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Duisburg
Duisburger Grundschulen sind bei Junglehrern unbeliebt

Duisburg. Studium zu Ende und dann Lehrer in Duisburg werden? Nein, kein Interesse, sagen die meisten Junglehrer.

Uni zu Ende und dann Lehrer oder Lehrerin in Duisburg werden? Gar an einer der 76 städtischen Grundschulen? Bloß nicht. Der hohe Migrantenanteil, die massive soziale Schwäche vieler Schulkinder, die ungelöste Inklusion, die schlechte Ausstattung an Material und Räumen: Junglehrer, die auf der Suche nach einer Erstanstellung oder einer neuen Stelle sind, machen nach Aussage der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) längst einen großen Bogen um die Stahlstadt am Rhein.

Ein Problem, das besonders im Grundschulbereich dermaßen gravierend wird, dass gestern Elternvertreter und die Lehrergewerkschaft mit einem Forderungskatalog an Politik und Verwaltung vor die Presse getreten sind. Ihre Klage: 99 von insgesamt 950 Lehrerstellen an den 76 Duisburger Grundschulen müssten eigentlich aktuell zum November 2016 nachbesetzt werden. Gelungen ist dies nach Aussage von Rüdiger Wüllner, dem Vorsitzenden des Personalrates Grundschule, aber nur in 32 Fällen. Bedeutet: 67 Lehrerstellen bleiben unbesetzt. Hinzu, so Wüllner, blieben zunehmend die so genannte Stellenreserve (die "Feuerwehr" bei Lehrerausfall) ebenfalls unbesetzt, genauso wie wichtige Spezial-Stellen "Deutsch als Fremdsprache", Sonderpädagogen oder Lehrer für Islamische Unterweisung. Von weiteren 34 unbesetzten Schulleiter (und Stellvertreter)-Stellen gar nicht zu reden. Das Geld wäre da, aber die Bewerber nicht. Sie meiden Duisburg.

Die Auswirkungen dieses eklatanten Lehrermangels vor Ort an den Grundschulen bringt jetzt die Eltern auf die Palme: "Die Grundschulen lassen einfach in den 1. und 2. Klassen Fächer wie Sport, Kunst, Musik, Religion ausfallen, ohne dass darüber irgendwo geredet oder informiert würde", beklagt Christina Herold, die Vorsitzende der Elternschaft Duisburger Schulen. Vielen Eltern sei überhaupt nicht bewusst, dass die Grundschule einfach zu wenig Fächer unterrichte. Besonders gravierend: "Sehr häufig haben die i-Dötzchen dann noch nicht einmal eine feste Klassenlehrerin. Den Kleinen fehlt die Bezugsperson!".

Deshalb die Forderungen der Lehrergewerkschaft GEW: Das Land müsse beim Einstellungsverfahren endlich wieder steuernd eingreifen. Personal verteilen übers ganze Bundesland - nach sozialen Kriterien. Schluss machen mit der Rosinenpickerei der Bewerber, die lieber Bonn statt Duisburg wählen. Müller: "Denn Duisburg ist nicht gerade ein Wunschstandort für Lehrer, die frisch von der Uni kommen." Aber Grundschulen brauchten zudem auch wichtige Hilfskräfte wie Erzieher, Hausmeister und Sekretärinnen, Lehrer müssten von überflüssigen Dienstgeschäften befreit werden. Die Eltern fordern: Das Land muss Grundschullehrer besser bezahlen, mit Geld und guter Ausstattung oder auch mit "Quartierschulen" klare Anreize schaffen für Standorte wie Duisburg.

Noch vor zehn Jahren haben sich 100 Bewerber um eine freie Stelle an einer Duisburger Grundschule beworben. Heute schauen mal drei Bewerber gelangweilt vorbei und wählen ihre Schule aus. Bei diesem Verfahren ("schulscharf") haben Schulen in Duisburg ganz schnell das Nachsehen. Grundschulen in Duisburg müssen attraktiver für Bewerber werden, fordern Eltern wie Lehrer, damit diese Schulform nicht kaputt geht. Grundschüler brauchen neben gut bezahlten qualifizierten Pädagogen aber auch gut sanierte Schulstandorte und nicht eilens herbeigekarrte Container, in die Zuwandererkinder gepresst würden.

Die GEW fordert vom Staat mehr Respekt vor dem Lehrerberuf: Die Lehrerausbildung müsse besser werden. An den Schulen bräuchten die Lehrer u.a. größere Arbeitsplätze, mehr Besprechungsraum. Quereinsteiger in den Beruf müssten besser unterstützt werden. Stadtteilschulen mit multiprofessionellen Teams müssten her.

(sten)
 
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