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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Eine vergessene Festung

Duisburg. Die Festung Angerort war im Dreißigjährigen Krieg hart umkämpft. Sie lag auf dem Gebiet des Herzogs von Jülich Berg. Sogar der berühmte Generalfeldmarschall Melander von Holzappel fand hier eine Herberge. Von Harald Küst

Kaum eine der Landmarken ist so eindrucksvoll wie die Skulptur Tiger & Turtle im Duisburger Angerpark. Was viele Besucher allerdings oft übersehen, ist die ausgebaute Wegeverbindung zum Rhein, die entlang des Angerbachs bis auf die Höhe des geschichtsträchtigen Hauses Angerort führt und an einem Aussichtssteg endet. Hier verlief die Grenze zwischen den Herzogtümern Jülich Berg und Kleve. Das denkmalgeschützte Gebäude liegt heute versteckt und von Bäumen zugewuchert direkt am Rhein zwischen Logport II- und HKM-Gelände.

Angerort war ein herausragender "strategischer Hotspot" im Dreißigjährigen Krieg und wurde in den 1630er Jahren zur Festung ausgebaut. Zuvor hatten holländische Söldner Angerort geplündert. Es gab damals keine klare Fronten wie in einem klassischen Krieg zwischen Staaten. Vielmehr verliefen die wechselnden Fronten der Söldnerheere am Niederrhein zwischen kaiserlichem Heer (Ferdinand III.) und dem protestantischen Hessen, die wiederum mit Schweden und Frankreich verbündet waren. Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten sowohl katholische als auch protestantische Truppen das Gebiet um Angerort.

In dieser undurchsichtigen Lage versuchte der Herzog Wolfgang Wilhelm von Jülich Berg durch eine Neutralitätspolitik und temporäre Allianzen, sein Herrschaftsgebiet vor weiteren Zerstörungen zu bewahren. 1642 wurde der ehemalige hessische General Peter Melander vom Herzog von Jülich Berg auf Angerort gesetzt. Der Protestant und ehemalige hessische Kriegsherr Peter Melander von Holzappel hatte inzwischen die Seiten gewechselt und prüfte gelassen seine Karriereoptionen.

Der Historiker Steffen Leins beschreibt Melanders weiteren beispiellosen Aufstieg zum kaiserlichen Generalfeldmarschall wie folgt: "Er verkörpert einen Typ Feldherr, der gewinnorientiert auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko arbeitet und sich frei von jedweder ideellen Verpflichtung fühlt". Ein Kriegsunternehmer. Als Melander Angerort verließ, hatte dies für Angerort dramatische Folgen. Hessische Truppen fielen ins Land und plünderten und verwüsteten das Haus. Vermutlich eine Rache am abtrünnigen protestantischen Melander, der nunmehr für die katholische Liga kämpfte. Danach übernahmen zunächst wieder bergische Truppen die Festung. Angerort kam nicht zur Ruhe.

Im Juni 1642 war der jülich-bergische Kommandant Leutnant Friedrich Weingens der Herr von Angerort. Dieser wurde zu jener Zeit auf einer Rückreise von Düsseldorf nach Angerort von kaiserlichen Truppen, die zuvor vergeblich versucht hatten, Angerort zu erobern, aufgegriffen und nach Kaiserswerth gebracht. Dort wurde er "blau gefärbt" geschlagen und mit brennenden Gewehrlunten bedroht, so dass Weingens in Todesangst schließlich seinen auf Angerort verbliebenen Truppen den Befehl gab, die Festung an die kaiserlichen Truppen zu übergeben. Die Neutralitätspolitik des Herzogs von Jülich Berg hatte wieder einmal Schiffbruch erlitten.

So kam es, dass zwischen 1642 und 1644 auf Angerort der kaiserliche Truppenkommandant Fargel herrschte. Als Kommandant von Angerort hielt sich Fargel nicht an bestehende Verträge und plünderte regelmäßig das umliegende Land. Erst 1644 verlor Angerort seine strategische Bedeutung für die kaiserlichen Truppen und Fargel zog mit seinen circa 200 Mann nach Koblenz ab. Angerort wurde wieder an den Herzog von Jülich Berg übergeben.

Über die Ereignisse nach dem Abzug liegen widersprüchliche Aussagen vor: Danach ließ der Herzog die Anlage sprengen, damit seine Feinde dort keine Truppen unterbringen konnten. Andere Historiker vermuten, dass die kaiserlichen Truppen die Festung selbst sprengten. Wie auch immer: Bald darauf erfolgte der schlichte Wiederaufbau der Anlage ohne Türme. Das Gebäude erlebte weitere Umbauten und verlor den Festungscharakter. Es wurde später durch Hochwasser und Eisgang arg beschädigt - blieb aber noch bis 1778 Adelssitz.

Fabrikanten, Großhändler und ein Arzt aus Ruhrort wurden Besitzer des Herrenhauses, ehe es ab 1861 mit dem ganzen Umland vom Grafen von Spee aufgekauft und 1907 von ihm an das Unternehmen Schulz und Knaudt abgegeben wird. Der jetzige Besitzer, HKM, nutzt das denkmalgeschützte Gebäude heute nicht mehr. Schade - die Lage mit Rheinblick wäre sicherlich eine exklusive Adresse.

Quellen: Duisburger Forschungen, Band 5, Günther Engelbrecht, S.192 Angerort als Festung gegen Ende des 30jährigen Kriege

Quelle: RP
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