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Duisburg
Ein Abend wie mit einem netten Bekannten

Duisburg. Stephan Sulke traf im Huckinger Steinhof auf ein kundiges Publikum.

Stephan Sulke war im Steinhof. Stephan wer? Sulke! Stephan Sulke! Wer noch jung ist, dem wird der Name nichts sagen. Doch das Publikum in dem Huckinger Veranstaltungszentrum erwies sich als absolut kundig. Kein Wunder, lag doch das Durchschnittsalter der rund 500 Zuhörer eher bei 60, denn bei 40 Jahren. Seine große Zeit hatte der Schweizer Sänger, Schriftsteller, Künstler und Maler Anfang der 80er Jahre, damals, als deutschsprachige Liedermacher sich auf den Bühnen die Klinke in die Hand gaben und er mit seinem Song von der dicken Ulla einen echten Hit produzierte. Den gab es natürlich im Steinhof zu hören und dazu noch jede Menge alter Songs und einige verhältnismäßig neue.

Stephan Sulke wird in wenigen Wochen 72 Jahre alt und hatte sich jahrelang von der Bühne zurückgezogen. Inzwischen ist er körperlich etwas fülliger geworden. Als er noch große Konzertsäle füllte, da klangen manche seiner Songs ein bisschen schmieriger als heute. Dieser besondere Kick in der Stimme scheint ihm etwas abhandengekommen zu sein. Wobei: Singen kann er so gut wie in alten Zeiten. Und erst recht plaudern: Zum Beispiel über sein Heimatland, die Schweiz, in das er keineswegs erst als Schallplatten-Millionär zog, um Steuern zu sparen, sondern er ist dort aufgewachsen. Oder über das Älterwerden, über Freunde, Karriere und Karriereknicks, über den Alltag und über seine Arbeit auf der Bühne und im Studio. Garniert sind die Plauderein fast alle mit einem feinsinnigen, humorigen Ende, das auch viele seiner erfolgreichen Lieder kennzeichnete. Ganz allein steht er auf der Bühne, Elektronik ersetzt das Orchester. Und manchmal singt er sogar ganz ohne Untermalung. Das passt zu seinem unprätentiösen Auftreten in grauen Jeans und grauen Pullover, auch die Alltagskleidung macht ihn authentisch. Sein Auftritt im Steinhof wirkt so intim, als säße man ihm mit ein paar Freunden im Wohnzimmer gegenüber. Oder als diskutiere man mit ihm in einer Kneipe bei Rotwein und Zigaretten über die großen und kleinen Dinge des Alltags, die er so poetisch in seinen Liedern verarbeitet hat. Oder als erzähle er seine Witzchen mit den meist bekannten oder vorhersehbaren Pointen nicht in einem Saal mit 500 Zuhörern, sondern in einem kleinen Kreis von Freunden, die ihn rundum sympathisch finden. Gute zwei Stunden blieb er im Steinhof. Die, die gekommen waren, hatten einen netten Abend mit vielen Erinnerungen an früher und dem Gefühl, einen guten Bekannten wiedergesehen zu haben.

(hch)
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