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Duisburg
Eine "Tosca" wie aus einem Guss
Duisburg: Eine "Tosca" wie aus einem Guss
Selbst an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg gab es selten eine so durchweg gelungene Vorstellung wie jetzt, als die gut neun Jahre junge Produktion der Oper "Tosca" von Giacomo Puccini im Duisburger Theater wieder aufgenommen wurde. Das Bild zeigt eine andere Tosca-Auufführung. FOTO: Detlef Ilgner
Duisburg. Selbst an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg gab es selten eine so durchweg gelungene Vorstellung wie jetzt, als die gut neun Jahre junge Produktion der Oper "Tosca" von Giacomo Puccini im Duisburger Theater wieder aufgenommen wurde. Von Ingo Hoddick

Dieses "melodramma" ist ja eine der beliebtesten Opern überhaupt, eine einzigartige Meister-Mischung aus Rührstück und Schocker. Dietrich Hilsdorf hat den ersten der drei Akte noch ganz konventionell inszeniert. Danach wird es teilweise widersprüchlich.

Zum Beispiel wird im Original Toscas Geliebter Cavaradossi im Nebenraum gefoltert und Tosca damit gequält, dass die Tür geöffnet wird, damit sie seine Schmerzensschreie hören muss. Bei Hilsdorf sind alle anwesend, Tosca werden die Augen verbunden - und die Tür muss trotzdem geöffnet werden, weil es so im Text steht. Geradezu genial ist der (pausenlose) Übergang vom zweiten zum dritten Akt gelöst. Auch wenn der eigentlich bereits ermordete Scarpia hier zwischendurch "wieder aufersteht".

Über diese Inszenierung kann man also nach wie vor streiten - nicht jedoch über die musikalische Qualität dieser Wiederaufnahme wie aus einem Guss. In den beiden Hauptpartien waren kurzfristig zwei außergewöhnliche junge Sänger eingesprungen: die italienische Sopranistin Raffaella Angeletti als Sängerin Floria Tosca und der chilenische Tenor Giancarlo Monsalve als Maler Mario Cavaradossi.

Endlich einmal keine hysterische Hochdramatische als Tosca, sondern ein echter "lirico spinto". Endlich einmal kein gedankenloser Schönsänger als Cavaradossi, sondern ein wirklicher Künstler. Die beiden fügten sich elegant in die Produktion ein und ihre berühmten Arien "Vissi d'arte" beziehungsweise "E lucevan le stelle" waren ein großer Erfolg. Besonders bejubelt wurde auch der auf Erz-Schurken abonnierte John Wegner als Baron Scarpia.

Der Dirigent Wen-Pin Chien fand einen großartigen Ausgleich von heiterer Italianità und düsterer Dramatik. Das dankten ihm vor allem die Duisburger Philharmoniker mit beseeltem Spiel an jedem einzelnen Pult, mit exquisiten Klangfarben. Das waren Sternstunden, auf der Bühne wie im Orchestergraben.

 

Quelle: RP
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