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Duisburg
Stadt zieht Asylplanung zurück

Duisburg: Stadt zieht Asylplanung zurück
Das Asylbewerberheim an der Helmholtzstraße. FOTO: Peggy Mendel
Duisburg. Weil sie wegen der Miethöhe mit zu starkem Protest aus der Politik rechnen musste, nimmt die Stadt davon Abstand, die ehemalige Firmen-Verwaltung an der Emscherstraße anzumieten. Jetzt soll es die Gebag richten. Von Hildegard Chudobba

Die Herrichtung des ehemaligen Thyssen-Verwaltungsgebäude, heute im Besitz einer Immobiliengesellschaft, zu einer Unterkunft für rund 200 Flüchtlinge an der Meidericher Emscherstraße ist alternativlos – hatte die Verwaltung gesagt. Aus der Politik (Grüne, Linke, aber auch CDU) gab es wegen der hohen Kosten aber so starken Protest, dass sie die nicht-öffentliche Vorlage für den Rat am Montag in letzter Sekunde zurückzog. Mit Hilfe der städtischen Wohnungsgesellschaft Gebag soll nun nach anderen Lösung gesucht werden. Im Gespräch ist, dass sie die Immobilie kauft oder für die Stadt mietet.

Der Vertrag für das rund 4000 Quadratmeter große Objekt am Landschaftspark beinhaltete laut der zurückgezogenen Verwaltungsvorlage eine Monats-Kaltmiete in Höhe von knapp 55.000 Euro bei 20-jähriger Laufzeit. Insgesamt hatte die Stadt für Betriebs- und Instandhaltungskosten jährlich 70.000 Euro angesetzt. Dagegen wäre die einmalige Ausgabe für die Erstausstattung (Möbel etc.) mit 110.000 Euro geradezu "Peanuts" gewesen.

Zeltstadt für Flüchtlinge in Duisburg FOTO: Christoph Reichwein

Für die Stadt erhöht sich durch den Abschied (vorerst) von diesem Projekt allerdings der Unterbringungsdruck gewaltig. Von Januar bis August dieses Jahres hat sie bereits 1700 Flüchtlinge aufgenommen. Das Land wird in diesem Jahr bis zu 200.000 Flüchtlinge auf die Einrichtungen in NRW verteilen, rein rechnerisch bedeutet dies für Duisburg 5120 Personen. Selbst unter Einrechnung der Plätze in der Landeseinrichtung im ehemaligen Neumühler St. Barbara Hospital würde sich bis zum Jahresende ein Defizit von mindestens 900 Plätzen ergeben. Im Sozialausschuss hatte Stadtdirektor Reinhold Spaniel bereits angekündigt, Zelte aufzubauen und Turnhallen zu belegen, wenn das Gebäude an der Emscherstraße nicht bis zum Frühjahr 2016 zur Verfügung stehe. 

In den vorhandenen Übergangswohnheimen sind derzeit nur 75 Plätze frei, die bis zur Inbetriebnahme der nächsten Heime ausreichen müssen, so die Verwaltung. Genutzt werden neben den beschlagnahmten Wohnungen (für 1427 Personen) das Containerdorf an der Masurenallee in Wedau sowie die Wohnblocks an der Helmholtzstraße in Meiderich, an der Königstraße in Walsum und an der Holtener Straße in Neumühl. Die Räume in der Einrichtung an der Deichstraße in Laar stehen ebenso erst 2016 zur Verfügung, wie es auch bei der Emscherstraße der Fall gewesen wäre.

So leben Flüchtlinge in einer Turnhalle in Rheinhausen FOTO: Uwe Köppen / Stadt Duisburg

Dass eine monatliche Quadratmetermiete von 15,25 Euro/kalt für die Emscherstraße hoch ist, daran besteht kein Zweifel. An der Franz-Schubert-Straße in Rheinhausen (Gebag) bezahlt die Stadt beispielsweise nur 5,13 Euro im Monat. Doch an der Königstraße in Walsum sind es knapp 25 Euro (bei zehnjähriger Laufzeit des Mietvertrages), an der Holtener Straße 20,23 Euro bei 15 Jahre Vertragsdauer. Bei diesen beiden im vorigen Jahr beschlossenen Projekten hatte es aus der Politik wegen der Miethöhe übrigens keinen derartigen Protest gegeben, dass die Verwaltung einen Rückzieher gemacht hätte.

Schaut man sich in Duisburg um, so ist nachvollziehbar, dass der Stadt Alternativstandorte ausgehen. Wenn hier und da mal ein paar Wohnungen freistehen, ist ihr damit nicht geholfen. Die Flüchtlinge müssen betreut und begleitet werden, was in Sammelunterkünften besser und effektiver möglich ist als in kleinen Einzelobjekten. Leerstehende Siedlungen gibt es hier mit Ausnahme der am Zinkhüttenplatz nicht. Würden dort aber Flüchtlinge einquartiert, so wäre das nicht nur ein Signal, dass das dort geplante Factory Outlet Center endgültig "gestorben" ist. Sondern auch die viel diskutierten Probleme Marxlohs würden noch wachsen.

So sah Duisburgs Zeltstadt für Asylbewerber aus FOTO: dpa, fg kno
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