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Duisburg
Eine klingende Liebeserklärung an die Eule-Orgel

Duisburg. Fast fünf Stunden dauerte das erste Toccata-Konzert der Saison 2017/18 in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle. Von Ingo Hoddick

Mit 4349 Pfeifen (manche nur knapp zwei Zentimeter lang), 72 Registern und vier Manualen ist die Eule-Orgel ein Instrument der Superlative, ein Klangfarbenwunder, das auch große Stars der internationalen Orgelszene anzieht. Sie ist die einzige Konzertsaalorgelenglischer Bauweise auf dem Kontinent. Das bedeutet: der Klang ist satt, rund, voluminös und vermittelt in leisen Passagen oft den Eindruck von beinahe sphärischen Klängen. Die Register sind so vielfältig wie die Klangfarben eines Orchesters und ermöglichen die Aufführung von Werken aller Epochen und Genres von Pachelbel bis Pop. Das Meisterwerk der traditionsreichen Bautzener Orgelbaufirma Hermann Eule ist vorzüglich auf die Akustik und Ästhetik des Konzertsaals abgestimmt.

Jetzt gab es einen vierteiligen Konzert-Marathon, der statt der geplanten vier fast fünf Stunden dauerte, getragen vor allem von den drei Mitgliedern des Duisburger Orgelkuratoriums: Salvatorkantor Marcus Strümpe, Abteikantor Peter Bartetzky und dem Essener Orgelprofessor Roland Maria Stangier. Dazu kamen als Gäste der langjährige Bottroper Kirchenmusiker Fritz Storfinger und nicht zuletzt der Berliner Orgelprofessor Wolfgang Seifen.

Es begann klangprächtig, in der ersten Stunde füllten die Bühne die Solisten Franziska Fait (Sopran) und Gregor Finke (Bass), der philharmonische chor duisburg, Mitglieder der Duisburger Philharmoniker und an der Orgel Fritz Storfinger. Marcus Strümpe hatte als Dirigent drei perfekt passende, kraftvolle Chor-Werke ausgewählt: von der früh verstorbenen Lili Boulanger "Psalm 24" mit Blechbläsern, Harfe und Pauken, von Benjamin Britten die Kantate "Rejoice in the Lamb" op. 30 mit Orgel, in deren Mitte eine Mäuse jagende Katze vorkommt, und das "Gloria" mit Blech und Percussion von dem beliebten John Rutter.

Über weite Strecken hatte die Orgel hier nur dienende oder bescheiden tönende Funktion - macht nichts, gerade auch dafür ist dieses Exemplar gemacht. Umso heftiger war die Wirkung, als das Instrument zweimal bis zum Anschlag ausgefahren wurde. Das eine Mal in der zweiten Stunde, als Marcus Strümpe die ebenso skurrile wie effektvolle "Homage to Handel" op. 75b von Sigfrid Karg-Elert spielte, mit ihrer bewussten Linie "Deutschland-Händel-England" ein Muss auf dieser "englischen" Orgel. Sogar die mit "demonico" überschriebene Variation kam kongenial herüber. Das andere Mal am Ende, als der darauf spezialisierte Wolfgang Seifen zu dem expressionistischen Stummfilm "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920, mit Werner Krauss und Lil Dagover) improvisierte. Endlich einmal wurde der "Gruß an die Kinoorgel", den die Firma Eule eingebaut hatte, hier in die Tat umgesetzt, und das gleich sensationell.

Im nächsten, zweiten Toccata-Konzert am Samstag, 2. Dezember, um 16 Uhr, spielt Günther Rost Werke von Felix Mendelssohn, Franz Liszt und Marcel Dupré. Karten kosten acht Euro.

Quelle: RP
 
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