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Duisburg
Ein höchst vergnüglicher Aufklärer

Duisburg. Das frisch gezapfte Kölsch schmeckte den "Klinikkultur"- Besuchern jetzt im ausverkauften Veranstaltungssaal der Buchholzer Unfallklinik bestens. Es gehört bei Jürgen Becker einfach dazu. Von Volker Poley

BUCHHOLZ Das Freibier zum Abschluss seiner Auftritte gehört bei Jürgen Becker einfach dazu und ist praktisch eine - äußerst beliebte - Zugabe in flüssiger Form. Vor knapp einem Jahr kam bereits das Publikum im Steinhof in den Genuss dieser Kölner Brau-Spezialität, als der Kabarettist dort schon einmal mit seinem seit 2016 laufenden Soloprogramm "Volksbegehren" zu Gast war. Mit dem gleichen - allerdings aktualisierten - Programm war der aus dem WDR-Fernsehen ("Mitternachtsspitzen") und Hörfunk ("Frühstückspause") bekannte Kölner auch dieses Mal am Start.

Der rappelvolle Saal dokumentierte, dass das Thema Sexualität in all seinen Facetten offensichtlich hochinteressant ist. Becker kriegt dabei immer wieder die Kurve, seine oftmals frivolen Anmerkungen präsentiert er jeweils mit einem Augenzwinkern und macht so seine kulturgeschichtlichen Betrachtungen zu Lust und Liebe dann doch irgendwie leicht verdaulich.

Der Kölner Satiriker begann seine humorvollen Betrachtungen mit der Bemerkung: "60 Prozent aller Männer denken täglich an Sex." Das wundert ihn, denn das bedeutet gleichzeitig, dass nur "40 Prozent an Fußball denken".

Spaß machen sollte die Sexualität schon, findet er, auch wenn die katholische Kirche jahrhundertelang mahnte, dass das Ganze eigentlich nur der Fortpflanzung zu dienen hätte.

Auf der Linie bewegen sich allerdings voll und ganz die Blattlaus-Weibchen, die ohne Zutun eines männlichen Partners bis zu zehn Nachkommen pro Tag produzieren können. Aber "ob das Spaß macht?", bezweifelt nicht nur der 58-Jährige.

Seinen Aufklärungsabend in Sachen Sexualität würzte Becker mit Gemälden alter Meister, die zeigten, dass die Liebeslust immer schon ein beherrschendes Thema war. Das Bild, das Zeus und Hera in eindeutiger Pose zeigt, ist für ihn der Beweis, dass schon die Götter der Antike "sexuell sehr umtriebig" waren. Religion und katholische Sexualmoral thematisierte der Kölner immer wieder, dabei erwähnte er auch mit Vergnügen die zahlreichen "hocherotischen Fresken" im Vatikan.

Jürgen Becker behandelte in seinem Bühnenprogramm aber nicht nur das "Thema Nummer eins", sondern ging auch auf die aktuelle politische Situation ein. Dabei bekam der türkische Präsident, der überhaupt nicht gerne sieht, dass Frauen in seinem Land in der Öffentlichkeit lachen, sein Fett ab: "Wenn man verhindern will, dass Frauen lachen, sollte man als Staatspräsident auch keine Witzfigur aufstellen."

Innenpolitisch musste FDP-Chef Lindner "dran glauben". Wer nach Christian Lindner googelt, könne schon mal den Tipp bekommen: "Frauen, die sich für Christian Lindner entschieden haben, interessieren sich auch für Heißluft-Gebläse." Und die immer aktiver werdenden Senioren irritieren nicht nur den Kölner Kabarettisten: "Früher klopfte der Tod spätestens mit 80 an der Tür. Heute trifft er die Alten da gar nicht mehr an!"

Quelle: RP
 
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