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Duisburg
Ein Stresstest für die Infrastruktur

Duisburg: Ein Stresstest für die Infrastruktur
Gestern Abend: IHK-Präsident Burkhard Landers im Theater am Marientor bei der Begrüßung der Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sowie gesellschaftlicher Institutionen aus dem gesamten Kammerbezirk. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Duisburg. Beim IHK-Neujahrsempfang sprach Präsident Burkhard Landers gestern Abend von einigen Risiken, die die heute noch gute Grundstimmung der Wirtschaft am Niederrhein deutlich einzutrüben drohen. Von Hildegard Chudobba

Nicht oft ist das Theater am Marientor so gut gefüllt wie beim Neujahrsempfang der IHK. Auch gestern waren es mehr als 900 geladene Gäste, die ihr Kommen zugesagt hatten und sich von Kammerpräsident Burkhard Landers auf die Herausforderungen in diesem und im kommenden Jahr einstimmen ließen.

"Der Niederrhein ist insgesamt in guter Form", verbreitete Landers zunächst positive Stimmung. "Doch die Unternehmen werden zunehmend von Sorgen getrieben", schränkte er sogleich ein und nannte hier hohe Energiekosten, schlechte Straßen, Brücken und Schleusen sowie steigende kommunale Abgaben und fehlende Gewerbeflächen. "Die Firmen kalkulieren das betriebswirtschaftliche Risiko von Lieferengpässen und Transportverzögerungen und bewerten auf dieser Basis die Perspektiven ihres Standortes", so Landers.

Ein ähnliches Schicksal wie der Autobahnbrücke bei Leverkusen drohe auch der A 40-Rheinbrücke bei Neuenkamp. Um die Folgen deutlich zu machen, habe die IHK einen Stresstest für die Infrastruktur vorgeschlagen. Eine Computer-Simulation werde zeigen, welche Folge eine dauerhafte Sperrung dieses Brückenzuges habe, aber auch, was es bedeute, wenn eine der wichtigen Schleusen für längere Zeit ausfalle. "Die Resultate dürften alles andere als erfreulich sein", griff Landers gestern dem Ergebnis voraus. Doch dieser Stresstest könne deutlich machen, wo der Handlungsbedarf am größten sei. "Nur so können wir eine Vorstellung davon entwickeln, was wir im Notfall zu unternehmen haben."

Kritisch verfolgt der IHK-Präsident die laufenden Prozesse der Energiewende, die gelingen müsse. Das sei aber nur im Konsens mit der Wirtschaft möglich. "Es geht um tausende von Arbeitsplätzen, es geht um die Zukunft der Industrie und unserer Energiewirtschaft", rief er seinen Zuhörern zu. Ein "Raus" aus der fossilen Energiewirtschaft dürfe es nicht geben. Energiekonzepte müssten auf EU-Ebene und nicht allein auf Länderebene entwickelt werden und klare und faire Rahmenbedingungen setzen. Ansonsten drohe die Gefahr, dass "wir unsere Energie-Unternehmen sehenden Auges in den Ruin treiben, unserer Industrie ihre Grundlage entziehen und so ins Ausland drängen".

Kritisch beurteilte Landers die jüngsten kommunalen Steuer- und Gebührenanstiege. In Duisburg sei der Grundsteuerhebesatz in nur fünf Jahren fast verdoppelt worden, in Moers sei er innerhalb eines Jahres um 50 Prozent gestiegen.

"Inzwischen liegen wir am Niederrhein fast doppelt so hoch wie unsere Nachbarstädte Düsseldorf und Krefeld." Der reflexartige Griff der Kommunen in die Taschen der Bürger und Unternehmer sei das völlig falsche Signal. Dauerhafte Haushaltskonsolidierung könne nur durch echte Sparmaßnahmen gelingen. Landers forderte weiter, in NRW mehr Gewerbeflächen auszuweisen. Brachliegende Industrieflächen würden hier nicht helfen, weil sie in der Regel nicht ohne Weiteres erschließbar und somit für Investitionen ungeeignet seien. Er forderte ebenfalls mehr Anstrengungen, um dem Fachkräftemangel begegnen zu können. Heute würden mehr junge Menschen ins Studium als in eine Ausbildung gehen. "Aber viele Kfz-Mechatroniker verdienen heute schon deutlich mehr als Architekten oder Sozialpädagogen." Das sei nicht bekannt genug. In den Schulen müsse noch mehr für berufliche Ausbildung geworben werden. Die in Duisburg laufende Kooperation von zwölf Schulen und 80 Betrieben sei hier beispielhaft.

Landers kündigte eine Initiative der IHK zur Stärkung des Innenstadthandels an und eine Diskussion über die Frage, wie sich der Wirtschaftsstandort im digitalen Zeitalter aufstellen solle. Die gerade gewählte Vollversammlung werde ein "Handlungsprogramm 2020" erarbeiten, und "für Duisburg stoßen wir gemeinsam mit dem Unternehmerverband im Februar einen Masterplan Wirtschaft an".

Quelle: RP
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