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Duisburg
Ein Schriftsteller als Fallensteller

Duisburg. Saa Staniiæ las aus seinem aktuellen Erzählband in Ruhrort. Von Olaf Reifegerste

Lag es an der Einmaligkeit oder am Besuch des Shootingstar-Autors Saa Staniiæ, der seinen Erzählband "Fallensteller" vorstellte, oder an beidem, dass es ein rappelvolles Lokal Harmonie am Donnerstag in Ruhrort gab? Wie auch immer: Veranstalter, Autor und Publikum unterhielten sich gleichsam wortwörtlich wie auch metaphorisch vorzüglich über und durch die wortwitzig-dargebotene Schrift- und Fallenstellerei.

Nach kurzen Einführungsworten von Literaturbüro-Leiter Gerd Herholz setzte sich der 1978 in Bosnien geborene, 1992 infolge des Bosnienkrieges über Heidelberg geflüchtete und ausgereiste später nach Hamburg gezogene Staniiæ an den vorbereiteten kleinen Lesetisch im Lokal. Diese Welt, das spürt man, ist seine Bühne. Er liest seine Texte nicht vor, er ist seine Figuren und lebt sie (aus). Das macht er gestisch, stimmlich und ein wenig spielerisch - und kommt super beim Publikum an.

Er sei das erste Mal in Duisburg, wie er sagt. "Und ...?", raunte fragend das Publikum. "Ich komme wieder", antwortete er prompt. Er passe die Dramaturgie seiner Lesungen, wie er betont, immer den jeweiligen Gegebenheiten an, sei es von der Auswahl der Kapitel her oder auch durch leichtes Hinzufügen örtlichen Lokalkolorits. Dafür benutze er eine eigene "Lesetournee"-Ausgabe vom "Fallensteller"-Buch, die ein Unikat sei und die es in dieser Form nicht zu kaufen gebe, wie er die RP auf Nachfrage wissen ließ. Zwölf Geschichten beinhaltet sein Erzählband insgesamt, von denen einige als Fragmente oder frühe Fassungen in der Süddeutschen Zeitung, in Anthologien oder auf Zeit-Online bereits erschienen sind. Drei Kapitel davon las er teils gekürzt, teils Ad hoc- beziehungsweise aus dem Stegreif kommentierend in der Ruhrorter Location: das Kapitel "Billard Kasatschok" (genau passend in das Lokal Harmonie), das Kapitel mit dem wortakrobatischen Titel "Die immens schönen tragischen blöden glückseligen deutschen Flüsse" (das am Rhein spielt) und die Titel gebende Erzählung "Fallensteller", einer Geschichte aus dem fiktiven Fürstenfelde in der Uckermark, wo schon sein zweiter Roman "Vor dem Fest" verortet ist.

Abschließender Tenor des Abends war übereinstimmend: Bitte mehr von Staniiæ in Duisburg!

Quelle: RP
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