| 00.00 Uhr

Duisburg
Ein Schatz zur Orientierung

Duisburg. Nikolaus Schneider, ehemals Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche in Deutschland, hielt den Festvortrag zum Jubiläum der Salvatorkirche, die vor 700 Jahren gegründet wurde. Ein Förderverein zum Erhalt der Kirche ist geplant. Von Peter Klucken

Es war gewiss keine Phrase, als Nikolaus Schneider sagte, dass er "wirklich gerne" den Festvortrag zum Jubiläum der Salvatorkirche halte. Schließlich ist der ehemalige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und ehemalige Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland gebürtiger Duisburger und war jahrelang Pfarrer in Rheinhausen. Die Salvatorkirche, deren Gründung vor genau 700 Jahren urkundlich verbürgt ist, sei ein besonderer Ort in der Stadt. Schneider drückte es so aus: "Wer sich heute auf der A40 der Stadt Duisburg nähert, sieht den Turm der Salvatorkirche schon von Ferne. Für viele Menschen - auch für mich - ein geografischer Orientierungspunkt, der aber viel mehr bedeutet, er signalisiert ein Stück Heimat."

Schneider hatte seinen Vortrag, "wie ich es in der Schule gelernt habe", übersichtlich gegliedert: in Vorbemerkungen, Hauptteil, der wiederum drei Kapitelüberschriften trug, und in einen Schluss. Das liest sich formal, hörte sich aber aus dem Munde von Schneider höchst lebendig an. Dem renommierten Kirchenmann gelang das Kunststück, die Geschichte der Duisburger Salvatorkirche lebendig werden zu lassen, dabei die Gegenwart einzubeziehen und theologische, gesellschaftspolitische, alltagsphilosophische und allgemein menschliche Gesichtspunkte einzuflechten. Zunächst zeigte sich Schneider skeptisch gegenüber einem Gebäudekult. Gottes Haus sei mehr als "diese wunderbare Salvatorkirche". Aber dieser "grundsätzliche Vorbehalt" nehme der Notwendigkeit der Errichtung und Pflege von Kirchen für das Leben der Menschen nichts - er ordne diese Notwendigkeit nur richtig ein.

Menschen, so Schneider, bräuchten Gotteshäuser, "um sich zu orientieren, um aus Traditionen Kraft zu schöpfen und um Gottes Menschenliebe zu feiern und untereinander erfahrbar zu machen". Christlicher Glaube brauche die Bindung an Traditionen. Erinnern und Gedenken seien, neben Hoffen und Lieben, "unverzichtbare Wesensäußerungen eines lebendigen und nachhaltigen Glaubens". Deshalb seien Kirchengebäude "nicht nur tote Steine". Schneider: "Die Steine erzählen vom Leben der Mütter und Väter im Glauben, von Freude und Leid, von Schuld und Neuanfang, von Trost und Vergebung." Kirchengebäude würden zu einem "Haus von lebendigen Steinen", wenn sie Traditionen lebendig halten und "uns so Wurzeln und Orientierung für unsere Gegenwart schenken". Die Salvatorkirche sei ein solcher Ort.

Schneider skizzierte kurz Merkdaten aus der Geschichte der Salvatorkirche, darunter die Erste Reformierte Generalsynode am Niederhein im Jahr 1610, deren Beschlüsse bis heute die evangelische Kirche prägen. Er erinnerte auch daran, dass nach dem Loveparade-Unglück die Salvatorkirche der Ort war, in der Trauernde und Mitfühlende zusammenkamen. Zusammenfassend sagte Schneider: "Die Salvatorkirche ist ein Ort guter Nachbarschaft und praktischer Nächstenliebe. Hier kommen grundlegende Bedürfnisse der Menschen zur Sprache. In Musik und Predigt wird Gottes Menschenliebe gefeiert. Die Kirche bietet der gesamten Bürgerschaft Raum zum Bedenken zentraler Fragen unserer Zeit. Auch dadurch wird Duisburg zu einer menschenfreundlichen Stadt - mit der Salvatorkirche in ihrem Herzen."

Als "Zeichen der guten Nachbarschaft" sprach Oberbürgermeister Sören Link ein Grußwort ("Wir brauchen diese Kirche in Duisburg"); der Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Duisburg, Jörg Hoffmann, begrüßte die Gäste und Ehrengäste.

Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Duisburg, Pfarrer Armin Schneider, hob ebenfalls die besondere Bedeutung der Salvatorkirche für die gesamte Stadt hervor und zitierte dabei seinen Namenskollegen Nikolaus Schneider mit den Worten: "Die Salvatorkirche ist ein Schatz." Armin Schneider wies auf den Plan hin, einen bürgerschaftlichen Förderverein zu gründen.

Für die musikalische Gestaltung des Festaktes war Salvatorkantor Marcus Strümpe verantwortlich. Es musizierten Mitglieder der Duisburger Philharmoniker. Es sang die Sopranistin Stamatia Gerothanasi. Der Beifall war so groß wie nach einem gelungenen großen Konzert.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Ein Schatz zur Orientierung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.