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Duisburg
Ein gnadenloser Beherrscher der Tasten

Duisburg. Der finnische Pianist und Komponist Olli Mustonen gastierte beim Klavier-Festival Ruhr in der Gebläsehalle. Von Ingo Hoddick

Als Kind galt der 1967 geborene Olli Mustonen als "finnischer Mozart". Mit acht Jahren begann er sein Kompositions-Studium bei dem legendären finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara, mit zehn Jahren eröffnete er einen Kompositions-Shop, bei dem man Auftragswerke bestellen konnte. Jetzt war Mustonen zum siebten Mal beim Klavier-Festival Ruhr zu Gast, und zum ersten Mal überhaupt in Duisburg.

Das Programm seines Klavierabends in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord war klug komponiert. Im Zentrum stand ein eigens Werk, die Sonate Nr. 1 "Jehkin Livana" (2005), die an den gleichnamigen Musiker (1843-1911) erinnert, einen legendären Sänger des traditionsreichen Runengesangs und Meister auf der finnischen Zither "Kantele", zugleich aber auch an den vor 100 Jahren gestorbenen musikalischen Visionär Alexander Skrjabin.

Davor und danach setzte Mustonen Werke von drei Komponisten, die ihm besonders nahestehen, auch als kompositorische Vorbilder: zehn Klavierstücke op. 58 (1909) von dem vor 150 Jahren geborenen Jean Sibelius, die Ballade in Form von Variationen über eine norwegische Melodie g-Moll op. 24 (1875/76) von Edvard Grieg und die Sonate Nr. 6 A-Dur op. 82 (1940), die erste der drei "Kriegs-Sonaten" von Sergej Prokofjew.

Mustonen spielt manieristisch, das heißt jeder einzelne Ton birst vor Energie, oft auch vor sprechender Poesie. Er versuchte gar nicht erst, die Sprödigkeit von Sibelius' Charakterstücken zu leugnen, sondern trieb sie zur Kenntlichkeit, fast bis zur Karikatur. Mit seiner Spielweise schießt Mustonen manchmal über das Ziel hinaus, etwa wenn er bei Grieg das Thema in überflüssigen Arpeggien verschwimmen ließ. Am treffsichersten wirkte der gnadenlose Beherrscher der Tasten in der Prokofjew-Sonate, wo zwei brutale Ecksätze je einen burlesken und lyrischen Mittelsatz umrahmen. Auch die beiden Zugaben blieben auf dieser Linie, darunter der beliebte Marsch aus Prokofjews Oper "Die Liebe zu den drei Orangen".

Das nächste Duisburger Konzert des Klavier-Festivals Ruhr in der Gebläsehalle gibt es erst am Sonntag, 31. Mai. Dann spielt Igor Levit sämtliche sechs Partiten von Johann Sebastian Bach. Dieser Klavierabend beginnt bereits um 19 Uhr und hat zwei Pausen. Es gibt noch Karten, sogar platzgenau im Internet unter www.klavierfestival.de.

Quelle: RP
 
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