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Duisburg
Ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung

Duisburg: Ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung
Per Ultraschall kontrollieren die Mediziner Wolfgang Schöls (m.) und Artur Lichtenberg (r.) das Herz von Hans Jürgen Reiter. FOTO: Reichwein
Duisburg. Am Herzzentrum des Duisburger Niederrhein-Klinikums wurde ein weltweit nur selten erprobter Eingriff durchgeführt. Von Carolin Skiba

Hans Jürgen Reiter ist ein Kämpfer. Bereits dreimal wurde der 65-Jährige am Herzen operiert. Nach einem Herzinfarkt mussten Bypässe gelegt und eine Herzklappe repariert werden. Darüber hinaus fing er sich eine Blutvergiftung und ein Lungenödem ein, und auch die Nieren machten Probleme. Wenn man ihn heute fragt, wie es ihm geht, antwortet er: "Gut, was anderes kann ich wirklich nicht sagen." Zu verdanken hat er das den beiden Medizinern Wolfgang Schöls, Chefarzt der Kardio- und Angiologie des Duisburger Herzzentrums, und Artur Lichtenberg, Kommissarischer Leiter der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie in Duisburg sowie Direktor der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie in Düsseldorf. Die beiden haben an Reiter ein Verfahren angewandt, das es so in der Region noch nie und weltweit erst einige Male gegeben hat.

Rückblick: 2001 wurde Reiter zum ersten Mal am Herzen operiert: vier Bypässe am offenen Herzen waren nötig. Davon getragen hat er eine große Narbe, ein gesundes Herz jedoch nicht. 2014 folgte die zweite Operation - eine undichte Mitralklappe und erneute Bypässe waren der Grund für den Eingriff. "Die Mitralklappe ist so etwas wie das Einlassventil des Herzens", erklärt Schöls. Sie ist eine der vier Klappen des Herzens und befindet sich zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer. Die Mitralklappe öffnet und schließt sich im Rhythmus des Herzschlages und lässt so Blut vom Vorhof in die Herzkammer und verhindert, dass es zurückfließt. "Ist sie wie bei Reiter undicht, gelangt das Blut jedes Mal, wenn das Herz geschlagen hat, dahin zurück, wo es hergekommen ist", erklärt der Chefarzt. Das Herz schlägt also umsonst. Eine Folge der Herzerkrankung. "Man kann sich das folgendermaßen vorstellen: Das Herz vergrößert sich aufgrund der Erkrankung und somit verzieht sich ein Rahmen, wie bei einer Tür, die dann nicht mehr schließt", sagt Schöls.

Ein neuer Eingriff war also unvermeidlich. Bis vor einigen Jahren sei es Standard gewesen, die OP am offenen Herzen durchzuführen. "Seit etwa zehn Jahren gibt es ein Verfahren, bei dem man mit einem Ballonkatheter über die Leiste oder die Herzspitze zum Herzen vordringt und einen Stent, also eine Gefäßstütze, anbringt", sagt Lichtenberg. Allerdings wurde das Verfahren bisher bei Operationen an der Aortenklappe und nicht an der Mitralklappe angewandt. Die Mitralklappe habe naturgemäß nicht so eine scharfe Struktur und sei somit nicht geeignet, das Implantat zu halten. Da Reiter aber durch seine vorherige OP bereits einen Kunststoffring in seinem Herzen trug, konnte der Stent "zweckentfremdet" werden, wie Lichtenberg es nennt. "Obwohl der Ring seinen eigentlichen Sinn verfehlt hat, war er für diese Operation unabdingbar", sagt der Chirurg.

Im Gegensatz zu dem herkömmlichen Verfahren, am offenen Herzen zu operieren, sei dieser minimal invasive Eingriff, also die Prozedur, bei der der Katheter in geringerem Maße als üblich in den Körper eindringt, viel schonender gewesen. "Nach zwei Operationen gibt es natürlich Verwachsungen, außerdem liegen da die Bypässe, und es besteht die Gefahr, sie zu verletzten", erklärt Lichtenberg. "Wir bemühen uns immer, dem Patienten die schonendste Therapie anzubieten." Schöls: "Wir mussten nur einen kleinen Schnitt machen, ein etwa Kugelschreiber großes Loch durch die Herzspitze stechen und den Ballonkatether einführen." Das Herz wird dann für rund 30 Sekunden über einen Schrittmacher auf 200 Schläge pro Minute stimuliert. Dadurch, dass es so schnell schlägt, steht es fast still, damit der Ballon aufgepumpt und im richtigen Moment aufgepumpt werden kann. Ist der Ballon aufgeblasen, dehnt sich auch der Stent aus und bleibt in dem Ring haften.

Durch die große Erfahrung bei diesem Eingriff bei Aortenklappen - in Duisburg werden etwa sechs Operationen dieser Art pro Woche getätigt - war diese OP nichts Ungewöhnliches für die Mediziner. Spektakulär aber war der Eingriff in Verbindung mit der Mitralklappe und dem bereits vorhandenen Ring.

Was bleibt, ist eine kleine Narbe an Reiters Brust. Schon nach 14 Tagen konnte er das Krankenhaus verlassen. Reiter: "Ich kann diese Operation nur empfehlen. Die 29 Treppen vom Keller bis zu unserer Wohnung laufe ich jetzt problemlos."

Quelle: RP
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