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Duisburg
Duisburgs erste Bankdirektorin

Duisburg. Verena Severin ist 37 Jahre alt, hat Betriebswirtschaft studiert und eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert. Sie hat in dieser Zeit zwei inzwischen elf und 15 Jahre alter Töchter bekommen. Und sie hat Karriere gemacht! Sie ist Duisburgs erste und einzige Bankdirektorin. Seit einem Jahr managt sie die Commerzbank-Niederlassung Duisburg und ist Chefin von rund 100 Mitarbeitern. Deren Zahl wird sich im Juni noch erhöhen, wenn zu den bislang acht Standorten weiter aus Dinslaken und weitere Kommunen im Kreis Wesel in ihre Zuständigkeit fallen. Von Hildegard Chudobba

Die in Essen gebürtige Bankdirektorin kennt zwar die Mentalität des Ruhrgebiets und schätzt die offene und direkte Art der Menschen in dieser Region. Aber "kumpelig" ist sie in keiner Weise. Mit der gebotenen Diskretion und Freundlichkeit begegnet sie Kollegen und Kunden in gleicher Weise. Ihre Mitarbeiter wissen, dass sie die Chefin ist, auch wenn ihr strenge Hierarchien und autoritäres Aufsehen weniger liegen als der kollegiale Umgang. Die Nachricht, dass eine Frau die Führung der Commerzbank in Duisburg übernehmen wird, habe sich möglicherweise schnell in den Abteilungen "durchgeschwiegen" wie sie salomonisch sagt. Vielleicht habe sich der eine oder andere über diese Personalentscheidung gewundert, aber Akzeptanzprobleme habe sie zu keinem Zeitpunkt gehabt.

Das könnte daran liegen, dass sich Verena Severin zuvor schon einen guten Ruf erarbeitet hat. In Essen arbeitete sie unter anderem im Wealth-Management der Bank und betreute besonders vermögende und anspruchsvolle Kunden. Und auch im Privat- und Geschäftskundensegment sammelte sie reichlich Erfahrung, so dass sie alle drei Schwerpunktgebiete der Commerzbank genau kennenlernte. In Duisburg hilft sie ebenfalls dieser kleinen, feinen und sehr reichen Kundengruppe dabei, Kapital anzulegen und Vermögensfragen zu klären. Für das Privat- und Geschäftskundengeschäft steht ihr ein schlagkräftiges Team zur Seite.

Von der 40-Stunden-Woche ist Severin zwar weit entfernt, "aber ich würde mich niemals beklagen, denn die berufliche Herausforderung macht mir unglaublich viel Freude", sagt sie. Die Mitarbeiter zu motivieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch zu fördern ist ihr ganz wichtig. Dass gerade unter ihren weiblichen Mitarbeitern eher wenige sind, die sich wie sie selbst voll in den Beruf knien, bedauert sie. Als sie jüngst eine Führungsposition mit einer Frau besetzen wollte, fand sich zu ihrem Bedauern keine Bewerberin.

Verena Severin legt bei ihren Kollegen großen Wert auf Eigenverantwortung, was eine klare Strukturierung der Aufgaben und Kompetenzen voraussetzt. "Geht nicht" oder "haben wir immer schon so gemacht" - das hört sie nicht gerne, ermuntert ihr Personal stattdessen immer wieder, über den Tellerrand hinauszuschauen. Das Potenzial der Kollegen zu erkennen und dann entsprechend zu fördern, das sieht sie als eine ihrer wichtigen Aufgaben als Bankdirektorin.

Von ihrem Auftreten her erfüllt Verena Severin wohl alle Vorstellungen, die man mit dem Begriff "Karrierefrau" verbindet. Doch schon aus ihrer Rolle als Mutter weiß sie, wie wenig Äußerlichkeiten zählen, wo es auf Einsatz und Engagement ankommt.

Einige ihrer Direktoren-Kollegen bei den benachbarten Banken hat sie schon kennengelernt und spürte auch dort wie bei ihren Commerzbank-Kollegen keinerlei Vorbehalte. Nur bei einem, da kann sie nicht auf Augenhöhe mitreden: "Ich bin weder ein ausgewiesener Auto- noch Fußballfan", gesteht sie.

Quelle: RP
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