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Duisburg
Ein Maler mit vielen Identitäten

Duisburg: Ein Maler mit vielen Identitäten
Bernd Koberling (79) zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Malerpersönlichkeiten Deutschlands. Jetzt stellt er 80 seiner Arbeiten im Museum Küppersmühle aus. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Das Museum Küppersmühle zeigt eine umfassende Ausstellung mit Werken von Bernd Koberling (Jahrgang 1938), der zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten Deutschlands gehört. Zu sehen sind 80 Arbeiten aus fast sechs Jahrzehnten. Von Peter Klucken

Als Walter Smerling, Direktor des Museums Küppersmühle, gestern bei der Pressevorbesichtigung Bernd Koberling bat, "mit wenigen Worten" zu erzählen, wie dieser vom Koch zum Künstler wurde, da gestand der Maler: "Mit den wenigen Worten habe ich es nicht so." Und tatsächlich sprudelt es aus Koberling nur so raus, wenn man ihn zum Erzählen auffordert. Es gibt wohl nur wenige Künstler, die so gern und anschaulich über ihr Tun erzählen wie Koberling. Gestern baute er zur Untermalung beispielsweise drei Flaschen auf ein Schreibpult auf. An diesen Flaschen lehnte er als Symbol für seine drei "Initialgemälde" drei Blätter, um den Moment zu schildern, an dem ihm klargeworden sei, dass fortan die Malerei der Mittelpunkt seines Lebens wird. Wir Journalisten konnten da nur staunen...

Bernd Koberling, am 4. November 79 Jahre alt geworden (was man angesichts seines fast jugendlichen Aussehens und Temperaments kaum glauben kann), zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten Deutschlands. Besondere Bekanntheit gelangte der Künstler in den 1980er Jahren als einer der "Väter" der sogenannten "Neuen Wilden", die mit ihrer subjektiven, wuchtigen Bildsprache gegen intellektuell und konzeptuell geprägte Kunst anmalten. Doch anders als so mancher seiner Künstlerkollegen, darunter etwa der gleichaltrige Georg Baselitz, stillte Koberling seinen "Hunger nach Bildern" nicht allein mit expressiven Menschenbildern, vielmehr blieb er seinem Lebensthema, der Landschaft, treu.

Doch sollte man sich hüten, die Kunst Koberlings in Schubladen einzuordnen. Die Ausstellung in der Küpersmühle macht mit Schlüsselwerken aus dem langen Künstlerleben vertraut. Dabei spiegelt die Unterteilung in verschiedene Künstlerräume jeweils ein Jahrzehnt wider. Zeitlich beginnt die Schau mit Fjorde- und Hüttenbildern (1963-1964), die von Reisen in die karge Natur des Polarkreises inspiriert sind. Koberling berichtete gestern von seiner ersten Lappland-Reise im Jahr 1959, die für ihn ein "großes Rauscherlebnis" gewesen sei. Gezeigt werden in der Küppersmühle auch die eigentümlich opak wirkenden "Überspannungen", bei denen auf eine bemalte Leinwand eine zweite ebenfalls bemalte Nessel-Schicht gelegt wird. Darüber spannt er dann eine semitransparente Kunststofffolie oder matt geschliffenes Glas. Die verschiedenen Farbschichten, die durchschimmern oder sich überlagern, sorgen für eine Art anziehende Distanz beim Betrachter. 1969 bis 1970 bekam Koberling ein Stipendiat an der Villa Massimo in Rom, der Ritterschlag für einen jungen Künstler. Aber genau dieses geschenkte Jahr stürzte den Künstler in eine Schaffenskrise. Damals habe er sich gefragt, welchen Sinn Malerei in einer Zeit, die von Vietnamkrieg und den Protesten dagegen geprägt war, noch haben könne. In der Küppersmühle ist ein symbolisches Bild aus jener Krisenzeit zu sehen. Es heißt "Versuch, einen Punkt zu treffen". Zu sehen ist eine geschlängelte Linie, die eine gekreuzte Markierung (den Punkt) - verfehlt.

Es ist ein ästhetischer, sinnlicher und intellektueller Genuss, die Bilder und Jahrzehnte auf sich wirken zu lassen. Weil sich Koberling weder von der abstrakten, noch der figürlichen Kunst ganz vereinnahmen ließ, wurden ihm mal "zwei Identitäten" vorgeworfen. "Wieso nur zwei", habe er damals geantwortet, "ich habe viele Identitäten."

Ausstellung bis 28. Januar. Der umfassende Katalog kostet 35 Euro. Info: www.museum-kueppersmuehle.de

Quelle: RP
 
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