| 00.00 Uhr

Duisburg
Ein Kunstwerk für die Hoffnung

Duisburg: Ein Kunstwerk für die Hoffnung
Im Restaurierungsatelier "Die Schmiede" im Landschaftspark Nord wurde die Skulptur mit viel Handarbeit wieder hergestellt. FOTO: Stadt Duisburg
Duisburg. Die Stadtspitze freut sich darüber, dass die Skulptur "Begegnungen" an die Stadtautobahn A 59 zurückgekehrt ist. Möglich war dies unter anderem durch die finanzielle Unterstützung der Sparkasse. Von Julia Zuew

Mit offenen Armen stehen sich die Bronzeskulpturen wieder gegenüber und ragen an den Seiten der A 59 empor: Zweifellos wäre Ursula Hanke-Förster, die Schöpferin der "Begegnungen", stolz und dankbar bei diesem Anblick, der sich seit vergangener Woche auf der Berliner Brücke bietet.

Für Oberbürgermeister Sören Link sind die Skulpturen schon von Kindheit an "ein Stück Heimat", bekannte er gestern. Viele Duisburger würden ähnlich empfinden, meint gestern bei einem Pressegespräch auch Thomas Krützberg, Kulturdezernent der Stadt. Ein Aufbau an exakt derselben Stelle war nicht möglich, da die Brücke nicht mehr stabil genug ist. Deswegen wurde der Standort etwas südlicher auf den Grünstreifen verschoben. Gemeinsam mit vielen helfenden Händen und mit Unterstützung der Sparkasse Duisburg, die 10 000 Euro dazu gab, ist es der Stadt nun gelungen, ein jahrelang verschwundenes Wahrzeichen wieder ins Stadtbild einzufügen.

Nun stehen die beiden Teile der Skulptur wieder auf beiden Seiten der A 59 in Höhe des Kreuzes Duisburg. FOTO: Uwe Köppen / Stadt Duisburg

1963 wurde die Berliner Brücke von Willy Brandt, damals regierender Bürgermeister von West-Berlin, persönlich eröffnet. Die erste Plastik wurde im Juni 1964 gegossen, die zweite im Oktober. Das Kunstwerk der Berliner Bildhauerin Ursula Hanke-Förster an der Südseite der Brücke symbolisiert die Menschen im Osten und Westen jenseits der Grenze, die Deutschland damals teilte. Die Bronzeplastiken erhielten den Namen "Begegnungen" und wurden zu einem Wahrzeichen Duisburgs.

Im Laufe von 44 Jahren wurden die Sockel der Skulpturen allerdings brüchig - 2007 wurde die Doppelplastik daher abmontiert. Anschließend wurden die jeweils zirka 1,5 Tonnen schweren Figuren "eingelagert" - auf dem Gelände der Walsumer Feuerwehr, in einem Holzkasten, gefüllt mit Sand. "Wer die Skulpturen später unter freien Himmel schaffte, ist unbekannt", sagt Krützberg. "Dies ist keine Art, mit einem Kunstwerk umzugehen."

Als durch die RP-Berichterstattung bekannt wurde, dass die Skulpturen dort auf dem Hinterhof unter Gestrüpp vergammelten, habe er entschieden, alle Hebel in Bewegung zu setzen. "Wir stellten einen Finanzierungsplan auf; wir suchten nach Sponsoren; die Figuren mussten restauriert werden."

Dies geschah 2014. Für ihn sei es ein persönliches Anliegen gewesen, die Skulpturen wieder an Ort und Stelle zu bringen. Bevor es im Restaurierungsatelier "Die Schmiede" im Landschaftspark-Nord jedoch an die Instandsetzung des gesamten Werkes gehen konnte, stand ein anderer Schritt bevor. Seit Pfingsten 2008 fehlten den Figuren nämlich jeweils drei Köpfe - diese waren von Unbekannten abgeschlagen und gestohlen worden. Die Köpfe wurden nachgefertigt, dann ließen die Restauratoren das Metall auf künstliche Weise altern und setzten die Teile wieder zusammen. Danach konnten die gesamten Bronzeplastiken weiter auf Vordermann gebracht werden. Die Kosten, die bei der Restauration entstanden, wurden von der Stiftung der Sparkasse gedeckt. "Kunst in der Öffentlichkeit ist für uns ein wichtiges Anliegen", sagt dazu Dr. Joachim Bonn, Vorsitzender der Sparkasse Duisburg. "Besonders in der Lehmbruck-Stadt Duisburg", fügt er lächelnd hinzu. Die "Begegnungen" würden für ihn zu Duisburg dazugehören. Ähnlich wie die Werthmann-Kugel, "die auch auf einem Hof vergammelte" und die jetzt vor dem Sparkassen-Gebäude in der Innenstadt steht.

Die Wiederaufstellungskosten in Höhe von 7 500 Euro übernahm die Stadt. "Die Sparkasse hat mehr als den Löwenanteil der Kosten gedeckt", sagt Krützberg. "Dafür sind wir sehr dankbar." Ebenso gehe ein großer Dank an Straßen.NRW. Die Zusammenarbeit mit diesem Landesbetrieb hatte sich Krützberg komplizierter vorgestellt. Die Stadt habe aber sehr schnell grünes Licht für die Wiederaufstellung der Skulpturen erhalten.

Ursprünglich standen die stilisierten Menschengruppen an den Seiten der Fahrbahnen für die Teilung in Ost und West. Doch Krützberg findet, dass die Figuren auch eine aktuelle Aussage haben. "Heute stehen sich ebenfalls zwei Menschengruppen gegenüber", sagt er und spannt den Bogen zur aktuellen Flüchtlings-Lage. Eine Trennung sei da nicht direkt zu erkennen, jedoch: "Das Kunstwerk ist auch ein Symbol für die Willkommenskultur, die in unserer Stadt gelebt wird." Und in beiden Fällen stehe das Kunstwerk für Hoffnung - ein Gefühl, das zu Duisburg gut passe.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Ein Kunstwerk für die Hoffnung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.