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Duisburg
Eine Hose für 1,50 im "Café Klamotte"

Duisburg: Eine Hose für 1,50 im "Café Klamotte"
Auf 130 Quadratmetern bietet das Café gut erhaltene, gebrauchte Kleidung, aber auch einen Kaffee und ein offenes Ohr für die Besucher an. FOTO: Breuer
Duisburg. Das gestern eröffnete "Café Klamotte" in Rheinhausen bietet günstige Kleidung für Bedürftige und soll helfen, Schwellenängste abzubauen. Von Christian Breuer

Genau zwei Minuten dauert es nach der Eröffnung um 10 Uhr, bis das erste Mal die Kasse klingelt. Eine ältere Dame legt fünf Euro auf den Verkaufstresen, bekommt einen prall mit Kleidung gefüllten Jutebeutel zurück. Und sogar noch Wechselgeld, denn alles zusammen kostet nur 3,50. Die Verkäuferin strahlt ihre erste Kundin an: "Empfehlen Sie uns weiter", die Dame nickt: "Das werde ich." Fast geht diese Szene im allgemeinen Trubel unter, denn zur Eröffnung des Café Klamotte im Duisburger Stadtteil Rheinhausen ist es voll in dem 130 Quadratmeter großem Verkaufsraum. Erste Kunden, Neugierige, Helfer werfen interessierte Blicke auf die vollen Regale und Kleiderständer, die gemütlichen Stühle und das knallrote Sofa bleiben nicht lange unbesetzt. Das Konzept: In dem Raum, dessen großes Schaufenster in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz auch Passanten neugierig macht, gibt es für wenig Geld gut erhaltene, gespendete Kleidung, dazu noch die Möglichkeit, bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch zu kommen.

Stefan Ricken vom Caritascentrum West erklärt: "Schon vor zwei Jahren wollten wir mit der Kirchengemeinde St. Peter neue Impulse und neue Projekte schaffen, gemeinsam etwas auf die Beine stellen." Doch das "Offene Ohr", ein niederschwelliges Angebot für Menschen, die jemanden zum Zuhören suchen, wurde nicht so gut angenommen wie erhofft. "Das war also nicht das richtige", erinnert sich Ricken, "also haben wir uns Gedanken gemacht, was wir noch machen können." Schließlich reifte der Gedanke, günstig Kleidung anzubieten. Denn in Rheinhausen gibt es keine Kleiderkammer, "aber das ist ein wichtiges Angebot für Menschen mit wenigen finanziellen Mitteln", sagt Ricken. So kostet eine Hose zum Beispiel 1,50 Euro, den Badeanzug gibt es für 50 Cent, Unterwäsche kostet nur 20 Cent. Das Angebot im Café Klamotte, verbunden mit der zentralen Lage direkt am Markt, soll Schwellenängste abbauen.

Pfarrer Heiner Augustin, Stefan Ricken und Marion Kempkes vom Caritascentrum West sowie Matthias Masuch, Pastoralreferent der Gemeinde St. Peter (v.l.).

Wichtig für die erfolgreiche Eröffnung war die ökumenische Zusammenarbeit. So gehören zum Steuerungsteam neben Ricken und Marion Kempkes vom Caritascentrum der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Rheinhausen, Heiner Augustin, und Pastoralreferent Matthias Masuch von der katholischen Gemeinde St. Peter. Ricken sagt: "Uns war direkt klar, dass man so ein Projekt am besten gemeinsam stemmt. Es gibt bereits seit sechs Jahren unsere ökumenische Schulmaterialsammlung, und auch das Café Klamotte ist ein Paradebeispiel für die Ökumene." Es soll, hofft Ricken, außerdem ein nachhaltiges Projekt der Integration werden. Denn zu den möglichen Kunden zählen die Organisatoren Flüchtlinge, die in Rheinhausen heimisch werden und integriert werden sollen.

Dabei greift für die dezentral in Wohnungen untergebrachten Menschen der Wunsch des Café-Teams, nicht nur Kleidung zu verkaufen, sondern auch ein Anlaufpunkt für Menschen mit Fragen und Problemen zu werden. "Wenn jemand zu uns kommt und fragt, an wen er sich wenden kann, dann werden wir versuchen, zu helfen und den richtigen Ansprechpartner zu vermitteln", verspricht Ricken.

Quelle: RP
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