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Duisburg
Asylbewerber protestieren vor Sozialamt

Duisburg-Rheinhausen: Flüchtlinge verbringen Nacht vor Sozialamt
Mitarbeiter des Ordnungsamtes und Polizeibeamte rückten am Mittwoch vor dem Sozialamt an, mussten aber nicht eingreifen. FOTO: Sandra Kaiser
Duisburg. Zehn Männer weigern sich, in ihrer Unterkunft zu bleiben. Eine Hundertschaft rückt an, doch die Situation kann geklärt werden. Unterdessen explodieren die Kosten für die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen in Duisburg. Von Sandra Kaiser

Zehn Männer aus dem arabischen Raum haben die Nacht von Dienstag auf Mittwoch vor dem Sozialamt an der Schwanenstraße (City) verbracht. Eine Sprecherin der Stadt erklärte, die Männer seien am Dienstag in der Flüchtlingsunterkunft Werthauser Straße in Rheinhausen untergebracht worden. "Sie waren mit der Unterbringung offenbar nicht zufrieden", so die Sprecherin, die betonte: "Wir wissen, dass die Unterbringung in einer ehemaligen Schule samt Turnhalle nicht optimal ist. Aber wir haben uns noch einmal versichert: Die Unterkunft ist in Ordnung. Wir können den Flüchtlingen momentan leider keine Alternativen anbieten, so sehr wir das auch möchten."

So leben Flüchtlinge in einer Turnhalle in Rheinhausen FOTO: Uwe Köppen / Stadt Duisburg

Bis Mittwochnachmittag harrten die zehn Männer vor dem Sozialamt aus. Gegen 15 Uhr rückten dann eine Einsatzhundertschaft der Polizei und Mitarbeiter des Ordnungsamtes an. Doch sie mussten nicht eingreifen. Sozialdezernent Reinhold Spaniel und Sozialamtsleiterin Andrea Bestgen-Schneebeck konnten die Männer mit Hilfe von Übersetzern überreden, in einen Bus zu steigen und zurück zur Werthauser Straße zu fahren. 3319 Asylbewerber hat die Stadt derzeit in Duisburg untergebracht (Stand 19. Oktober). Hierin enthalten sind nicht die Flüchtlinge in den Landesunterkünften St.-Barbara-Hospital (Neumühl), Sporthalle Obere Holtener Straße (Röttgersbach) und Glückauf-Halle (Hochheide). 1482 der Duisburger Flüchtlinge leben in Übergangsheimen, 1837 in insgesamt 537 Wohnungen. Lange Zeit hatten sich diese beide Zahlen in der Waage gehalten, doch jetzt leben schon mehr Flüchtlinge in Wohnungen, als in Unterkünften.

Vor allem Familien will die Stadt möglichst in Wohnungen unterbringen, und für sie stehe derzeit auch noch Wohnraum zur Verfügung. Alleinstehende Flüchtlinge werden dagegen überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, weitere zur Verfügung zu stellen, etwa im ehemaligen Verwaltungsgebäude an der Memelstraße in Neudorf und in weiteren Turnhallen, heißt es. Auch zu den Kosten für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge in Duisburg nennt die Stadt aktuelle Zahlen: Für 2015 rechnet sie mit 37,8 Millionen Euro – 20,2 Millionen davon muss die Stadt selbst tragen. Zum Vergleich: 2014 waren es 16,9 Millionen Euro (Eigenanteil: 12,1 Millionen), 2013 beliefen sich die Kosten auf 10,3 Millionen Euro (Eigenanteil: 7,7 Millionen Euro). Die Kostendeckung liegt demnach bei 46,6 Prozent.

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Auch zu den Kosten für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge in Duisburg nennt die Stadt aktuelle Zahlen: Für 2015 rechnet sie mit 37,8 Millionen Euro – 20,2 Millionen davon muss die Stadt selbst tragen. Zum Vergleich: 2014 waren es 16,9 Millionen Euro (Eigenanteil: 12,1 Millionen), 2013 beliefen sich die Kosten auf 10,3 Millionen Euro (Eigenanteil: 7,7 Millionen Euro). Die Kostendeckung liegt demnach bei 46,6 Prozent. Mit Prognosen geht die Stadt sehr vorsichtig um – alles hänge ab von der aktuellen Entwicklung der Bundeszahlen. Mit bis zu 5500 Flüchtlingen rechnet die Stadt für 2015 bis zum Jahresende. Zum Vergleich: 353 kamen 2010 nach Duisburg, 436 in 2012 und 1389 in 2014. Sie kommen vor allem vom Balkan, aus Syrien, Iran, Afghanistan sowie Afrika. Abschiebungen hat es 2014 im vorigen Jahr 48 gegeben, in diesem Jahr bislang nur 28.

Bilder aus der Flüchtlingsunterkunft an der Werthauser Straße in Rheinhausen sehen Sie hier. 

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Quelle: RP
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