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Stadtdirektor geht in den Ruhestand
Ein Fachmann mit großem Weitblick geht

Stadtdirektor geht in den Ruhestand: Ein Fachmann mit großem Weitblick geht
Reinhold Spaniel lässt auf seine "Büro-Frau" Renate Biedziak nichts kommen und umgekehrt. Wegen seiner lockeren Art war der Sozialdezernent von Anfang an in Duisburg beliebt, auch wenn ihn manch einer nicht erkannte, wenn er sich für seine Fahrten mit der Harley "kostümierte". FOTO: hch/Archiv
Duisburg. Stadtdirektor Reinhold Spaniel wird heute offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Es fällt schwer, sich vorzustellen, wie Duisburg ohne den Beigeordneten für Sport und Soziales auskommen kann. Von Hildegard Chudobba

Die erste Begegnung mit Reinhold Spaniel liegt mehr als 26 Jahre zurück. Da betrat er als neuer Duisburger Sozialamtsleiter die RP-Redaktion, legte eine Tüte mit Plunderteilchen auf den Tisch und plauderte locker flockig darüber, dass er als gebürtiger Düsseldorfer gerade dabei sei, den besonderen Charme der Ruhrgebietler kennenzulernen, die regelmäßig vor seiner Bürotüre stehen und ihre Sozialhilfe abholten.

Er wusste, wie schwer es etliche dieser Klienten haben. Aufgewachsen bei einem Vater, der als Polier auf dem Bau sein Geld verdiente, und einer Mutter, die putzen ging, war ihm Bescheidenheit in die Wiege gelegt worden, und bescheiden ist er bis heute geblieben. Der Sozialdemokrat (seit 1978) sammelte vor allem im Düsseldorfer Sozialamt so viele Erfahrungen, dass er 1991 als Amtsleiter in Duisburg "vor Anker" ging und drei Jahre später Sozialdezernent wurde. Als dienstältester Beigeordneter unserer Stadt wird der inzwischen 65-Jährige heute offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Mit ihm geht ein hoch anerkannter Fachmann, der eine Lücke hinterlässt, die sich mit Sicherheit nicht leicht schließen lässt.

Zwei große Flüchtlingswellen hat er "gemanagt". In den 90er kamen die Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien und mussten von jetzt auf gleich irgendwo untergebracht werden. Spaniel fand die benötigen Unterkünfte und mietete sogar vorübergehend ein Hotelschiff an, um die Geflüchteten menschenwürdig unterzubringen. Vor drei Jahren schwappte die Welle der Kriegflüchtlinge aus Syrien ins Land. Und wieder fand er ausreichend Quartiere und beschritt dabei neue Wege. Für seine Zeltstadt in Walsum wurde er anfangs so gescholten, dass dort nie jemand einzog. Den Städten, die später auf solche Unterbringungsmöglichkeiten zurückgriffen, blieb die Kritik erspart. An der Spitze stand Reinhold Spaniel ebenfalls als (von den meisten belächelter) Mahner, als er bereits ein Jahr vor dem Flüchtlingsansturm vor einer neuen Völkerwanderung warnte. Und als alle anderen noch jammerten, dass sie nicht genug Quartiere hätten, hatte Spaniel längst weitergedacht und stellte das Thema Integration der Geflohenen in den Fokus. Vielleicht sollte man ihm glauben, wenn er jetzt vor der nächsten Flüchtlingswelle warnt, diesmal einer aus Afrika.

Zu Unrecht belächelt wurde Duisburg Sozialdezernent allerdings nicht nur wegen seiner Prognosen zum Thema Asylbewerber. Als er in den 90er Jahren einen Wohnungsnotfallplan ankündigte, um die menschenunwürdigen Obdachlosen-Unterkünfte auflösen zu können, glaubten nur wenige, dass ihm das gelingen wird. Heute wissen wir, dass sein Plan aufgegangen ist. Dass der Unterhalt von Obdachlosenunterkünften zudem auf Dauer teurer ist als die Alternative (Wohnungen anmieten) - auch diese Vorhersage hat sich bestätigt. Dabei ist Spaniel alles andere als ein Wahrsager. Er ist vor allem ein Kämpfer und Macher mit Weitblick, der seinen Kritikern meist den Wind aus den Segeln genommen hat. Das gilt auch für ein ganz anderes Thema: Reinhold Spaniel ist ebenfalls Sportdezernent und kassierte in dieser Funktion eine Menge Prügel, ließ er doch die Regattabahn umbauen. Auch hier bewies er Weitsicht: Die "Rennstrecke" ist dadurch nicht nur auf lange Sicht wettbewerbsfähig geblieben, sondern der Freizeitwert hat sich sogar noch erhöht, Stichwort Wasserwelt. Zu der Dezernten-Sportlaufbahn gehört zudem, dass er die Kanu-WM und die World Games so hervorragend organisierte, dass Duisburg als Sportstadt jede Menge Pluspunkte sammeln konnte.

Vielleicht wäre die Anerkennung seiner Leistungen nicht ganz so groß, wenn Reinhold Spaniel daneben nicht auch noch ein super-netter Kerl wäre, einer, mit man Pferde stehlen kann, der Loyalität vorlebt und in seinem "Job" seinen Lebensinhalt gefunden hat. Kein Wunder, dass er ungern in den Ruhestand geht und das auch offen zugibt. "Rosenzüchtern und Heimwerkertätigkeiten werden nie mein Ding sein", sagt er.

Reinhold Spaniel wird sein Wissen stattdessen nutzen für ein neues (fast-berufliches) Standbein. Daneben will er mit seiner Ehefrau Monika viel verreisen, zum Beispiel zu seiner in Dubai lebenden Tochter, die in Kürze ihr drittes Kind bekommt. Golfspielen und Ausfahrten mit seiner geliebten "Harley" stehen ebenfalls vermehrt auf seinem "Rentner-Aktiv-Plan". Und Treffen mit seinen Mitarbeitern sowieso, vor allem mit seiner "Bitzi": Renate Biedziak sitzt seit 25 Jahren in seinem Vorzimmer und steht ihrem Chef in Sachen Loyalität und Arbeitsqualität in nichts nach. Und wenn bei der heutigen Verabschiedung Tränen fließen sollten, dann nicht nur beim "Chef", wie sie ihn bevorzugt nennt, sondern auch bei ihr selbst.

Quelle: RP
 
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