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Duisburg
Duisburger Arbeitsagentur ist mit 2017 zufrieden

Duisburg: Duisburger Arbeitsagentur ist mit 2017 zufrieden
Astrid Neeseist seit diesem Jahr Chefin der Arbeitsagentur. . RP-Archiv Reichwein FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Lange Zeit hat das Arbeitsamt nicht mehr so positive Zahlen verkünden können wie zum Ende dieses Jahres. Für Agenturchefin Astrid Neese geht ein arbeitsreiches, aber sehr erfolgreiches Jahr zu Ende. Von Hildegard Chudobba

Zum Jahresende blicken viele Menschen auf das Gewesene der vergangenen 365 Tage zurück - und ziehen Bilanz. Wie die im Fall von Astrid Neese privat ausfällt, wissen wir nicht, wohl aber was sie rückblickend als Chefin der Duisburger Agentur für Arbeit über 2017 sagen kann.

Arbeitslosenquoten, die sich Monat für Monat auf NRW-Rekordhöhe bewegten, damit wurde Astrid Neese in Duisburg empfangen, als sie vor einem Jahr aus Dortmund kam und hier ihren Dienst antrat. Annähernd 13 Prozent Arbeitslose, das war auch für sie eine Herausforderung.

Zum Jahresende steht seit langer Zeit endlich mal wieder vor dem Komma eine 11. "Das ist nicht mein Verdienst, sondern der einer großen Mannschaft und auch die Folge guter konjunktureller Entwicklung", wiegelt sie sofort ab und nennt schnell noch eine weitere "schöne" Zahl. In der Stadt gibt es aktuell rund 170.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, so viele wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Astrid Neese hat, bei all ihrer Bescheidenheit, zu dieser positiven Entwicklung ihren Teil beigetragen, zum Beispiel dadurch, dass sie bei Duisburger Arbeitgebern Klinken putzte. Dabei galt ihr Hauptaugenmerk den Jugendlichen ohne Lehrstelle und Arbeit. Sie stieg zum Beispiel mit Schülern in einen Oldtimerbus und klapperte Betriebe ab. "So junge Leute haben verständlicherweise eine Hemmschwelle, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben einem Personalchef gegenübersitzen und um einen Ausbildungsplatz nachfragen", sagt sie. Solche Hürden seien bei der Tour aus dem Weg geräumt worden.

Ähnlich verhält es sich auch beim Speed-Dating oder bei anderen Aktionen, bei denen sich Lehrende und Lernende direkt gegenübersaßen. Eine Erkenntnis, die die Agenturchefin daraus gewonnen hat: "Der Ausbildungsmarkt in Duisburg startet spät." Sowohl Schüler wie auch Firmen, die Lehrlinge einstellen, kämen vergleichsweise spät zusammen. Das aber sei eine gute Chance für die Agentur, Unversorgte noch unterzubringen.

Ähnlich wie auf dem Ausbildungsmarkt konnte Astrid Neese im Spätherbst auch bei den Arbeitslosenzahlen allgemein gute Botschaften verkünden. Den rund 31.400 Arbeitslosen im November vergangenen Jahres stehen zwölf Monate später weniger als 30.000 in der Stadt gegenüber. Zur Freude der Agenturchefin ist zudem die Unterbeschäftigung zurückgegangen, hinter der sich neben den Arbeitslosen diejenigen verbergen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen und somit nicht als arbeitslos gelten. Rund 41.000 waren das vor einem Jahr, Ende November 2017 liegt die Zahl etwas über 39.000.

Positive Entwicklungen haben ihre Vorgänger im Amt zuletzt kaum noch registrieren können. Doch Neese ist weit davon entfernt, ihnen dafür schlechte Noten zu geben "Duisburg ist wie das gesamte Ruhrgebiet ein schwieriger Arbeitsmarkt - nach wie vor." Eine Region, die tausende von Arbeitsplätzen durch die Schließung von Stahlwerken und Zechen verloren habe, brauche zur Gesundung Zeit. Denn vergleichbare beschäftigungsstarke Branchen werde es hier nie wieder geben, glaubt sie. Aber durch die erzwungene Abkehr von der Monostruktur hätten sich neue Türen geöffnet, auch für Duisburg.

Die Logistik gilt hier ungebrochen als neuer Beschäftigungsmotor. In den Lagern würden sowohl hoch-qualifizierte Mitarbeiter beschäftigt wie auch solche, die aufgrund geringer Qualifikationen nicht immer einfach zu vermitteln seien. Daneben nehme in Duisburg die Callcenter-Branche immer mehr Raum ein. "Hier sehe ich auch in den kommenden Jahren noch Bedarf. Die Unternehmen suchen dabei vor allem ausgebildete Callcenter-Agenten. Die Tätigkeit wird schließlich immer anspruchsvoller. Das Gute ist aber, dass man in der Branche auch offen ist für kommunikationsstarke Bewerber ohne Qualifikation im Callcenter-Bereich oder mit einem völlig anderen beruflichen Hintergrund."

Ein drittes starkes Standbein in Duisburg mit Zukunftspotenzial sei die Gesundheitsbranche mit der nach wie vor ungebrochen hohen Nachfrage nach Alten- und Krankenpflegern.

Als große Herausforderung für das kommende und die folgenden Jahre bezeichnet Astrid Neese die Digitalisierung. "Ich sehe hier für unsere Stadt und den Arbeitsmarkt eine große Chance", sagt sie. Für Arbeitnehmer und solche, die es werden wollen, bedeute dies zwar, dass sie sich möglicherweise weit besser als heute qualifizieren müssten. Aber wenn es der Agentur heute gelinge, Arbeitslose in einem Betrieb unterzubringen, dann könnten sich diese durchaus betriebsintern an die steigenden Herausforderungen heranarbeiten. Das setzt aber in jedem Fall eine gewisse Portion Ehrgeiz voraus. Es heißt zwar, dass Jeder seines Glückes Schmied ist. Aber Astrid Neese ist immer bereit, mit ihren Mitarbeitern dem Glück zum Nutzen der Agentur-Kunden auf die Sprünge zu helfen, zum Beispiel mit Weiterbildungsangeboten.

Quelle: RP
 
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