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Das Porträt Rudi Gall
Ein rudelloses Tier im Revier

Duisburg. Als Rüdiger Töpfer ist er Manager in einem PR-Agenturnetzwerk. Als Sänger und Songwriter trägt er den Spitznamen seines Großvaters. Von Olaf Reifegerste

Arbeit ist das halbe Leben, sagt der Volksmund. Nach dieser Devise scheint der Duisburger Rüdiger Töpfer zu leben, indem er seine Zeit in einerseits Gelderwerb und andererseits Musikmachen aufteilt. Als Rüdiger Töpfer ist er in Sachen Finanz- und Personalmanagement in einem Mülheimer Agenturnetzwerk für PR und Marketing unterwegs. In der Musik dagegen kennt man ihn als Rudi Gall oder Rü. Hier ist er Singer und Songwriter, spielt Keyboard und sämtliche E- und Konzert-Gitarren, ist Bandleader und Sounddesigner, Komponist und Arrangeur, Musikveranstalter und Musikproduzent. Doch diese Zeitaufteilung will er demnächst ändern. Dann nämlich will er sich fast ausschließlich der Musik widmen und einen Verlag mit dazugehörigem Label gründen.

Schon jetzt hat er seinen Künstlernamen gewissermaßen diversifiziert. Denn hinter Rudi Gall verbirgt sich der Kinderliedermacher ("Wenn ein Drache Schnupfen hat ..."), Brick Porter ("Songs in the Key of Swing") und Potterfeld ("Monday delusion"), der Leader der Heilig-A-Band ("Stars of Bethlehem") sowie Rü, ob solo oder mit Band. "Gall", sagt er, "war übrigens der Spitzname meines Opas, einem Deutsch-Franzosen, der leider schon Anfang der 1950er Jahre gestorben ist. Das war ein paar Jahre, bevor ich geboren wurde. Doch so lebt er in und mit mir weiter."

Gall ist ein eher ruhig auftretender Zeitgenosse, der nicht unbedingt die lauten Töne sucht - zumindest in der Kommunikation. Vielmehr tritt er als fleißiger, ausdauernder Musikarbeiter in Erscheinung. Qualität geht ihm vor Quantität, Nachdenklichkeit vor Schnellschüssen. Diese Grundhaltung findet sich auch in seinen komponierten Liedern und den dazugehörigen Texten wieder: "Denn das große Glück / Es ging, kam nie zurück", heißt es melancholisch in einer Textzeile. Dennoch: Gall ist gewiss kein Mensch, der Schwermut oder gar Depressionen verbreitet. Das in sich und in Dinge hineinhören, sei ihm wichtig. Und natürlich Beziehungen, private wie berufliche, menschliche wie musikalische. "Nicht Landschaften, sondern Menschen interessieren mich - in allen Lebenslagen", lautet seine Botschaft.

Den in Wanheim wohnenden Gall verschlägt es immer wieder und gerne nach Ruhrort. Hier fühlt er sich wohl, bekommt Inspiration für seine Kreativität. So entstand dort vor kurzem das Musikvideo "Rudelloses Tier". Dieses von Rü mit Band vorgetragene Liebeslied ist voller Kummer und Schmerz, in dem der von einer Frau Verlassene seiner traurigen Stimmung zu entfliehen versucht. "Doch der Platz ist hier / Einsam im Revier / Ein rudelloses Tier", lautet der Refrain und stellt somit "Fortschritt. Eine Hoffnung für den Pott" als auch "die Offenheit für weitere Veränderung" dar, wie es dieser Tage der Kölner Journalist Ralf Koss, alias Kees Jaratz, auf seinem "Zebrastreifenbog" formulierte. Zu sehen auf dem Video ist neben Gall auch der Maler, Musiker, Autor und Schauspieler Willi Thomczyk. Gedreht wurde überwiegend am Leinpfad, wo Gall häufig Gast sowohl der "ruhrArt-galerie" von Tatjana und Klaus Grospietsch ist, als auch der Szenekneipe "Zum Hübi", wo monatlich die mittlerweile zum Kult gewordene "HFN-Jam" stattfindet, die er einst mitbegründet hatte. Doch auch in Stadtmitte, genauer gesagt im "Clubhaus Preußen" in Duissern, ist der umtriebige Musiker aktiv. Hier hat er Anfang des Jahres quasi aus dem Nichts heraus zusammen mit "KiKi" (Kirsten) und Rainer Kirschen, den beiden Clubhaus-Betreibern, sowie Christoph Ebeling, Sänger bei der "Heilig-A-Band", ein anspruchsvolles, ansprechendes Musikprogramm auf die Beine gestellt, das sie gemeinsam veranstalten. Noch drei Konzerte bis Jahresende stehen dort an: Das nächste ist am kommenden Freitag, 23. Oktober, um 20 Uhr, bei dem der mit mehreren Preisen ausgezeichnete, renommierte englische Gitarrist und Sänger Kris Pohlmann auftritt. Aber auch als Live-Musiker tritt Gall dieses Jahr nochmals in Erscheinung: So am 28. November mit der "Heilig-A-Band" im Gemeindehaus Ruhrort sowie am 5. Dezember als "Rudi Gall und Konsorten" an gleicher Stätte auf der Dr.-Hammacher-Straße 6.

Mit der neuen Selbstständigkeit als Musikverleger im nächsten Jahr hat Rudi Gall zudem vor, aus der Kinderlieder-CD "Wenn ein Drache Schnupfen hat ..." ein Hörbuch zu machen. Denn, so drückt Gall es aus, habe er sich seine kindliche Erzählsprache bewahrt. "Wenn ich erwachsen werde", sagt er sich selbstbeschreibend, "möchte ich ein kleiner Junge sein".

Informationen unter "http://www.clubhaus-preussen.de" und Informationen zum Gemeindehaus Ruhrort - siehe hier: "http://kreativquartier-ruhrort.de".

Quelle: RP
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