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Duisburg
Ein Weg zu neuen Straßenbahnen

Duisburg. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat für den geplanten RRX eine Regelung getroffen, die sich auf den Schienennahverkehr in Duisburg übertragen ließe. Von Hildegard Chudobba

Bekanntlich muss die DVG dringend neue Bahnen haben. Ebenso bekannt: Die dafür zuständige Stadt Duisburg hat kein Geld. Das Problem: Der schienengebundene Nahverkehr wird nicht dadurch attraktiver, dass alte Bahnen zur Generalüberholung aus dem Verkehr gezogen werden oder wegen Defekten ausfallen. Die Situation ist der Stadt und der Ratspolitik hinlänglich bekannt. Und seit Monaten wird nach Lösungen gesucht, wie die Neuanschaffung finanziert werden könnte.

Viele Ideen sind schon produziert und verworfen worden. Für eine, die Chancen hat, zur Reife gebracht zu werden, könnten die Planungen im Zusammenhang mit dem neuen RRX Vorbild sein, der schnellen Zugverbindung durchs Ruhrgebiet. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) wird bekanntlich Eigentümer der neuen Züge sein, die er dem betreibenden englischen Verkehrsunternehmen zur Verfügung stellt. Siemens wird die Fahrzeuge bauen und garantieren, dass immer genug im Einsatz sein werden. Der VRR wird bezahlen und sich das Geld über seine Einnahmen (aus dem Ticketverkauf) zurückholen.

Übertragen auf Duisburgs Straßenbahnverkehr könnte die Lösung so aussehen, dass der VRR die benötigten Fahrzeuge anschafft, die von DVG-Personal gesteuert werden. Der Hersteller der Bahnen (oder auch die DVG) übernimmt die Wartung. Die Stadt wiederum garantiert dem VRR, dass sie pünktlich und zuverlässig für die Bereitstellung der Bahnen den vereinbarten Betrag überweist.

Zuletzt war die Rede davon, dass jeder einzelne neue Straßenbahnzug rund 3,5 Millionen Euro kostet. Benötigt werden bis zu 60 Fahrzeuge. Zumindest stehen der DVG derzeit (wegen der Reparaturen allerdings nur theoretisch) 40 so genannte Niederflurbahnen zur Verfügung und 20 weitere, die auf der Linie nach Düsseldorf im Einsatz sind. Für die laufende Generalüberholung wird pro Bahn mit rund 500 000 Euro kalkuliert. Wie viele Straßenbahnen die DVG auf Sicht benötigt, hängt vor allem von den Inhalten eines neuen Nahverkehrsplanes ab, den der Stadtrat beschließen muss. Zwar gibt es keine Überlegungen, Straßenbahnlinien aufzugeben. Aber denkbar ist, dass die Fahrtakte verändert werden. Das kann zur Folge haben, dass mehr Schienenfahrzeuge als heute im Einsatz sein müssen (bei engeren Taktung), aber auch genau das Gegenteil (wenn die Bahnen pro Stunde und Tag seltener fahren). Würde die DVG, die Stadt und der Verkehrsverbund eine derartige Regelung für die Neuanschaffung von Fahrzeugen vereinbaren, hätte dies mit Sicherheit Auswirkungen auf die gesamte VRR-Region. Denn nicht nur die DVG, sondern auch die anderen Verkehrsbetriebe im Ruhrgebiet haben das Problem der überalterten Fahrzeugparks. Für sie (und auch für die DVG) wäre es kein Nachteil, wenn der VRR quasi einen Fahrzeugpool aufbauen würden, in dem sich die Verkehrsbetriebe nach Bedarf und Notwendigkeit "bedienen" können. Doch das würde voraussetzen, dass sich die einzelnen Unternehmen im Ruhrgebiet von ihrem teils noch ausgeprägten Kirchturmdenken verabschieden und statt lokal dann regional ihren Nahverkehr planen.

Wie schwer das allerdings ist, zeigt sich heute schon bei VIA, dem Gemeinschaftsunternehmen der Verkehrsbetriebe aus Essen, Mülheim und Duisburg. Bei dem läuft es bekanntlich alles andere als optimal.

Quelle: RP
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