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Duisburg
Duisburg prüft Aus für seine Kraftwerke

Duisburg: Duisburg prüft Aus für seine Kraftwerke
FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Eon hat den Anfang gemacht. Nun diskutieren die Stadtwerke Duisburg, ihre Stromerzeugung abzugeben oder stillzulegen, weil sie mit Kohle und Gas kein Geld mehr verdienen. Das könnte 200 Stellen kosten. Von Antje Höning

Die schwere Krise der Energiebranche macht vor den Stadtwerken Duisburg nicht halt. Nun prüft die Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV) eine Trennung von ihrem Kerngeschäft Stromerzeugung. "Wir werden prüfen müssen, ob die eigene Erzeugung weiterbetrieben werden kann", teilte DVV-Chef Marcus Wittig den Beschäftigten in einer Sonderausgabe des Mitarbeiter-Magazins mit. Damit stehen 200 Arbeitsplätze auf dem Spiel, so viele Beschäftigte hat allein der Erzeugungsbereich. Zudem stellt die DVV ihre Abteilung "Ingenieurbau und Liegenschaften" und das Ausbildungszentrum in Rheinhausen auf den Prüfstand.

Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen, sollen aber vermieden werden, heißt es in der DVV. Insgesamt will der Konzern bis zum Jahr 2017 rund 40 bis 50 Millionen Euro nachhaltig einsparen. Würde er dies allein über Personalabbau einbringen, müssten sogar 500 von derzeit 4600 Stellen wegfallen, wie es weiter heißt. Durch das Programm RePower sind bereits 117 Stellen weggefallen. "Wir werden RePower konsequent weiterführen", so Wittig.

Damit sind die Duisburger nach Branchenprimus Eon der zweite Versorger, der seine historischen Wurzeln kappen will. Eon hatte vor vier Wochen angekündigt, seine Not leidende Kraftwerkssparte (Kohle, Gas, Atom) abzuspalten und an die Börse zu bringen. Auf welche Art sich die Duisburger von ihren Kraftwerken trennen könnten, wird in den nächsten Wochen diskutiert. Ein Verkauf an einen Investor könnte das ebenso sein wie die Stilllegung von Kraftwerken. Der Aufsichtsrat will im März entscheiden.

Das wäre vergleichbar, als wenn Volkswagen aus der Autofertigung aussteigen würde. Das weiß auch Wittig: "Daran geht kein Weg vorbei, auch wenn dies bedeuten würde, dass wir mit einem solchen Schritt in die Kernkompetenz unseres Unternehmens eingreifen würden."

Doch die Lage der konventionellen Erzeugung ist branchenweit katastrophal. Fast alle Kohle- und Gaskraftwerke schreiben rote Zahlen. Auch in Duisburg: Das Gas- und Dampf-Kraftwerk in Wanheim läuft weniger als 1000 Stunden im Jahr, das Kohlekraftwerk in Duisburg selbst läuft nur 2300 von 7000 Stunden im Jahr. Das Geschäft mit der Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) ist eingebrochen. Da nicht mehr genug Strom erzeugt wird, fällt auch nicht genug Fernwärme ab. Das heißt: Bei kaltem Wetter wie derzeit müssen die Blöcke nur hochgefahren werden, um die Wärme-Nachfrage decken zu können. Den erzeugten Strom will dagegen keiner haben. Paradoxe Folge: Ein Energiekonzern fürchtet sich vor dem Winter.

Die Lage der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft, zu der neben den Stadtwerken auch der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) gehört, ist ernst. 2013 hat der Nahverkehr ein Defizit von 42 Millionen eingefahren. Das war nicht ungewöhnlich. Doch anders als in den Vorjahren reichte der Gewinn der Stadtwerke mit nur 38 Millionen Euro erstmals nicht mehr aus, um das Defizit auszugleichen. Es blieb für den Konzern unterm Strich ein Minus von vier Millionen Euro. Zwei Millionen davon hat die selbst klamme Stadt übernommen. Die verbleibenden zwei Millionen Euro hat die DVV aus ihren Rücklagen entnommen. Mit anderen Worten: Die DVV lebt bereits von ihrer Substanz. Geld für die nötigen, im dreistelligen Millionen-Bereich liegenden Investitionen in den Duisburger ÖPNV ist erst recht keins da.

Entsprechend warnte Wittig nun: "Wir können nicht so weitermachen wie bisher." Doch anstatt wie andere nach dem Staat zu rufen, setzt Wittig nun auf Strategiewechsel. Statt Energieerzeuger können die Stadtwerke künftig Anbieter von Dienstleistungen (Smart Home) werden. "Wir müssen uns selbst helfen, und zwar nachhaltig", so Wittig.

"Ich weiß von anderen Stadtwerken, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen", sagt Wittig. Auf das Geschäft mit Kraft-Wärme-Koppelung haben viele Stadtwerke gesetzt und leiden nun unter der Branchenkrise. Ihr Versuch, eine Neuauflage der staatlichen Förderung zu erreichen, ist zudem gescheitert.

Quelle: RP
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