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Duisburg
Ein Kirchenaustritt hat viele Gründe

Duisburg. Wenn Menschen - oft nach vielen Jahren - die katholische Kirche verlassen, dann hat das oft nicht nur einen einzigen Grund. Das ist das erste Ergebnis einer groß angelegten Studie, die das Bistum Essen in Auftrag gegeben hat.

Wenn Menschen aus der katholischen Kirche austreten, gibt es dafür nicht den einen, herausragenden Grund. Vielmehr gibt es ein ganzes Bündel von Faktoren, wenn Menschen - oft nach vielen Jahren - die katholische Kirche verlassen. Das ist das erste Ergebnis einer groß angelegten Studie, die das Bistum Essen in Auftrag gegeben hat. Angesichts von jährlich rund 4000 Kirchenaustritten bei knapp 800.000 Mitgliedern möchte das Ruhrbistum in seinem Zukunftsbild-Prozess verstehen, warum Menschen der Kirche den Rücken kehren - und was die Kirche dagegen tun kann. Mehr als 3000 Männer und Frauen aus dem Bistum Essen und darüber hinaus haben sich zwischen März und Mai an einer ersten Internet-Umfrage beteiligt und beschrieben, warum sie Kirchenmitglied oder ausgetreten sind. Rund 15 Prozent der Teilnehmer hatten die Kirche bereits verlassen. Bei der Vielzahl der Antworten hätten sich zwei Hauptmotive für den Kirchenaustritt heraus kristallisiert, sagt der Siegener Religionspädagoge Ulrich Riegel im Interview mit dem Bistumsmagazin BENE: "Erstens Entfremdung und zweitens fehlende Bindung". Kirche werde von Ausgetretenen als Institution erlebt, "die aus Machtinteressen und Ränkespielen besteht", so Riegel. Ein weiterer Austritts-Grund sei eine "nicht mehr zeitgemäße Haltung". Vertieft wurde das in der Umfrage deutlich gewordene "Stimmungsbild" durch mehr als 40 ausführliche Interviews mit Ausgetretenen aus dem Bistum Essen. Insgesamt habe sich bestätigt, was auch frühere Studien bereits gezeigt hätten, so Riegel: Ein Kirchenaustritt ist meist ein langfristiger Prozess. Oft genannte Themen wie die Kirchensteuer, öffentlich wirksame Skandale oder persönliche Enttäuschungen seien dabei eher nur Auslöser für Austritte, hinter denen jeweils oft tiefer liegende Gründe stünden.

Riegel spricht im BENE-Interview von einem "Kosten-Nutzen-Kalkül" von Kirchenmitgliedern, wenn etwa positive Erfahrungen bei Hochzeit oder Taufe durch schwerwiegende Enttäuschungen derart getrübt würden, dass der Austritt die Konsequenz ist. Er betont indes: "Feiern wie Hochzeit, Kommunion oder Taufen sind die Momente, wo Kirche noch am meisten Leute erreicht, eine gewisse Monopolstellung hat und punkten kann". Für die Zukunftsbild-Projektgruppe, die das Thema im Bistum Essen betreut, sind die Ergebnisse des Teams um Riegel ein erster Baustein der Studie zu Kirchenmitgliedschaft und Kirchenaustritt. Bis zum Herbst analysiert zudem das Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP) in Bochum bisher erschienene Forschungen zur Kirchenmitgliedschaft. Ziel ist eine Klassifizierung und Bewertung der verschiedenen Faktoren, die eine Mitgliedschaft in der Kirche beeinflussen.

Ergänzt werden diese Untersuchungen durch einen theologischen Beitrag des Berliner Instituts M.-Dominique Chenu, das sich Gedanken zu künftigen Formen der Mitgliedschaft in der Kirche macht.

Quelle: RP
 
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