| 00.00 Uhr

Duisburg
Duisburg wird wieder Dokumentarfilmstadt

Duisburg. Vom 7. bis 12. November werden 27 Wettbewerbsfilme gezeigt und anschließend diskutiert. Die RP stiftet den Publikumspreis. Von Peter Klucken

Bei den ersten Duisburger Filmwochen musste viel geschleppt werden. Da galt es, Hunderte Filmrollen vom Hauptbahnhof abzuholen, um sie zu den verschiedenen Vorführstätten zu transportieren. Gestern, bei der Programmpressekonferenz zur 40. Duisburger Filmwoche, hielt Festivalleiter Werner Ruzicka einen USB-Stick in der Hand, halb so groß wie ein kleines Feuerzeug. Der Stick enthält sämtliche 27 Wettbewerbsfilme, die vom 7. bis 12. November im Filmforum am Dellplatz gezeigt werden. "Und das in bester Qualität", so Ruzicka.

Die Digitalisierung ist auch an der Duisburger Filmwoche nicht vorbeigegangen. Im Eröffnungsfilm am Montag, 7. November, 21 Uhr, geht es um den Wandel im Filmwesen. In "Cinema Futures" des Österreichers Michael Palm sehen wir Filmarchivare bei ihrer sich verändernden Arbeit. Gehörte früher das präzise Schneiden mit der Schere und das Kleben des "Streifens" zum Handwerkszeug, so geht es heute um Programmierkünste. Ungelöst ist die Frage, wie die belichteten Erinnerungen, die in speziellen bunkerähnlichen Gebäuden weltweit aufbewahrt werden, erhalten bleiben.

Das Spektrum der für die Filmwoche ausgewählten Produktionen ist weit. Den gemeinsamen Nenner haben Ruzicka und sein Team so formuliert: "Die Filme dieser 40. Duisburger Filmwoche machen deutlich, wie individuelle Schicksale soziale Prozesse abzubilden vermögen; dass viele Begriffe, die durch die alltäglichen Diskurse geistern, keine leeren Stichworte, sondern lebendige Prozesse sind, die in Bildern eingefangen werden können." Mit Ausschnitten aus vier Filmen wurde gezeigt, was das konkret heißen kann: In dem Film "Paradies! Paradies!" begleitet die Filmemacherin Kurdwin Ayub ihren Vater, der als Arzt in Wien lebt, auf seiner Reise in dessen kurdische Heimat im Nordirak. Der Vater träumt davon, irgendwann später dorthin zurückzukehren. Er trifft auf Verwandte, denkt über den Kauf einer Wohnung nach. Die Filmemacherin fängt mit ihrer Kamera ihren Vater und ihre eigene Skepsis ein.

Im Film "MIRR" von Medi Sahebi, der bei der Filmwoche uraufgeführt wird (9. November, 20.30 Uhr), zeigen die Bewohner eines kambodschanischen Dorfes, wie sie durch Enteignung um ihren bäuerlichen Grundbesitz gebracht wurden. Das sei ein "dokumentarisch-fiktionaler Pakt des Regisseurs mit seinen Protagonisten", hieß es gestern.

Der mehrfach ausgezeichnete Filmemacher Werner Schweizer, der Gast bei vielen Duisburger Filmwochen war, beleuchtet in "Offshore" seine eigene Tätigkeit als Dokumentarfilmer und erzählt dabei die Geschichte des Whistleblowers Rudolf Elmer, der das Schweizer Bankgeheimnis mit seinen Enthüllungen ins Wanken gebracht hat.

Ausschnitte wurden gestern auch vom letzten Wettbewerbsfilm der Filmwoche gezeigt. Er heißt "Happy" und wird die Zuschauer gewiss irritieren. Es handelt sich wieder um eine Vater-Tochter-Geschichte. Die junge Filmemacherin Carolin Genreith porträtiert ihren 60-jährigen Vater, der in Thailand das Glück mit einer Frau gefunden zu haben glaubt, die genauso alt ist wie die Tochter, die Filmemacherin. Die ist entsetzt. "Bist du denn so einsam, dass du das nötig hast?", fragt sie anklagend ihren Vater. Der antwortet: "Ja, ich bin so einsam!"

"Die Filmwoche macht Duisburg zur Dokumentarfilmstadt", sagte Kulturdezernent Thomas Krützberg gestern. Er werde sich nachdrücklich für den Erhalt des Festivals einsetzten, das internationale Ausstrahlung habe. Auch Dr. Gerd Jahn, Leiter der Volkshochschule, unter deren Dach die Filmwoche stattfindet, sagte, dass er zu der "Schule des Sehens" stehe. Die Filmwoche endet am Samstag, 12. November, 20 Uhr, mit der Verleihung des Arte-Preises, des 3sat-Preises, des Förderpreises der Stadt Duisburg, des Nachwuchspreises des Landes NRW und des von der Rheinischen Post gestifteten Publikumspreises für den beliebtesten Film des Festivals.

In dieser Leser-Jury können noch Filminteressierte, die sich Zeit nehmen, das gesamte Programm im Filmforum zu sichten, mitwirken. Wer Interesse hat, wende sich per Mail an: Veranstaltung@rheinische-post.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Duisburg wird wieder Dokumentarfilmstadt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.