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Rp-Thema Schutz in der Urlaubszeit
Einbrechern das Leben schwer machen

So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern
So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Duisburg. Wer sich sicher vor einem Einbruch schützen will, sollte auf den Rat vom Fachmann vertrauen. Denn oft sind scheinbar sichere Vorkehrungen für die Täter gar kein echtes Hindernis. Ein Experte gibt Tipps. Von Hildegard Chudobba

Ob Wohnungsmieter oder Villenbesitzer - steht die Urlaubsreise an, wächst die Angst, dass während der Abwesenheit Einbrecher in den eigenen vier Wänden ihr Unwesen treiben könnten. Für Uwe Gärtner, seit wenigen Wochen pensioniert, hat jahrelang der Einbruchschutz im Mittelpunkt seiner polizeilichen Tätigkeit gestanden. Unzählige Tatorte hat er gesehen, und mit gleichfalls unzähligen Opfern hat er über die Tat und über Maßnahmen gesprochen, wie sich Eigentum besser schützen lässt. Wenn heute 40 Prozent aller Einbrüche in Duisburg von den Täter erfolglos abgebrochen werden, "dann ist das auch das Ergebnis von entsprechenden Sicherungsmaßnahmen", sagt er.

Die Täter, so seine Erfahrungen, legen keinen Wert auf Konfrontation. Sie dringen in das Objekt ihrer Begierde ein, klauen, was sie schnell greifen können (Geld und Schmuck) und verschwinden. Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer und Bad - das sind die Räume, in denen sie meist zurecht Wertsachen vermuten. Dass sie vorher tagelang ein Objekt ausspionieren, sei eher ungewöhnlich, und dass sie Teil von überall operierenden Banden sind, nicht selten. Zum Wertverlust komme für die meisten Opfer das Trauma, dass Fremde in die intimsten Winkel des sicheren Heims geschaut und ihre Finger überall reingesteckt haben. Sehr oft hat es Gärtner erlebt, dass die Bestohlenen Hilfe von Therapeuten benötigten, um mit ihrer Wut, ihrer Angst und mit den Ekelgefühlen klar zu kommen.

Der 62-Jährige hat keine Patentrezepte gegen Wohnungseinbruch. "Denn die gibt es nicht." Jeder habe aber die Möglichkeit, Fenster, Türen und Kellerschächte so sichern, dass dem Einbrecher die Arbeit erschwert wird. In jedem Fall sollte der Kunde Sicherungssysteme kaufen, die geprüft und zertifiziert sind und den Einbau vom Fachmann vornehmen lassen.

Schieben Sie Einbrechern den Riegel vor FOTO: GDV, gms

Welcher Händler dafür empfohlen werden kann, ist auf der Internetseite des Landeskriminalamtes nachzulesen. Außerdem gibt die Duisburger Polizei Tipps und Ratschläge vor Ott, dazu informiert man sich am besten über die Rufnummer 0203 280 4761 oder -62 oder -63. Wer sich bislang darüber noch keine Gedanken gemacht hat, in wenigen Tagen in Ferien fährt, "der braucht damit jetzt auch nicht mehr anzufangen. Er sollte seine Wertsachen am bestens in ein Bankschließfach bringen." Denn mal eben potenziellen Tätern im wahrsten Sinne des Wortes einen Riegel vorschieben, das funktioniert meist nicht. Guter Einbruchschutz setzt gute Beratung und Planung voraus.

Darum wertet er seine Tipps auch nur mit Einschränkungen:

Kann helfen: Bewohnt aussehen

Ein Haus oder eine Wohnung, die bewohnt aussieht, wirkt auf Einbrecher wenig einladend. Wer kann, sollte seinen Nachbarn bitten, während seiner Abwesenheit die Post hereinzuholen, damit der Briefkasten nicht überquillt, im Garten zum Beispiel mal den Wassersprenger anzudrehen oder den Rasen zu mähen.

Hilft nicht: Rolläden runter

Viele glauben, dass heruntergelassene Rolläden dem Einbrecher die Arbeit schwerer machen. Stimmt meistens nicht, weiß Uwe Gärtner.

Die Täter rissen die Außenjalousien einfach aus der Verankerung, was meist ohne großen Krach oder Aufwand möglich ist. Auch Mehrfachverglasung allein ist kein Allheilmittel.

Der Täter schlägt einfach das Fenster ein, auch wenn es Krach machen sollte. Wirkungsvoller gegen Einschlagen sind Doppelscheiben, die zusätzlich miteinander verklebt sind.

Kann helfen: Licht an und aus

Zeitschaltuhren regeln, dass Lampen im Haus auch dann eingeschaltet sind, wenn keiner zu Hause ist. Dazu sollte man versuchen, die Lichter so einzuschalten, als wäre tatsächlich jemand zu Haus. Allerdings kommen Einbrecher eher am Tag als in der Nacht.

Hilft nicht: Nur Licht an

Wirkt die Beleuchtung "bewegungslos", wird sich der Täter durch Schellen an der Türe versichern, dass keiner da ist. Denn auch Einbrecher kennen den Trick mit den Zeitschaltuhren.

Kann helfen: Fenster vom Fachmann

Abschließbare Fenstergriffe allein sind genau so wirkungslos wie Fenster, die sich mit einem Schraubenzieher in Sekundenschnelle aufhebeln lassen. Wer neu baut, sollte schon vor der Auftragsvergabe einen Fachmann hinzuziehen und mit ihm genau absprechen, welche Mechaniken in Türen und und Fenster eingebaut sein sollten und wo im Haus ein Tresor vermauert stehen kann, der sich nicht ohne weiteres herausreißen lässt. "Wer seine vorhandene Immobilie schützen will, sollte Fachleute einschalten und sich bescheinigen lassen, welche Sicherungsklasse eingebaut wurde", rät Gärtner.

Hilft eher nicht: Sicherungssysteme falsch eingebaut

Für die Heimwerker gibt es im Baumarkt ein breites Angebot an Fenster- Tür- und Kellerschacht-Sicherungssystemen. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, muss sich allerdings bestens auskennen. Denn oft versprechen diese Bauteile mehr als sie halten, zumal dann, wenn man sich nicht genau an die Einbauanleitungen hält. Wer beispielsweise die Fliegengitter vor dem Kellerfenster von innen nur durch Schlösser sichert, der erreicht wenig. Der Täter wird das Gitter einfach zu Seite biegen, hat Gärtner oft genug gesehen.

Kann helfen: Meldeanlagen

Einbruchmeldeanlagen sind wirkungsvoll. Sie schlagen Alarm, wenn unbefugte in die Immobilie eindringen. Ihr Einbau sollte von Fachleuten vorgenommen werden. Und diese Anlagen sind nicht ganz preiswert. 2500 oder 3000 Euro sind dafür schnell zu berappen.

Hilft nicht: Fehlalarme

Akustische Meldeanlagen, die nicht richtig eingestellt sind, verfehlen allerdings ihre Wirkung. Löst der Alarm fehlerhaft aus, so wird sich spätestens nach dem dritten Mal der Besitzer fragen, ob er sie nicht besser abstellt, beziehungsweise werden die aufmerksam gewordenen Nachbarn denken, dass wohl wieder nur ein Fehlarm ausgelöst wurde. Außerdem: Zieht ein Fehlalarm einen Polizeieinsatz nach sich, muss der Besitzer der Anlage auch noch für den Einsatz der Beamten bezahlen.

Kann helfen: Vom Fachmann eingebaute Tresore

In Tresoren lassen sich Schmuck, Münzen und andere nicht-sperrig Wertsachen sicher verschließen. Optimal, wenn der Geldschrank gleich beim Hausbau fest mit dem Mauerwerk verbunden wird. Tresore lassen sich aber auch nachträglich einsetzen, wobei auch hier der Fachmann meist am besten weiß, wie sie sicher angebracht werden.

Hilft nicht: "Lose" Tresor im Kleiderschrank

Steht der Tresor im Kleiderchrank oder ist so in eine Nische in der Wand eingelassen, dass er mit zwei, drei Hebelbewegungen herausgeholt werden kann, hat sich die Investition nicht gelohnt. Auch Geldschränke, die zwar schwer, aber immer noch leicht genug sind, um von zwei oder drei kräftigen Kerlen aus dem Haus getragen zu werden, erfüllen ihre Aufgabe am Ende doch nicht.

Und noch einen Hinweis gibt Uwe Gärtner: Wer zu Hause von Einbrechern überrascht wird, sollte sich in Sicherheit bringen und dem Täter signalisieren, dass die Polizei bereits verständigt ist. Selbst mit einer Waffe auf ihn loszugehen - davon hält der Polizist im Ruhestand gar nichts.

Anders als in den Vereinigten Staaten dürfe man hier sein Hab und Gut nicht um jeden Preis verteidigen. Im Gegenteil: "Wenn Sie die Mauer um ihren Garten mit Stacheldraht sichern, der Einbrecher greift hinein und verletzt sich, dann werden Sie dafür auch noch zur Rechenschaft gezogen."

Quelle: RP
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