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Duisburg
Ein Abstieg bedeutet mehr als Herzensleid

Duisburg: Ein Abstieg bedeutet mehr als Herzensleid
Beim Zwangsabstieg vor zwei Jahren hielten die MSV-Fans zusammen, und auch jetzt stehen sie treu an der Seite des Schlusslichtes der 2. Liga. FOTO: Reichwein
Duisburg. Heute treten die 1860er im Stadion gegen den MSV an. Beide Vereine kämpfen gegen den Abstieg, der für den MSV zur Existenzfrage werden könnte. Selbst ein Zebra-Sieg heute bedeutet noch nicht die Rettung. Von Hildegard Chudobba und Hermann Kewitz

Selten war der Spruch "Die Hoffnung stirbt zuletzt" so zutreffend wie in dieser Saison beim MSV. Trotz des Überraschungssiegs am Sonntag in Nürnberg kleben die Zebras weiter am Tabellenende. Mit einem weiteren Erfolg am heutigen Freitagabend gegen den Drittletzten 1860 kann die Mannschaft aber den Abschluss zu den rettenden Plätzen erreichen. Die Partie am Freitag ist in gewisser Hinsicht ein Millionenspiel.

Nicht nur weil die mehr als 20.000 Zuschauer, die erwartet werden, satte Einnahmen versprechen. Sondern beim Kampf um den Klassenerhalt geht es für den MSV auch um richtig viel Geld. Es geht zudem darum, das wirtschaftliche Überleben des Vereins dauerhaft zu ermöglichen. Klar gesagt: Die 2. Liga ist aus finanzieller Sicht ein Gesundbrunnen, die 3. Liga ist existenzgefährdend.

Ein Beispiel: 5,3 Millionen Euro bekommt der MSV an Fernsehgeldern für Auftritte in der 2. Liga. In der 3. Liga wären es nur 800.000 Euro. Allerdings gibt es noch ein Zückerchen für Absteiger vom DFB: 500.000 Euro zur Abfederung des Aufschlags. Ein anderes Beispiel: Etwa 17.000 Zuschauer kommen derzeit pro Spiel, obwohl die Mannschaft ganz unten steht. 13.500 Fans besuchten im Durchschnitt die Partien im Aufstiegsjahr.

Und da herrschte die Euphorie des Aufbruchs zu besseren Zeiten. Von geringeren Sponsoren-Einnahmen, auch wenn der Trikot-Gönner Black Crevice in jedem Fall bleibt, dem fehlenden Geld beim Merchandising noch gar nicht zu reden. Deshalb darf im Sinne des Vereins, seiner Fans und der Stadt ein möglicher Abstieg nur ein Ausrutscher sein.

Das bestätigt auch Präsident Ingo Wald. Der MSV hat vorsorglich die Lizenz für die 2. und die 3. Liga beantragt. Bleibt die Mannschaft drin, ist die Zulassung wohl nur Formsache. Auch für die 3. Klasse bekommt man die Lizenz. Entscheidend ist aber: Kann man so viel Geld für den Kader in den Etat einplanen, dass das Team wieder um den Aufstieg spielt? Denn nur mitkicken oder "versauern", wie es Ingo Wald sagt, kann sich der Verein auf Dauer nicht leisten. Die laufenden Kosten - Stadionmiete von 900.000 Euro, Personal und die Restschulden - erlauben keine Drittklassigkeit.

Zum Thema Restschulden: Der Vorstand erreichte zwar im vergangenen Jahr den Schuldenschnitt um 80 Prozent. 20 Prozent der Verbindlichkeiten wollen die Gläubiger aber sehen. 2017 ist dieser Rest, ein geschätzter Millionenbetrag, fällig.

Und dann ist da der amerikanische Investor. Die Capelli-Gruppe aus New York ist beim MSV mit 5,1 Prozent eingestiegen. Das Geld - etwa 500.000 Euro pro Jahr - hilft weiter, ist aber eher eine Schwimmweste als ein Rettungsboot. Und die Stadt? Sie erarbeitet gerade ein neues Imagekonzept. Den MSV darin einzubetten wäre gefährlich! Von dem Einfluss eines erneuten Abstiegs auf die Seelenlage der Bürger ist da noch gar nicht die Rede. Wenn der MSV heute gegen die Löwen aus München aufs Feld geht, dann drücken ihm viele die Daumen. Und das nicht nur deshalb, weil sie echte Fans sind.

Und selbst ein Sieg bedeutet dann noch lange nicht die Rettung, sondern nur, dass die Hoffnung weiterlebt.

Quelle: RP
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