| 11.33 Uhr
Oper "Die Prinzessin auf der Erbse"
Eine Orgie der Sinne auf der Bühne
Duisburg: Das sagen die Opernscouts zu "Die Prinzessin auf der Erbse"
Duisburg: Das sagen die Opernscouts zu "Die Prinzessin auf der Erbse" FOTO: Hans Jörg Michel
Duisburg. Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg brachte in ihrem ausverkauften Duisburger Haus die Kurzoper "Die Prinzessin auf der Erbse" von Ernst Toch heraus. Die überschwängliche Inszenierung begeisterte Jung und Alt. Von Ingo Hoddick

Oper – das ist, wenn die Bühne bunt ist, farbenprächtig und golden. Wenn die skurrilen Figuren eines satirischen Märchens in grotesken Verkleidungen herrlich schräg singen. Wenn aus dem Orchestergraben heitere, drastische, aber auch mal stille Klänge kommen. Wenn Matratzen und Kissen vom Himmel (also vom Schnürboden und aus dem Rang) fallen. Wenn Matratzenberge (für kleine Mädchen) und Clowns (für kleine Jungs) dabei sind. Kurz: Wenn im Theater eine Orgie der Sinne stattfindet.

Diesen Eindruck mussten nicht nur Opern-Neulinge bei der jüngsten Premiere der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg in ihrem ausverkauften Duisburger Haus gewinnen. Auf dem Programm stand die Kurzoper "Die Prinzessin auf der Erbse" (1927) von Ernst Toch, auf die Bühne gebracht von dem bewährten und geistsprühenden Regieteam aus Svenja Tiedt (Inszenierung), Tatjana Ivschina (Bühne und Kostüme) und Amelie Jalowy (Choreographie). Es war nach "Robin Hood", "Der gestiefelte Kater" und "Die Nachtigall" schon ihr vierter Streich hier für Menschen ab sechs Jahren (die RP berichtete) – und man hatte sich nicht zu viel versprochen.

Humor und Gesang überzeugen

Zur Erinnerung an die Handlung des Märchens von Hans Christian Andersen: Der alte König hat große Sorgen. Sein einziger Sohn hat sich immer noch keine Braut gewählt, keine erscheint ihm gut genug, keine als eine wirkliche Prinzessin. Aber wenn sich der Prinz nicht bald entscheidet, zu heiraten und Kinder zu bekommen, ist die Dynastie gefährdet. Noch während der Hofstaat darüber debattiert, wie es möglich wäre, den Thronfolger an die Braut zu bringen, taucht ein Mädchen auf, das behauptet, königlichen Geblüts zu sein und vor ihrer bösen Stiefmutter zu fliehen. Plötzlich ist der Prinz wie verwandelt und hat sich Hals über Kopf verliebt. Doch der Hofstaat ist skeptisch: Was, wenn nun die Fremde keine Prinzessin wäre? Um das zu überprüfen, schlägt die clevere Amme die Erbsenprobe vor: Unter einem Berg von 20 Matratzen und 20 Daunendecken, auf dem das müde Mädchen sich ausruhen soll, versteckt sie eine Erbse. Eine echte Prinzessin müsste diese sofort spüren und sich beklagen. Und siehe da, die Fremde kann nicht einschlafen und brüllt in ihrer Wut den ganzen Hofstaat zusammen. Endlich ist eine würdige Braut für den Prinzen gefunden, und alle priesen die Sensibilität seiner zukünftigen Frau.

Die Duisburger Inszenierung geht aus von der Idee "Prinzessinnen-Casting", das die Natürlichste – eine Art Aschenputtel – gewinnt, und gelangt so in eine "Zirkus-Jahrmarkt-Spieluhr-Welt". Nicht ganz so schlüssig erscheint hingegen die Suggestion, dass der hinzuerfundene Erzähler mit der fremden Prinzessin unter einer Decke steckt, ihr das gewünschte Ergebnis der Erbsenprobe vorher verraten hat. Es gibt jedenfalls einige großartige Gags, etwa wenn die nächtliche Schafherde sich als der Hofstaat entpuppt.

Die sieben erstklassigen Gesangs-Solisten leisten Überdurchschnittliches. Zum einen, indem sie die extrem schwierigen Partien musikalisch meistern, die komponierten Töne liegen oft haarscharf neben den erwarteten. Zum anderen, indem sie zugleich ihrer komischen Spielfreude freien Lauf lassen. Das geht von Timo Riihonen (König) und Elisabeth Selle (Die Königin) über Corby Welch (Der Prinz) und Alma Sadé (Eine fremde Prinzessin) sowie James Bobby (Der Kanzler) und Florian Simson (Der Minister) bis zu Susan MacLean (Amme).

Rheinoper-Kapellmeister Christoph Altstaedt lässt die Duisburger Philharmoniker die nadelspitze Ironie dieser Musik treffsicher auf den Punkt bringen. Der oft solistisch-virtuose Kommentar der Instrumente ist einer der stärksten Aspekte der Produktion.

Quelle: RP
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