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Duisburg
Premiere "Bin nebenan" über achtfache Einsamkeit

Kulturfestival Duisburger Akzente eröffnet
Kulturfestival Duisburger Akzente eröffnet FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Die Bühnenautorin Ingrid Lausund, Jahrgang 1965, ist in Duisburg besonders bekannt. Ihr Theater-Renner "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner" (2008) läuft auch hier immer wieder, ihre erfolgreichen Uraufführungen "Tür auf Tür zu - So gesehen ist drinnen draußen" (2011) und "Zeit - Die erschöpfte Schnecke wirft ihr Haus weg und flippt richtig aus" (2012) fanden in unserer Stadt statt (die RP berichtete). Von Ingo Hoddick

2008 veröffentlichte Lausund "Bin nebenan" als Buch, inzwischen ist seine dritte Auflage erschienen, und die zwölf Monologe haben sich an vielen deutschen Bühnen in verschiedensten Kombinationen als ergiebiges Spielmaterial für Lesungen und Inszenierungen erwiesen. Jetzt hat Duisburgs Schauspiel-Chef Michael Steindl für das Theatertreffen der 37. Duisburger Akzente "Nah und Fern - 300 Jahre Duisburger Hafen" acht ausgewählt und geschickt miteinander verwoben,

Es geht um skurrile, vereinsamte und und verunsicherte Zeitgenossen, die in ihren kleinen Paralleluniversen Überlebenskämpfe mit sich und ihrer Umgebung ausfechten, nach dem Motto "Manchmal gehe ich spontan aufs Gästeklo". Natürlich fehlt dabei nicht die Lausund-typische Mischung aus heiteren Sprach-Spielen und abgrundtiefer Traurigkeit, aus unerschütterlichem Optimismus und fast Beckettscher Vergeblichkeit. Gerade weil die Monologe hier immer wieder zu Ensemblestücken werden, wird die Kommunikation auch immer wieder als unmöglich erkennbar - nur die Schraube der Situationskomik wird noch weiter gedreht.

Die Vorstellung dauert mehr als zwei pausenlose Stunden, aber man ist jede Sekunde gespannt darauf, wie der Text weitergeht und wo sich gerade welche Figur befindet. Das Opernfoyer im Theater erscheint als ideale Spielstätte, denn dort gibt es Dinge, die so oder so ähnlich auch im Text vorkommen, zum Beispiel eine Reihe von Kühlschränken (hinter der Theke) oder eine Skulptur (von Lehmbruck). Durch den Raum zieht sich eine goldene Bühne, wir als Publikum sitzen an den Längsseiten und sind somit hautnah dran an den acht punkgenauen und überhaupt wunderbaren Darstellern. Die stärksten Momente haben Jennifer Riahi als junge Frau, deren Badezimmer-Fantasien sich zuerst sinnlich, dann bedrohlich entwickeln, und Michael Altmann als alter Professor, der verzweifelt gegen seine beginnende Demenz ankämpft.

Die ausverkaufte Premiere wurde heftig beklatscht. Wir empfehlen den Besuch einer der kommenden Vorstellungen: 17. März, 9. und 21. April, 3. und 19. Mai, jeweils um 20 Uhr, sowie am 28. März, um 18 Uhr. Karten koten 14 Euro. Die Vorstellung am 10. März ist ausverkauft.

Quelle: RP
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