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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Ehrendoktorwürde für Kortum

Duisburg. Heute ist der einst bekannte Arzt und Literat, der an der Alten Duisburger Uni studierte, fast vergessen. Dabei wurde sein satirisches Heldengedicht, die "Jobsiade", sogar von Wilhelm Busch illustriert. Von Harald Küst

Die Duisburger Universitätsgeschichte weist herausragende Persönlichkeiten auf. Dazu gehört ganz sicher der Mediziner und Literat Carl Arnold Kortum. Er studierte von 1763 bis 1766 in Duisburg und gehört zu den bekanntesten Studenten der Alten Universität Duisburg. Im Kultur- und Stadthistorischen Museum erinnert das satirische Heldengedicht "Jobsiade" an das Aushängeschild der Duisburger Universität.

Carl Arnold Kortum wurde am 5. Juli 1745 als Sohn eines Apothekers in Mülheim geboren. Seine Eltern gehörten zum begüterten Bürgertum. Sein Vater starb, als der Junge gerade drei Jahre alt war. Die Mutter hatte den begabten Sohn schon früh zum Studium bestimmt und 2000 Reichstaler gespart. Eine Investition in die Zukunft. Nach erfolgreich bestandener Aufnahmeprüfung schrieb sich Kortum in das Matrikelbuch der Duisburger Universität als Student der Medizin ein. Ausgebildet wurde der strebsame Student vor allem von dem renommierten Professor Johann Gottfried Leidenfrost.

Kortum besuchte sechs Semester lang medizinische Vorlesungen und belegte auch naturwissenschaftliche Studienfächer wie Botanik und Kräuterlehre. 1766 promovierte er mit dem Thema "Dissertatio de epilepsia" bei Professor Leidenfrost. Die Vervollkommnung seiner Fertigkeiten erlangte er durch einen "cursus anatomicus" an der Berliner Charité, da das "Cadaverum" an der Alten Duisburger Universität mangels Leichen nicht umfassend gelehrt wurde. Den Anatomiekurs hatte der preußische Staat vorgeschrieben, damit er als Arzt praktizieren durfte. Nachdem Kortum die Prüfung in Berlin mit Bravour absolviert hatte, ließ er sich als praktischer Arzt - noch keine 22 Jahre alt - in Mülheim nieder. Drei Jahre später erfolgte ein Ruf nach Bochum, "woselbst ein Medicus fehlte". Nach seiner Heirat eröffnete er dort eine Arztpraxis. Aus der Ehe mit Helene Margarethe Ehinger, eine Bochumerin, gingen drei Kinder hervor; zwei starben früh. So ruhten die Hoffnungen auf seinem einzigen Sohn. Er sollte in die Fußstapfen seines Vaters treten und Medizin studieren.

Nach Aderlässen, Entbindungen und Amputationen entspannte sich Kortum mit Reimen und Knittelversen. Obwohl Kortum später vielfältige wissenschaftliche Artikel im Bereich Medizin und Naturwissenschaften veröffentlichte, galten zeitgenössische Wertschätzungen und Lobpreisungen eher dem Literaten und Dichter. Seine "Jobsiade" wurde das, was heute als Bestseller bezeichnet wird. Kortum hat da in einem satirischen Heldengedicht die Studienjahre des erzfaulen Theologiestudenten Hieronymus Jobs beschrieben.

Zwei Strophen lesen sich so:

"Die meisten aber, anstatt zu studieren,

Taten nur ihre Gelder verschlemmen

Und lebten lustig und guter Ding,

Indessen die edele Zeit verging."-

"Wein, Tobak und Bier war sein Leben,

Er tat dabei die stimme hoch erheben,

Wenn er mit lautem und starkem Klang

Das gaudeamus igitur sang."

Jobs scheitert in allen Lebenslagen. Statt zu studieren, verprasst er das Geld der Eltern und besteht am Ende auch nicht das notwendige Examen. Insbesondere die Schilderung der Prüfung des absolut unwissenden Kandidaten ist eine Kostbarkeit in der komischen deutschen Literatur. Die Jobsiade wurde unter anderem von Johann Peter Hasencleber und Wilhelm Busch illustriert.

Gleichwohl blieb er Mediziner aus innerer Berufung. Er beschäftigte sich mit präventiven Maßnahmen, wie Schutzimpfungen und Hygiene, aber auch mit alchimistischen Experimenten. Für seinen Sohn erschuf er 1792 zu dessen Studienbeginn in Duisburg einen Klappatlas ("Figura Anatomica Corporis Humani") des menschlichen Körpers. Das einzigartige handkolorierte Papierwerk, ein dreidimensionales aufklappbares Objekt mit den menschlichen Organen, war zur damaligen Zeit ein innovatives didaktisches Hilfsmittel.

Eine außergewöhnliche Ehrung zu seinem fünfzigjährigen Doktorjubiläum erhielt Kortum 1816: Dazu verlieh ihm die Universität Duisburg den Ehrendoktortitel und der König Preußens, Friedrich Wilhelm III., den Titel des Hofrats. Der frühe Tod seines einzig verbliebenen Sohnes gab seinem Lebenswerk eine tragische Komponente. Am 15. August 1824 starb Carl Arnold Kortum in Bochum. Der Grabstein befindet sich heute im Kortumpark, dem alten Bochumer Friedhof abseits der Wittener Straße.

Quelle: RP
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