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Duisburg
Ein Kraftakt für den Arbeitsmarkt

Duisburg. Die Bundesagentur für Arbeit konnte bereits 160 Flüchtlinge vermitteln. Etliche Anlaufstellen sorgen dafür, dass sie bei der Suche unterstützt werden. Doch es gibt noch zahlreiche Hindernisse - für Flüchtlinge und Arbeitgeber. Von Jan Luhrenberg

Rund 4100 geflüchtete Menschen sind momentan auf der Suche nach Beschäftigung. Doch obwohl sie mithilfe des "Integration Point" der Arbeitsagentur die neue Sprache und Kultur lernen, ist es für viele schwierig, eine Anstellung zu finden. Auf dem Business-Talk der Agentur für Arbeit, der gestern stattfand, betonten Behörden und lokale Unternehmen, dass geflüchtete Menschen auch eine Chance für Duisburgs Arbeitgeber sind.

"Der Business-Talk soll eine Signalwirkung haben", sagt Astrid Neese, Chefin der Agentur für Arbeit in Duisburg. "Es soll deutlich werden, dass die Integration von Flüchtlingen nur in einem Netzwerk möglich und eine wichtige Aufgabe ist." Dafür sei viel Zeit und individuelle Arbeit mit Flüchtlingen, aber auch mit Arbeitgebern nötig. 160 Flüchtlinge sind nach eigenen Angaben bislang erfolgreich vermittelt worden.

"Wir sprechen erst von einer gelungenen Vermittlung, wenn eine Person in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis ist oder eine Ausbildung begonnen hat", erklärt Werner Rous. Der Geschäftsführer des jobcenter in Duisburg erkennt dabei einen positiven Trend: "Derzeit bringen wir doppelt so viele Flüchtlinge in Arbeit wie im Vorjahr." Vor allem das Handwerk würde viele integrieren. Aber auch in anderen Branchen funktioniert es: Ein geflüchteter Akademiker hat einen Job bei einer Bank erhalten.

In Duisburg haben sich mittlerweile einige Anlaufstellen gebildet, die dabei helfen, Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammenzubringen. Die IHK setzt bundesweit 170 sogenannte Willkommenslotsen ein, die als Berater für Flüchtlinge agieren. Schabene Aissa ist eine dieser Lotsen. "Ich spreche gezielt kleine und mittelständische Unternehmen an und suche für sie den passenden Kandidaten heraus", so Aissa. Wichtig sei es auch, die Unternehmen mit der anderen Kultur der Bewerber vertraut zu machen. Insgesamt hat die Willkommenslotsin bereits 200 Flüchtlinge beraten - häufigstes Thema ist die duale Ausbildung.

Viele Flüchtlinge interessieren sich für einen Beruf im Gesundheitswesen. Aus diesem Grund nimmt das BG Klinikum an dem Programm "InCoach" vom Bildungsinstitut im Gesundheitswesen (BIG) teil. Flüchtlinge gehen dabei nicht nur zur Schule. Wenn sie sich für den Beruf des Pflegers oder Mediziners interessieren, dann werden sie an das BG Klinikum verwiesen. In der Klinik absolvieren sie dann ein Praktikum. "Mit den bisherigen zwei Flüchtlingen haben wir gute Erfahrungen gemacht", berichtet Michaela Weigelt. Ab der kommenden Woche werden zwei weitere Praktikanten für vier Wochen begleitet.

Angelika Wagner vom DGB Niederrhein betont, dass die Gewerkschaft extra ein Beratungsbüro eingerichtet hat. "Wir begleiten Flüchtlinge zu Ämtern und informieren sie über die Arbeitswelt in Deutschland", sagt sie. Dieser Service werde gut angenommen. Der DGB bietet darüber hinaus mehrsprachige Unterstützung an, zum Beispiel deutsch-arabisch. "Wir versuchen stets klar zu machen, dass ein Flüchtling nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte hat", ergänzt Wagner. So soll verhindert werden, dass "schwarze Schafe" Flüchtlinge ausnutzen.

Neben der Sprache gibt es bei der Anstellung von Flüchtlingen auch rechtliche Hürden: "Unternehmen schrecken davor zurück, Flüchtlinge aufzunehmen, wenn ihnen noch die Aufenthaltsgenehmigung fehlt", so Aissa. In ländlichen Regionen sei auch die Infrastruktur ein großes Problem. Flüchtlinge sind in manchen Gebieten weniger mobil und können keine Arbeitsstelle annehmen, die vom Wohnort weiter entfernt liegt. Wohnen Flüchtlinge noch in einer Unterkunft, kommt ein weiteres Problem hinzu. "Es gibt dort kaum Orte, an denen in Ruhe gelernt werden kann", so die Willkommenslotsin.

Die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt "ist ein Kraftakt, der viel Zeit und individuelle Beratung in Anspruch nimmt ", so Astrid Neese. "Doch erst mit einer festen beruflichen Anstellung ist die volle Integration in unsere Gesellschaft abgeschlossen."

Quelle: RP
 
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