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Duisburg
Ein Paradies für Stausüchtige

Duisburg: Ein Paradies für Stausüchtige
FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Wie man am schnellsten von A nach B mit dem Auto kommt, weiß das Navi. Wie man in der City aber seine Freude an langen Staus ausleben kann, das wissen wir. Von Hildegard Chudobba (Text) und Christoph Reichwein (Fotos)

Angenommen, Sie lieben es, im Stau zu stehen. Dann können wir Ihnen folgende Traum-Touren durch unsere Innenstadt anbieten:

Oben: Am Opernplatz haben Autofahrer schlechte Karten. Dazu kommen die Baustellen Karl-Lehr-Brücke, Kardinal-Galen-Straße und Friedrich-Wilhelm-Straße. FOTO: Christoph Reichwein

Von Ruhrort geht es über den Karl-Lehr-Brückenzug in Richtung City. Bekanntlich steht dort in den nächsten Jahren nur jeweils eine Fahrspur zur Verfügung, die zudem noch von den Straßenbahnen mitgenutzt wird. Der Stau ist garantiert! Wenn auf der Brücke dann auch noch ein Auffahrunfall passiert und der Verkehr dadurch zum Stehen kommt, dann ist für fünf Kilometer durchaus eine Stunde Fahrtzeit möglich.

Weiter geht es am Rathaus vorbei auf die Kardinal-Galen-Straße. Baustellenabsperrungen sorgen hier auf beiden Seiten für eingeschränkt-einspurige Straßenführung. Dank unkoordinierter Ampelschaltung und vieler verzweifelter Versuche von Autofahrern, verbotswidrig abzubiegen, steigt auch hier zu Stoßzeiten die Lust am Stau. Schade nur, dass hinter der Auffahrt auf die A59 in Richtung Süden erstmal alles vorbei ist. Aber nicht verzweifeln, um die Ecke geht es doch gleich wieder im Kriechtempo weiter! Stausüchtigen wird empfohlen, morgens von der A 59 am Bahnhof in Richtung IHK abzubiegen. Welch ein Schleich-Vergnügen! Auf der Mercatorstraße, die bekanntlich im nördlichen Abschnitt gesperrt ist, geht es so langsam vorwärts, dass sogar ein Fußgänger mit Rollator locker an der Schlange vorbeiziehen kann. Für die paar hundert Meter bis zur Kreuzung Friedrich-Wilhelm-Straße benötigen Autofahrer in guten Zeiten genau so lange wie auf einer freien A40 (ganz schlechtes Beispiel, aber das ist ein anderes Thema) von Duisburg bis nach Moers.

FOTO: Christoph Reichwein

Doch zurück in die City: Von der Mülheimer Straße geradeaus zum Rathaus? Nichts da, bis Ende kommenden Woche zumindest! Denn die Landfermannstraße ist vor dem Theater zur Zeit Duisburgs größer Sandkasten (für die Beach-Volley-Ball-Tour). Die meisten Autofahrer biegen schon vorher in die Saarstraße ab. Wenn sie stausüchtig sind, dann am besten in Richtung gesperrter Mercatorstraße, ansonsten zur anderen Seite in Richtung Kardinal-Galen-Straße. Diejenigen, die aber erst kurz vor dem Opernplatz feststellen, dass es geradeaus nicht weitergeht, haben in Sachen Staulust den Vogel abschossen. Denn sie dürfen durchs Wasserviertel bis zur Kardinal-Galen-Straße kurven, wo dann das Links- oder Rechtsabbiegen besondere autofahrerische Talente erfordert bzw. ganz viel Geduld.

Alle diese Routen sind übrigens von den Mitgliedern unserer Redaktion in den vergangenen Tagen persönlich auf ihre Staufähigkeit getestete worden. Ergebnis: So lange die Ampelschaltungen nicht auf Straßen(ab)sperrungen und Verkehrsdichte abgestimmt und Baustellen am und im Straßenraum unkoordiniert abgewickelt werden, hält dieser Zustand an.

FOTO: Christoph Reichwein
Quelle: RP
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