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Duisburg
Damit das Licht nicht ausgeht

Duisburg will Prepaid-System für Strom für sozialschwache Bürger einführen
Ein Stromzähler würde helfen, dass jeder Duisburger seinen Stand kontrollieren kann. Denn viele haben Probleme damit, ihre Rechnung für Gas und Strom zu begleichen. FOTO: netze-du
Duisburg. Die Stadtwerke wollen für sozialschwache Bürger ein Prepaid-System für den Strom einführen. Von Lena Köhnlein

Ein Leben ohne Strom? In der heutigen Zeit unvorstellbar. Nur die wenigsten Menschen dürften es romantisch finden, wenn der "Saft" abgestellt wird. Damit das nicht passiert, beteiligen sich die Stadtwerke nicht nur an einem Landesprojekt, sie möchten in diesem Jahr auch ein Prepaid-System einführen, durch das sozialschwache Bürger ihr Guthaben aufbrauchen und anschließend neu aufladen können -wo ist jedoch noch unklar. Die Planungen laufen noch, erklärt Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke.

8000 Strom- oder Gasanschlüsse wurden im vergangenen Jahr gesperrt, sagt Wittig. Wichtig sei, dass die Menschen bereits vor der Abstellung von Strom oder Gas kommen, um sich Hilfe zu holen. Das können sie ab April bei der neuen Beratungsstelle der Verbraucherzentrale.

Es gibt immer wieder Fälle, in denen den Menschen "förmlich das Licht ausgeht", sagt Verbraucherschutzminister Johannes Remmel. Er stellte mit Vertretern der Verbraucherzentrale (VZ) sowie den Stadtwerken das Projekt "NRW bekämpft Energiearmut" vor. Oft seien sozialschwache Familien, Rentner oder Studenten betroffen, erklärt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. "Sie haben meist Elektrogeräte mit einem hohen Stromverbrauch", sagt er. Denn gerade ältere Modelle hätten noch keinen Energiesparmodus. Dabei gäbe es auch hierfür Lösungen, wie den Stand-by-Modus. Die Not sei groß, wenn die Strom- und Gasrechnungen nicht mehr beglichen werden könne. "Meist zahlt man zuerst andere Rechnungen nicht mehr", sagt Schuldzinski. Bereits 2012 wurde das Landesmodellprojekt "NRW bekämpft Energiearmut" ins Leben gerufen. Mit acht Städten, darunter Mönchengladbach oder Bochum, begann das Projekt.

Dadurch konnten 80 Prozent der Sperrungen verhindert und 60 Prozent schnell wieder aufgehoben werden, zeigen die Zahlen der VZ. Jetzt folgen Duisburg und vier weitere Städte und Regionen, darunter Velbert und Gelsenkirchen. Das Duisburg erst jetzt mit dem Projekt beginnt, läge nicht am Land, betont Minister Johannes Remmel. Jeder sei von Anfang an eingeladen gewesen. Es sei jedoch gar nicht so leicht, die Stadtwerke für eine Kooperation zu gewinnen, sagt Dr. Mechthild Winkelmann, Pressereferentin der VZ.

Das Konzept sieht eine Teilung der Kosten vor: 1,55 Millionen Euro stellt das Land von 2016 bis 2018 für die wirtschaftliche und rechtliche Beratung durch die Verbraucherzentralen zur Verfügung. Die Stadtwerke finanzieren das jeweilige Beratungsangebot vor Ort - in Duisburg sind das laut Stadtwerke-Vorsitzendem Marcus Wittig zunächst 20.000 bis 25.000 Euro pro Jahr. Ziel des Landes sei jedoch, dass die Institutionen die Kosten nach einigen Jahren selbst tragen - wie jetzt im Fall der ersten acht Städte. "Wir bieten keine Dauerfinanzierung", sagt Remmel. Er plädiert für einen Stromzähler in jedem Haushalt. So könnten die Aktivitäten kontrolliert werden.

Für die Budget und Rechtsberatung in Duisburg ist Sozialarbeiterin Taika Brandenburg (33) zuständig. Ab dem 4. April wird sie die offizielle Beraterin für Energiearmut. Sie betont, dass sie individuell auf die Menschen eingehen möchte, denn die Probleme seien unterschiedlich. So werde überprüft, wie sich Kosten und Energie sparen lassen und wo vielleicht überflüssige Versicherungen abgeschlossen wurden. Auch weitere Kooperationspartner, wie Jobcenter oder Sozialämter seien eng eingebunden.

Die offene Sprechstunde zur Budget- und Rechtsberatung bei Energiearmut ist ab dem 4. April immer montags von 10 bis 12 Uhr. Weitere Terminvereinbarungen unter 020348801180 oder duisburg.energiearmut@verbraucherzentrale.nrw.

Quelle: RP
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