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Duisburg
Eine filigrane Band gibt auf der Bühne Gas

Duisburg. Es ist eine ungewöhnliche Jazz-Formation, die zur Zeit auf Tour ist und am Samstag im Duisburger Hof gastierte: Die "Swingin' Ladies + 2" erhielten für ihr Konzert in der Reihe "Jazz live" von Bernd Albani am Ende stehende Ovationen. Die Lady-Bassistin und Sängerin Nicki Parrott, Pianistin Stephanie Trick, Engelbert Wrobel (Klarinette und Saxophon) sowie Pianist Paolo Alderighi produzierten im vergangenen Jahr die CD "From Joplin to Jobim" und sind zur Zeit auf Tournee. Von Alfons Winterseel

Zwei Pianisten in einem Ensemble sind schon ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher: Sie spielen zeitweise vierhändig - und wie. Eigentlich, so erklärt Engelbert Wrobel, gibt es im Jazz keine Kompositionen für vierhändiges Klavierspiel. Das Musiker-Ehepaar Stephanie Tricks und Paolo Alderighi setzt sich darüber hinweg, spielt gemeinsam oder solo im Stil des Stride Piano Ragtime, Blues oder Boogie Woogie. Spielen sie gemeinsam, kann das gerne auch mit viel Bewegung auf der Bühne einhergehen, denn bei einige Passagen wechseln sie die Sitzpositionen nach nur zwei Takten, und das in perfektem Timing.

Rhythmisch getragen werden viele Stücke von Bassistin Nicki Parrott, ein Energiebündel mit einer zauberhaften Stimme. Die in Australien geborene Musikerin lernte zunächst Klavier und Flöte bevor sie mit 15 Jahren zum Bass wechselte. Sie studierte Jazz, spielte und tourte in Australien, kam 1994 nach New York und spielte dort unter anderem mit dem Les Paul Trio.

Für die Proben und die Produktion der CD "From Joplin to Jobim" blieben dem Quartett zwischen den jeweils eigenen Engagements nur wenige Tage Zeit, erinnert sich Engelbert Wrobel, dessen Spiel sich durch brillante Technik auszeichnet und dessen Herz für den klassischen Swing schlägt. Was bei dem Quartett wie die "Leichtigkeit des Seins" erscheint, ist das Ergebnis jahrelanger Bühnenerfahrung, raffinierten Arrangements und perfekter Beherrschung der Instrumente. "Wir sind eine filigrane Band, die Gas geben kann!", sagt Wrobel.

Alle vier kennen sich schon aus der Zusammenarbeit in anderen Jazz-Formationen. Für die CD spielten sie Klassiker wie "Blueberry Hill", "September Song", "Bei mir bist Du schön" ein, setzen aber auch eigene Ideen um wie den "Swingin' Ladies Boogie" und Engelbert Wrobels Hommage an seine Katze "Willie el gato" und arrangierten ein Medley von Antonio Carlos Jobim (u.a. "The Girl from Ipanema"). Eine hörenswerte CD und ein besuchenswertes Konzert.

Quelle: RP
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