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Duisburg
Ein ganzes Berufsleben Flüchtlingen gewidmet

Duisburg: Ein ganzes Berufsleben Flüchtlingen gewidmet
Bei ihrer offiziellen Verabschiedung: Regina Scheuerer, die ihr ganzes Berufsleben den Flüchtlingen widmete. FOTO: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg
Duisburg. Mit Menschen, die kein Dach mehr über dem Kopf haben, hatte Regina Scheuerer ihr ganzes Berufsleben zu tun. Nun geht die Sozialarbeiterin des Diakonischen Werkes in den Ruhestand. Von Sabine Merkelt-Rahm

Sie begann 1978 mit Obdachlosenarbeit und wechselte Anfang der 1990er Jahre in die Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes Duisburg. Nun, wo ihr berufliches Lebensthema in aller Munde ist, geht sie in den Ruhestand. "Das fällt mir gerade jetzt nicht leicht", sagt sie, "weil das letzte Jahr so schön war." Viele Jahre hatte sie zuvor alleine auf der Fachstelle für Migration und Integration gearbeitet, Zeiten des Ansturms und der scheinbaren Ruhe erlebt. Mal krähte kein Hahn nach der Flüchtlingsarbeit, dann war das Thema wieder ein politischer Zankapfel.

Seit einem Jahr leitet sie nun ein Team, hat Kollegen im Diakonischen Werk und im Sozialamt. "Das war für mich ein Riesenglück, diese Erfahrung noch zu machen, wieviel Freude die Arbeit machen kann, wenn man sich austauscht und gemeinsam Ideen entwickelt", sagt sie. Natürlich könnte sie viele Geschichten erzählen, rührende und traurige, von Armut, Flucht und Not und von hochherzigen Helfern. Gelegentlich hat sie das auch getan, in Vorträgen etwa, um etwas von ihrem Wissen weiterzugeben und Anteilnahme und Hilfsbereitschaft zu wecken. Aber eigentlich misstraut sie der Wirkung von rührenden Geschichten. "Das alte Ehepaar, das einen jungen Flüchtling bei sich wohnen lässt, sowas hören die Leute gerne, aber diese Geschichten haben doch oft ein sehr großes Gefälle", sagt sie nachdenklich.

Die ganz großen Gefühle, die führen zu spontanen Kleidersammelaktionen. Gut gemeint. Aber nicht immer gut organisiert. Und auch nicht immer das, was die Menschen wirklich brauchen. "Bei manchen Hilfsbereiten liegt ein grundsätzliches Missverständnis vor", sagt die Diplomsozialarbeiterin, "die glauben, wenn jemand arm ist, darf er nicht in sich widersprüchlich sein, sondern muss immer angepasst und dankbar reagieren. Das kann ganz schnell zu großen Enttäuschungen führen."

Lieber erzählt sie von den beiden Kolleginnen mit afrikanischen Wurzeln, die anders denken als sie und neue Ideen einbringen. Sie wünscht sich ein Konzept für die Flüchtlingsarbeit in der Stadt, das voraus denkt und plant. Sie selbst lässt das Thema auch in ihrer Freizeit nicht los. Sie wollte eine Herkunftssprache können und hat deshalb Türkisch gelernt.

Im Urlaub hat sie von der Türkei aus ein Flüchtlingslager im Nordirak besucht. Kein angenehmer Ort, eigentlich. "Es klingt irgendwie seltsam", sagt sie, "aber ich habe mich da wohl und sicher gefühlt. Unter Flüchtlingen kenne ich mich halt aus."

Quelle: RP
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