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Duisburg
Dummy aus verrauchtem Zelt gerettet

Duisburg: Dummy aus verrauchtem Zelt gerettet
Der sieben Jahre alte Noah Steffen durfte beim Tag der offenen Tür ein richtiges Feuer löschen. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Beim Tag der offenen Tür zum 112. Geburtstag der Feuerwehr Duisburg war der Anlauf groß. Anpacken war angesagt bei Parcours und Info-Ständen. Tipps gab es dabei auch für Eltern von Säuglingen. Von Julia Zuew

Die Jungs sind verschwitzt und aus der Puste: Der Feuerwehr-Parcours ist geschafft, zur Erinnerung gibt es ein Foto. Fürs komplette Arbeitsoutfit fehlen zwar die richtige Hose und Sicherheitsschuhe, doch mit dem knapp 15 Kilogramm schweren Atemschutzgerät auf den Schultern kommen die Parcours-Teilnehmer gut ins Schwitzen.

Beim Tag der offenen Tür der Duisburger Feuerwehr in Duissern war Mitanpacken angesagt. Große und kleine Besucher konnten einen Blick in die Fahrzeuge, auf die Ausstattung und auf die Ausrüstung werfen und in einem kleinen Parcours hautnah die alltäglichen Aufgaben der Feuerwehr kennenlernen. Feuerlöschen, in voller Montur durch einen improvisierten Tunnel kriechen und einen Dummy aus einem verrauchten Zelt retten - all das war ein kleiner Einblick in das Tagesgeschäft der Feuer- und Rettungswache. Der Parcours ist Teil des Projekts "Feuerwehrensache" des Ministeriums für Inneres und Kommunales und des Verbands der Feuerwehren in NRW e.V. "Interessenten können hier unabhängig von Alter und Geschlecht sich im Parcours ausprobieren und die Feuerwehr kennenlernen", sagte Björn Gehre, zuständiger Sachbearbeiter für die Freiwillige Feuerwehr. Zu den Projektzielen gehört außerdem, die Integration zu fördern - auch unter diesem Ziel stehe der Parcours, sagt Gehre.

An einem Schrottauto durften die Besucher beobachten, wie die Feuerwehr arbeitet, wenn es mal im Verkehr knallt: Mit hydraulischem Spreizer, Schere und anderen Werkzeugen wurde ein schwarzer Corsa auf dem Hof der Wache fachgerecht auseinandergenommen, um einen Verunglückten zu retten. Alles natürlich nachgestellt - zu Schaden kam bei der Aktion niemand. Umgeben von dichtem Publikum arbeiteten die Feuerwehrleute sich Schritt für Schritt zu dem Kollegen im Wagen vor.

Doch nicht nur Brandschutz und technische Rettung standen im Mittelpunkt. An einem weiteren Stand durften Besucher an Dummys testen, wie gut der Erste-Hilfe-Kurs noch in Erinnerung ist. Auch Kinder ließen sich von den Profis zeigen, wie eine richtige Herzmassage und Beatmung funktioniert. Außer Acht bleibt im Alltag allerdings oft, dass auch die ganz Kleinen mal Hilfe im Notfall gebrauchen könnten. "Es fängt schon bei der Aufklärung über die Ursachen an", sagte Thomas Weijers, Ausbilder an der Rettungsdienstschule der Duisburger Feuerwehr. "Dazu gehört, das Kind nicht auf dem Bauch schlafen zu lassen, es nicht zu warm einzupacken, oder es nicht unbeaufsichtigt im Wasser im Bad zu lassen." Das mangelnde Wissen bei Eltern ziehe sich dabei durch alle sozialen Schichten. Falls es zu einem Notfall kommt, sei bei Säuglingen - im Gegensatz zu Erwachsenen - vor allem die Beatmung wichtig. Bei der Reanimation beginnt man mit fünf Beatmungen, erst dann kommt die Herzmassage dran. "Erwachsene können länger ohne Sauerstoffzufuhr auskommen - das Herz schlägt weiter, die Hirnfunktionen sind noch vorhanden." Bei Säuglingen hingegen wird das Herz direkt langsamer oder bleibt stehen. Doch auch an den großen Torsos müsse zum Üben und Ausprobieren animiert werden, so Weijers - auch wenn sich zum Schluss immer wieder ganze Grüppchen an die Puppen trauen und bei der Massage fest zudrücken.

Nach getaner Arbeit und Übung schnappten sich viele eine Wurst vom Grill oder ein süßes Hörnchen vom Eiswagen. Trotz des üppigen Mitmach-Programms gab es auch Einiges zum Gucken und Staunen, bei Ausflügen ins Innere der Wache, beispielsweise in die Atemschutzwerkstatt. Doch nicht nur Kinderaugen glänzten auf dem Hof der Wache. Besonders an den historischen Fahrzeugen staunten auch die Erwachsenen. Das älteste Löschfahrzeug Duisburgs aus dem Gründungsjahr 1904 wurde noch von Pferden gezogen und hat schon Einiges auf dem Buckel - die Dampfspritze läuft allerdings immer noch reibungslos. Mit Dampfantrieb, Holzspeichen und altem Fahrwerk begeisterte die alte Technik und war auch ein symbolischer Hingucker zum 112. Jubiläum der Feuerwehr.

Quelle: RP
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