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Duisburg
Duisburg steuert auf die 5000er zu

Duisburg: Duisburg steuert auf die 5000er zu
Die ehemalige Jugendherberge am Kalkweg in Wedau: Im Januar waren dort die ersten Flüchtlinge eingezogen. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Die Zahl der Flüchtlinge, die in Duisburg untergebracht werden, steigt stetig. Stadtdirektor Spaniel ist sicher, dass dieser Trend sich auch im kommenden Jahr fortsetzt und sucht händeringend nach neuen Quartieren. Von Hildegard Chudobba

Etwa ein Jahr ist es her, dass Reinhold Spaniel angesichts steigender Flüchtlingszahlen erstmals von einer neuen Form der Völkerwanderung sprach, die da auf Europa zumarschiert und die Kommunen vor große Probleme stellen wird. "Damals wurde ich von den meisten müde belächelt und gebeten, nicht so auf die Sahne zu hauen", sagt er. Dass er mit seiner damaligen Einschätzung richtig lag, hat sich inzwischen gezeigt. "Und ich bin sicher, dass wir auch im kommenden Jahr mit ähnlich hohen Zahlen kalkulieren müssen", sagt er.

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In wenigen Wochen werden in der Stadt 5000 Asylsuchende leben. "Wir näheren uns dieser Zahl mit großen Schritten", sagt der Beigeordnete. "Wir können nach wie vor nicht vorhersagen, wie viele in dieser, in der nächsten, geschweige denn in der übernächsten Woche vor dem Sozialamt aus dem Bus steigen." Und ebenso lasse sich nicht planen, wann und ob die für die Verteilungen zuständige Bezirksregierung Arnsberg anruft und um die Bereitstellung von Plätzen in einer neu zu schaffenden Sammelunterkunft bittet. Die Hoffnung, dass die Zuweisungszahlen mit dem einsetzenden Winter zurückgehen, die habe sich bislang noch nicht erfüllt. "Es weiß ja kein Mensch, wie viele Flüchtlinge noch auf dem Weg hierher sind", so der Dezernent.

Derzeit gelingt es nach seinen Aussagen immer noch, "Wohnungen zu finden, die wir für die Asylbewerber anmieten können. Das ist nicht die optimale Lösung, hilft aber zu verhindern, dass Flüchtlinge im Freien übernachten müssen." Willkommener sind dem Dezernenten größere Einrichtungen, in denen mehrere 100 Asylsuchende untergebracht werden. "Das erleichtert die Versorgung und Betreuung", sagt er.

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Reicht in diesem Jahr die Zahl der zur Verfügung stehenden Quartiere vielleicht noch aus, so wird es 2016 eng. Dann wird die Stadt vertraggemäß zum Beispiel die alte Jugendherberge am Kalkweg wieder räumen müssen. Dass dann wieder eine der (noch wenigen) Duisburger Veranstaltungshallen herhalten muss, kann Spaniel nicht ausschließen. In diesem Jahr zum Beispiel hatte er kurzzeitig die Kraftzentrale im Landschaftspark Nord ins Visier genommen. Möglich auch, dass nach dem Winter irgendwo in der Stadt wieder eine Zeltstadt aufgebaut wird. Bekanntlich gab es eine solche nach dem Sommer für kurze Zeit in Walsum. Doch die Bezirksregierung hielt die Zustände dort für unzureichend, so dass die Stadt die Glückauf-Halle in Hochheide "opferte".

Hohes Lob hat Spaniel nach wie vor für die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer, die meist die Ersten sind, die den Flüchtlingen in den ihnen zugewiesenen Quartieren zur Seite stehen. "Sie sind ehrenamtlich tätig und nehmen sich dafür zum Teil Urlaub. Das bedeutet, dass sie nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung stehen können." Dieser Einsatz müsse aber genau so organisiert werden wie der der professionellen Helfer. "Uns nutzt es eben nicht, wenn jemand vorbeikommt, der mal ein paar Stunden irgendwo vorlesen will." So gut solche Angebote gemeint seien, "wir brauchen Verlässlichkeit, und wir müssen den Überblick behalten können". Dass die Zahl der Ehrenamtlichen nach den vielen Monaten, in denen sie sich schon engagieren, zurückgeht, hat Spaniel noch nicht festgestellt. "Die Hilfsbereitschaft der Duisburger ist ungebrochen hoch."

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Quelle: RP
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