten. Kenner glauben, dass die Kooperationsbereitschaft der Angehörigen und Zeugen mit den Behörden begrenzt ist.

"Riesige Probleme" in Marxloh

Die Duisburger Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels gab gestern gegenüber der RP eine generelle Einschätzung. Frau Dr. Bartels ist bekannt dafür, dass sie Probleme beim Namen benennt. Dazu gehört, dass der Zuzug von rund 18.000 Südosteuropäern, die zum Teil ganz andere Wertvorstellungen als die Mehrheit der Duisburger Bevölkerung, einschließlich der hier lebenden Türken, haben, Polizei, Bildungseinrichtungen und die städtischen Ordnungsbehörden vor enorme Herausforderungen stellt. Eigentumsdelikte und asoziales Verhalten, was sich im Stadtteil auch bei wilden Müllkippen und Schrottimmobilien zeige, seien "riesige Probleme".

Dr. Elke Bartels ist Polizeipräsidentin in Duisburg. FOTO: crei

Vor einigen Monaten hatte Elke Bartels in einem Aufsatz auf den Zusammenhang von Wohnumfeld und Kriminalität aufmerksam gemacht. "Verfallen Häuser, steigt die Kriminalität" hieß die Zusammenfassung von Bartels statistisch untermauerter Analyse in der RP damals. Ganz schwierig sei es, so Bartels, in die südosteuropäischen Clan- und Familienstrukturen einzudringen. Viele Mitglieder dieser südosteuropäischen Familien sprächen auch Jahre nach ihrem Umzug kein Deutsch, und einige Eltern hielten ihre Kinder vom Schulbesuch fern. Diese nach Duisburg gezogenen Menschen lebten in einer Art Parallelgesellschaft, so Bartels. "Konflikte werden in diesen Familien sehr oft gewalttätig ausgetragen."

Für Polizei, Ordnungsbehörden und Bildungseinrichtungen sei es ungemein schwierig, diese Strukturen zu durchbrechen. Doch gebe es durchaus Versuche, den Teufelskreis aus fehlender Bildung, scheinbar selbstverständlicher Arbeitslosigkeit und negativer familiärer Prägung zu durchbrechen. Als Beispiel nannte die Polizeipräsidentin das Projekt "Klarkommen", mit dem man junge Täter vor dem Abrutschen in eine lebenslange kriminelle Laufbahn bewahren möchte.

Quelle: RP
 
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