| 00.00 Uhr

Duisburg
Ein Vorbild für ganz Deutschland

Duisburg: Ein Vorbild für ganz Deutschland
In der Schneiderei hingegen entstehen die Stücke für eine eigene Modelinie. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Die RP hat die neuen Räume der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Großenbaum besucht. Von Julia Zuew

Hell und einladend wirken die neuen Räume der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) in Großenbaum. Von viel Licht durchflutet, mit hohen Decken und schlichten Farben. "Das Gebäude ist komplett barrierefrei", erklärt Geschäftsführerin Roselyne Rogg. Keine Schwellen, ein großer Aufzug, Türen mit tiefer angesetzten Türklinken und breite Flure stellen sicher, dass auch motorisch stark eingeschränkte Menschen sich hier frei bewegen können.

Nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in ganz Deutschland blicke man nun auf das Zentrum als ein Vorbild. "Und nicht nur wegen der Gestaltung der Räume", sagt Rogg. "Auch die Projekte, die wir hier mit den Beschäftigten machen, sorgen für viel Anerkennung und Lob." Die Menschen mit geistiger oder psychischer Einschränkung, die hier arbeiten, werden "Beschäftigte" genannt, die Betreuer "Gruppenleiter". Die Beschäftigten sollen sich in den Werkstätten wohlfühlen, trotzdem sollen die Räume Ruhe ausstrahlen. Deshalb wurde bei der Planung auf ein Zusammenspiel aus Beton, weißen Decken und großen Fenstern gesetzt. Die Träger unter den schalldämpfenden Deckenbelägen sind aus Holz: "Es strahlt Wärme aus und lässt den Raum freundlicher wirken," so Rogg.

In der ersten Etage befinden sich die Arbeitsräume, einige Lagerräume und eine Großküche. Im oberen Geschoss sind überwiegend Büroräume eingerichtet. Wie bereits berichtet, war noch während der Bauarbeiten die Küche ein geplantes Highlight des neuen Gebäudes. "Wir können in der Küche täglich 1200 bis 1500 Essen herstellen", sagt Küchenchef Thomas Hilgert. Zusammen mit den Architekten habe Hilgert den Gebäudeabschnitt und die Innenausstattung der Großküche geplant. "Das EU-Zertifikat erhielt die Küche beim ersten Versuch", berichtet Rogg.

Lammbraten, Lachs mit Gorgonzola-Soße, frisch gebackenes Brot, aber auch vegetarische Menüs stehen hier auf dem Speiseplan. Direkt neben dem Haupteingang gibt es ein Restaurant und einen Kiosk. Der Kiosk wird im Januar in Betrieb gehen und Gästen Frühstück und andere kleine Mahlzeiten neben dem Restaurant-Menü anbieten. "Wir kochen mit regionalen Zutaten und stellen das Essen auch saisonal zusammen", so Hilgert. Die WfbM bietet aber weit mehr an: So gibt es auch eine Wäscherei, in der verschiedene Unternehmen, aber auch Privatkunden ihre Kleider abgeben können.

Die Ausstattung ist neu und sehr professionell - inklusive einer Bügelmaschine für Hemden. In der Schneiderei hingegen entstehen die Stücke für eine eigene Modelinie. "esthétique" heißt die Marke der WfbM. "Für die Mode haben wir professionelle Designer beantragt", berichtet Rogg. "Jungdesigner aus verschiedenen Ländern haben daran gearbeitet." Mit einer spektakulären Modeschau in der Gebläsehalle im Landschaftspark wurden dann die neuen Stücke auf einem echten Laufsteg präsentiert. Die Models: Beschäftigte, die von Profis gecoacht wurden und "wie bei Claudia Schiffer die Mode mit Körpersprache und allem, was dazugehört, präsentierten". Die Kleider werden nun in ausgewählten Boutiquen verkauft. "Uns ist Nachhaltigkeit sehr wichtig," sagt Rogg. "Wir achten darauf, dass die Stoffe nicht mit Kinderarbeit hergestellt werden und dass faire Löhne bezahlt werden."

Auch eine Töpferei findet Platz im Erdgeschoss des Gebäudes. Die Produkte wurden von Designern entwickelt und werden in der Werkstatt produziert. Geschirr und Dekorationen entstehen hier und wandern anschließend in die Auslagen der Ladengalerie "Ars Vivendi" an der Tonhallenstraße.

Es sieht nach einem guten Auftakt für das neue Zuhause der WfbM aus. Schon jetzt häufen sich die Aufträge externer Unternehmen. "Wir müssen bedenken, dass wir beim Wachstum auch Rücksicht auf die Menschen hier nehmen müssen", betont Thomas Geerts, Betriebsleiter und Sportbeauftragter des WfbM. Das hieße auch, manchen Auftrag abzulehnen. "Das Wachstum muss stetig sein", erklärt Geerts.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Ein Vorbild für ganz Deutschland


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.