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Duisburg
Ein "Bulle" sagt ganz laut Scheiße

Bilder aus dem Leben von Götz George
Bilder aus dem Leben von Götz George FOTO: dpa
Duisburg. Mit Götz George alias Horst Schimanski flimmerte 1981 der erste Duisburg-Tatort in die bundesdeutschen Wohnzimmer - und sorgte bei vielen Fernsehzuschauern aus unserer Stadt für blankes Entsetzen. Von Hildegard Chudobba

Für die Schimmi-Touren werden sich jetzt vermutlich noch mehr Interessierte anmelden. Denn Wandeln auf Horst Schimanskis Spuren bedeutet seit Sonntag auch, Abschied nehmen von dem Tatort-Kommissar, der Duisburg so berühmt (berüchtigt) gemacht hat, und von einem der besten deutschen Schauspieler dieser Zeit. Götz George ist im Alter von 77 Jahren gestorben, und in unserer Stadt haben viele Bürger ganz persönliche Erinnerungen an den großen Schauspieler. Zum Beispiel die Duisburger Feuerwehr. Bei den Dreharbeiten zur ersten Folge musste sie im März 1981 ihre Wasserschläuche aufdrehen. Weil es an diesem Tag hier nur nieselte. Benötigt wurde aber ein richtig dicker Regenguss.

Pressetermin in Duisburg: Immer, wenn George zu Dreharbeiten hier war, war das Medieninteresse riesig. Hier hat der Schauspieler den weiß-blauen MSV-Schal in der Hand. FOTO: Andreas Probst

Oder Otto Dobbelstein, dessen Café auf dem Sonnenwall die Kulisse für eine der Folgen bot. Schimmi sitzt dort am Tisch und trinkt, nein, nicht Kaffee, sondern ein kühles Bier. Erinnern werden sich auch etliche Polizeibeamte, die sich über Horst Schimanski ausließen und mit Götz George über desen Rolle sprachen, wie der einstige Kripo-Chef Dagobert Alhorn, der die Ansicht vertrat, dass ein solcher Polizist in Wirklichkeit nicht einmal Fahrraddiebe jagen dürfte. Mehrfach mit George traf Josef Krings zusammen. Der Alt-Oberbürgermeister schätzte dessen Schauspielkunst sehr.

Eine persönliche Begegnung mit "Horst Schimanski" hatte dessen Nachfolger Sören Link zwar nie (er war noch im Kindergartenalter, als 1981 die erste Folge ausgestrahlt wurde), aber dennoch würdigte er gestern die Verdienste des "Kommissars". In der Stadt würden viele Menschen den Tod von Götz George betrauern, weil er nicht nur ein großer Mime in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen gewesen sei, sondern durch die Figur des "Schimmi" im Duisburger Tatort auch so etwas wie eine Kultfigur. "Keine andere Filmfigur ist für mich so eng mit der Stadt Duisburg verbunden, wie eben jener Horst Schimanski" so Link. In zahlreichen Stadtteilen werden sich (vor allem ältere) Bewohner an die Dreharbeiten erinnern. In Ruhrort ganze Häuserzeilen, Plätze, Kneipen und Kioske als Kulisse. In Bruckhausen war der Matena-Tunnel schaurig-schöner Drehort, Schimmi raste über breite Straßen und durch schmale Gassen, er drehte am Rheinufer und in der Ruhraue, und dabei wurde mancher Duisburger zum Statisten. Zehn Jahre lang, von 1981 bis 1991, schlug sich Schimmi in unserer Stadt mit allen, die ihm in die Quere kamen. Sein rüpelhaftes Auftreten fern jeder Realität (Welcher Polizist brüllt im Dienst schon "Scheiße"?) brachte anfangs die Bürger eher auf, als dass sie begeistert waren. Der schon verstorbene Alt-Bürgermeister Heinz Pletziger wollte gar, dass das Filmteam samt seinem Kommissar aus der Stadt gejagt wird. Jahre später, als die graue Dienstjacke als Ausstellungsstück ins Stadthistorische Museum wanderte, hatte er längst seinen Frieden mit dem Schmuddel-Polizisten gemacht, der die Stadt in den schmierigsten Farben malte, die der Tuschkasten hergibt.

Ohne die obligatorische Schimanski-Jacke ging es nie. FOTO: Peter KAMP

Duisburgs Marketing-Experten taten sich schwer, Schimmi in ihre Werbung einzubauen. Auf private Initiative von DU-Tours werden seit einigen Jahren Schimmi-Touren (inklusive Köpi und Currywurst mit Pommes) angeboten, bei denen die Teilnehmer auf den Spuren des Tatort-Kommissars wandeln und zum Beispiel durch die Horst-Schimanski-Gasse am Ruhrorter Leinpfad laufen können.

Seine persönliche Verbundenheit mit Duisburg hat Götz George selten geäußert oder gezeigt, auch wenn er in einer der Folgen die Krupp-Arbeiterkämpfe in Rheinhausen aufgriff und sich in einem Sozialprojekt engagierte. Mit der Stadt verbinde er viele schöne Erinnerungen, sagte er vor zehn Jahren bei Dreharbeiten. Sie sei fast "eine Art zweite Heimat" für ihn geworden. Dass nur die eher hässlichen Seiten Duisburgs erscheinen würden, liege nun einmal an der Story. Das dürfe man nicht persönlich nehmen.

Ganz persönlich: Kripochef Allhorn und OB-Krings im Gespräch mit Schimmi. FOTO: Andreas Probst
Quelle: RP
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