| 00.00 Uhr

Duisburg
DVG erprobt Mobilität der Zukunft

Duisburg: DVG erprobt Mobilität der Zukunft
So sieht es aus, wenn man mit der Handy-App in den Fahrzeugen der DVG unterwegs ist. FOTO: DVG
Duisburg. Elektronik in Bussen und Bahnen sowie eine App auf dem Handy des Kunden machen den Kauf von Fahrkarten künftig überflüssig. Die Testphase läuft in Kürze in zehn Fahrzeugen an. Von Hildegard Chudobba

DVG-Kunden können möglicherweise in ein bis zwei Jahren in Busse und Bahnen einsteigen, ohne vorher eine Fahrkarte gekauft zu haben. Vorausgesetzt, sie haben auf ihrem Smartphone das passende Programm heruntergeladen, werden sie beim Ein- und Aussteigen elektronisch erfasst. Der Fahrpreis wird dann automatisch errechnet und der Betrag von einem Konto abgebucht, das zuvor in dem System hinterlegt wurde.

Ähnliche Systeme nutzt bereits die Deutsche Bahn in ihren Zügen. Im Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs hingegen betritt die DVG weitgehend unbeackertes Gelände. Um die Zukunft der Mobilität mitzugestalten, startet die DVG den Smartphone-basierten "CheckIn/BeOut" (CiBo) Feldversuch und nimmt damit eine Vorreiterrolle innerhalb des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) ein.

Aus Fahrgästen werden Mobilitätskunden. Darauf stellt sich auch die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) ein. Ohne die entsprechende App geht's heutzutage einfach nicht mehr. FOTO: DVG

Vorgestellt wurde dieses System jetzt in Duisburg den Teilnehmern der "Kontiki-Konferenz", ein Netzwerk für den öffentlichen Personenverkehr (ÖPV), in dem das Wissen über neue Technologien und Anwendungen für den Erfahrungsaustausch gebündelt wird. Die Teilnehmer konnten gleich ausprobieren, wie das System funktioniert.

In Kürze werden erste, ausgewählte DVG-Fahrgäste mit der nötigen Technik ausgestattet. Diese Testfahrer werden in vier Straßenbahnen und sechs Bussen, die zuvor elektronisch aufgerüstet wurden, die erste, rund halbjährige Praxistest-Phase absolvieren. Sie werden ihre Erfahrungen sammeln, Fehler aufspüren und die Vorteile in der Praxis herausarbeiten.

Sollte CiBo später flächendeckend zum Einsatz kommen, müssen rund 120 DVG-eigene Busse, alle Straßenbahnen und auch die Fahrzeuge der Partnerunternehmen umgerüstet werden. Das Verkehrsunternehmen rechnet mit Investitionskosten in Höhe von 320.000 Euro.

Nach der ersten Testphase wird feststehen, ob das System massentauglich ist oder welche Kinderkrankheiten noch beseitigt werden müssen.

Erst danach wird es den Stempel "kundentauglich" bekommen und nach einer erneuten Testphase in Dauerbetrieb gehen.

Wer sich registriert hat, soll künftig nicht nur die Vorteile des nicht mehr nötigen Fahrkartenkaufs nutzen können, sondern er wird auch aufs Handy Informationen erhalten, wenn beispielsweise die bevorzugt genutzte Bahn verspätet ist oder der häufig genutzte Bus ausfällt. Wann das so weit sein wird, steht noch nicht fest, aber vermutlich nicht vor 2018. "Der Öffentliche Personennahverkehr steht vor einem Wandel. Aus Fahrgästen werden langsam aber sicher Mobilitätskunden. Auf diese kommenden Erfordernisse des Marktes muss sich der ÖPNV ausrichten, Ausrichtungen neu definieren und dabei auch die Erfordernisse für neue Vertriebswege erkennen, testen und idealerweise in die Praxis überführen", skizzierte Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG (DVG) bei der "Kontiki-Konferenz".

Er hat den Anspruch, ein gerechtes Tarifsystem möglichst barrierefrei aufzubauen. Ob der Kunde finanzielle Vorteile haben wird, wenn er künftig nur noch für die tatsächlich zurückgelegte Strecke bezahlt, ist noch nicht sicher. Solche Fragen sind zur gegebenen Zeit mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zu erörtern.

Kontiki e. V. wurde im März 1998 gegründet. Unter Wahrung der System- und Produktneutralität trägt der Verein dazu bei, Prozesse und Abläufe permanent zu optimieren und so die Entwicklung von Smart Ticketing im öffentlichen Personenverkehr zu fördern.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: DVG erprobt Mobilität der Zukunft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.