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Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Eine Glanzstätte des Wirtschaftswunders

Duisburg. Vor 60 Jahren herrschte in Duisburg nahezu Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote betrug 1956 nur 1,3 Prozent. Von Harald Küst

Wer Duisburg in den 50er Jahren besuchte, erlebte eine geschäftige Großstadt. Im größten Binnenhafen Europas herrschte Hochbetrieb, Waren aus aller Welt wurden entladen und deutsche Produkte in alle Welt exportiert. Der starke Nachholbedarf der Verbraucher an Konsumgütern befeuerte die Binnennachfrage. Die Betriebe investierten in neue Produktionsanlagen. Davon profitierte auch der heimische Arbeitsmarkt.

Arbeitsamtschef Triebel konnte 1956 ein positives Bild der Lage auf dem Arbeitsmarkt zeichnen: Die Beschäftigtenzahl war auf circa 200.000 gestiegen. 2741 Menschen waren arbeitslos; das entsprach einer Arbeitslosenquote von 1,3 Prozent - deutlich niedriger als im Land oder im Bund. Die Zahl der Arbeitslosen befand sich weiter auf dem Sinkflug. Die Nachfrage nach Arbeitskräften konnte mit der Zuwanderung der Ostflüchtlinge aus dem Gebiet der "Ostzone" und den Rückkehrern aus der Kriegsgefangenschaft befriedigt werden. Trotzdem herrschte noch Skepsis beim Behördenleiter. "Die Aufgabe besteht vornehmlich darin, Betriebe in Duisburg anzusiedeln, die geeignet sind, den schwerindustriellen Charakter unserer Wirtschaft aufzulockern", empfahl Triebel dem Verwaltungsausschuss.

Strukturprobleme sah er auch in der zu geringen Zahl an Frauenarbeitsplätzen. Das Arbeitsamt Duisburg hatte damals Mühe, die Kräfteanforderungen der Betriebe zu erfüllen. Über 4000 offene Stellen zählten die Statistiker. Fachkräfte wie Dreher, Fräser und Schweißer wurden händeringend gesucht. Das Arbeitsamt Duisburg reagierte mit Umschulungsmaßnahmen und Einarbeitungszuschüssen, um den Bedarf der Wirtschaft zu befriedigen. Wegen des hohen Auftragsbestandes mussten bereits einige Betriebe Doppel- oder Dreifachschichten fahren. Kohle und Stahl waren die dominierenden Leitbranchen.

Das Einkommensniveau stieg. Die Duisburger Betriebe zahlten nicht schlecht. Löhne und Gehälter lagen 1955 durchschnittlich bei 475,33 DM je Beschäftigten. Der Bundeswert war mit 373,34 DM deutlich niedriger. Die Monatsmiete für eine Neubauwohnung lag bei 48,68 DM. Die Gewerkschaften nutzten ihre verbesserte Verhandlungsposition, um Lohnsteigerungen auszuhandeln.

In Verbindung mit der schnell wachsenden Duisburger Bevölkerung (1946: 357.570; 1950: 410.783; 1953: 453.311; 1955: 476.523) erhöhte sich die Konsumnachfrage, und der Einzelhandel entwickelte sich zu einer weiteren Wachstumsbranche. Der riesige Nachholbedarf konzentrierte sich zu Beginn der 50er Jahre auf Bekleidung, Hausrat, Möbel, Teppiche und Radiogeräte. Erst Ende der 50er folgten Kühlschrank, Waschmaschine, Musiktruhe und Fernsehapparate.

Damals kamen die ersten Selbstbedienungsläden auf, die den Strukturwandel des Duisburger Einzelhandels einläuteten. Es ist die Zeit der großen Kaufhäuser, die in der Innenstadt mit Neubauten das konsumfreudige Publikum anlockten. So war das 1954 errichtete Kaufhaus "Defaka" mit zwei integrierten Lichtspielhäusern in der Stadtmitte bei der Duisburger Bevölkerung sehr beliebt.

Da die Gehälter stiegen, blieb oft noch Geld für eine Kinokarte übrig, z.B. für den Besuch des "Europa-Palastes", der über stattliche 1220 Sitzplätze verfügte. Ein Kinobesuch war Vergnügen pur, ein Ausflug in die große weite Welt. Der Neubau des Lichtspieltheaters erweiterte Duisburgs aufblühende Kinolandschaft. Es zog die Menschen in den schönsten Stunden der Freizeit in die Lichtspielhäuser, um Filme wie "Die Sünderin" oder "Die Wüste lebt" zu sehen.

Wer die Straße überquerte, musste sich in Acht nehmen, denn der Verkehr nahm rapide zu. 12.898 Pkw und 12.276 Krafträder zählten die Statistiker.

Das Ende des Wirtschaftswunders wird unterschiedlich datiert - zur ersten Rezession der Nachkriegsgeschichte in den Jahren 1966/67 oder zur ersten Ölkrise 1973.

Egal, wie man den Zeitpunkt definiert: Damals ahnten nur wenige, dass Duisburg, die Glanzstätte des Wirtschaftswunders, in schwieriges Fahrwasser geraten würde.

Quelle: RP
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